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IG Metall Deutschland sucht den Schwermetaller

 ·  Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber hat angekündigt, seinen Posten vorzeitig räumen zu wollen. Gleich mehrere mögliche Nachfolger laufen sich für die Position in Europas größter Einzelgewerkschaft warm.

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© dapd Der Spitzenposten in Europas größter Einzelgewerkschaft ist neu zu besetzen

In Arbeitgeberkreisen kursierte am Montag das Bonmot, dass nun ja Martin Kannegiesser den Posten übernehmen könne. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, der erst vor kurzem seinen Rückzug aus der Verbandsspitze angekündigt hat, war danach schließlich in einer IG-Metall-Zeitschrift als ganz guter Typ beschrieben worden, der nur leider auf der falschen Seite stehe. Nun hat am Wochenende Kannegiessers langjähriger Gegenspieler Berthold Huber angedeutet, sein Amt als Vorsitzender der IG Metall auf einem Sondergewerkschaftstag 2013 vorzeitig räumen zu wollen. Der Spitzenposten in Europas größter Einzelgewerkschaft wäre also neu zu besetzen.

Überraschend frühe Veröffentlichung der Nachricht

Die Nachricht aus der Frankfurter Zentrale ist an sich weniger überraschend als der frühe Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. Schließlich hatte der 62 Jahre alte Huber schon vor dem jüngsten ordentlichen Gewerkschaftstag im Oktober 2011 in Karlsruhe verkündet, sich zum letzten Mal zur Wiederwahl zu stellen. Außerdem deutete er damals an, dass im Zuge der Verjüngung des Vorstands zwei Mitglieder schon zur Halbzeit durch jüngere Kollegen ersetzt werden könnten.

Hauptkassierer Bertin Eichler gilt als ein Kandidat. Dass Huber sich nun selbst ins Spiel bringt, dürfte auch mit der herben Niederlage von Karlsruhe zu tun haben, als sein Plan zur Verkleinerung des Vorstands von sieben auf fünf Mitglieder überraschend die nötige Zustimmung verfehlte.

Der Zweite wird der Erste - nach diesem Leitsatz hat Huber einst seinen Rivalen Jürgen Peters beerbt. Behält das ungeschriebene Gesetz Gültigkeit, führt in der Nachfolgefrage kein Weg an Detlef Wetzel vorbei. Seit 2007 ist der Mann aus Nordrhein-Westfalen Vize, er leitet das damals neu geschaffene Kampagnen-Ressort. Wurde der Feldzug gegen die Rente mit 67 noch mangels Interesse abgebrochen, profilierte sich Wetzel später mit schroffen Tönen gegen die Zeitarbeit. Als erster Mann der IG Metall müsste er beweisen, dass er nicht nur Attacke kann, sondern auch moderate Töne beherrscht. Allerdings wird Wetzel im Dezember 60 Jahre alt. Übernähme er das Zepter von Huber, wäre er bei der nächsten ordentlichen Wahl schon 62 und bei einer Wiederwahl älter als 65 Jahre. Das ist zwar nicht verboten, spräche der Gewerkschaftsposition jedoch Hohn.

Oliver Burkhard: Jung genug, um abzuwarten

Kein Problem mit der Altersgrenze hat dagegen Oliver Burkhard. Mit gerade 40 Jahren hat sich der gebürtige Frankfurter schon einige Meriten in Form von Pilotabschlüssen in Tarifverhandlungen erworben - die Währung für Gewerkschaftskarrieren. Sein Posten an der Spitze des Bezirks Nordrhein-Westfalen ist jedoch ein Problem, weil mit ihm und Wetzel zwei Spitzenvertreter aus Deutschlands größtem Bundesland in der sehr dezentral organisierten IG Metall kaum denkbar wären. Burkhard, heißt es, sei jung genug, um abzuwarten.

Eigentlich läuft damit alles darauf hinaus, das Jörg Hofmann einen der beiden Führungsposten übernimmt. Mit 57 Jahren ist er gerade noch jung genug für eine mittelfristige Perspektive. Außerdem kommt der Diplom-Ökonom wie Huber aus Baden-Württemberg. Im Mai gelang ihm im Südwesten der Pilotabschluss in der Metall- und Elektroindustrie. Die Lohnsteigerung von rund 4 Prozent wurde zwar nicht überschwänglich bejubelt, insgesamt gilt der Abschluss angesichts weiterer Zugeständnisse der Arbeitgeber etwa bei Zeitarbeit und Ausbildung jedoch als vorzeigbar. Mit dem Tandem Wetzel/Hofmann wäre der Proporz der beiden größten und einflussreichsten Bezirke in der Führung gewahrt. Und Hofmann würde sogar seinen baden-württembergischen Verhandlungspartner Rainer Dulger behalten, der als Kannegiessers Nachfolger den Gesamtmetall-Verband führen wird. Allerdings gilt Hofmann als verwurzelt im Südwesten. Berlin soll ihm nicht recht sympathisch sein. Im Mai antwortete er dieser Zeitung auf die Frage, ob er sich eines Tages auf Hubers Nachfolge bewerben werde: „Nein.“

Zwei Bedingungen für den vorzeitigen Rückzug

Vielleicht werden aber auch noch andere Figuren eine tragende Rolle in den neuen Führungsstrukturen spielen, zum Beispiel das bisherige Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban oder Armin Schild aus dem Bezirk Mitte. Oder es kommt alles noch ganz anders. Denn zwei Bedingungen hat Huber für seinen vorzeitigen Rückzug gestellt: Erstens dürfe es keinen Zusammenbruch der Wirtschaft geben wie 2008. Und zweitens solle es nicht zu so zermürbenden Flügelkämpfen unter den mehr als 2,2 Millionen Mitgliedern kommen, wie er sie selbst im Ringen mit Peters 2003 erlebt hat. Gut möglich, dass Berthold Huber weitermacht und die Führungsfrage auf 2015 vertagt wird.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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