http://www.faz.net/-gqe-882mg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.09.2015, 13:49 Uhr

Ifo-Institut Viele Flüchtlinge nicht für Arbeitsmarkt qualifiziert

Münchner Wirtschaftsexperten glauben, dass die Mehrheit der Flüchtlinge sich schwer tun wird, eine Beschäftigung zu finden - und schlagen drastische Maßnahmen vor.

© Frank Röth Asylbewerber lernen in einer Schreinerwerkstatt den Umgang mit Holz.

Die meisten der Flüchtlinge sind nicht gut genug für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert. Zu dieser Einschätzung kommt das Münchner Ifo-Institut. Damit die Flüchtlingskrise den Steuerzahler nicht dauerhaft überlastet, müssten die Zuwanderer so schnell wie möglich bezahlte Jobs annehmen, erläuterten die Wirtschaftsexperten in einer Mitteilung vom Sonntag. „Es steht zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering ist.“ Das Institut plädiert deshalb dafür, den Mindestlohn abzusenken.

Die Experten rechnen damit, dass dem Staat durch den Zustrom von Flüchtlingen Mehrkosten von zehn Milliarden Euro entstehen. Von einer ähnlichen Größenordnung gingen zuletzt auch die Schätzungen der Bundesregierung aus. Nicht erfasst in seinen Berechnungen hat das Institut Kosten für Bildung. Um aber die Migranten fit für den Arbeitsmarkt zu machen, müsse der Staat neben Deutschkursen auch in die Berufsbildung investieren. Das werde weitere Kosten verursachen.

Mehr zum Thema

Der Anteil von Analphabeten in den Herkunftsstaaten sei meist hoch, in Afghanistan etwa liege er bei mehr als 50 Prozent bei den 14- bis 29-Jährigen. Der Anteil der Hochschulabsolventen betrage selbst im vergleichsweise hoch entwickelten Syrien nur sechs Prozent. Zudem seien in vielen Fällen die Abschlüsse nicht gleichwertig.

Die Experten sprachen sich zugleich dagegen aus, die Hartz-IV-Regelsätze anzuheben, da dies nach ihrer Auffassung den Anreiz für Migranten, eine Arbeitsstelle anzutreten, verringern könnte. Die Ifo-Prognosen basieren auf der Zahl von 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr in Deutschland erwartet werden.

© DW, Deutsche Welle Jobs für Flüchtlinge – Große Worte, nichts dahinter?

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Technologie-Export China exportiert Atomkraft in den Sudan

Die Volksrepublik drängt auf die Energiemärkte im Ausland. Der Hualong-Reaktor kommt nicht nur im Sudan zum Einsatz. Doch die massive Expansion erhöht auch die Risiken. Mehr

24.05.2016, 07:51 Uhr | Wirtschaft
Meseberg Bundesregierung einigt sich auf Integrationsgesetz

Das Gesetz soll die Integration von Migranten fördern und zeigt Rechte und Pflichten für Zuwanderer bei der Eingliederung auf. Geplant ist etwa ein verbesserter Zugang für Migranten zu Integrations- und Deutschkursen, ein Schutz vor Abschiebung für geduldete Ausländer während einer Ausbildung sowie 100.000 Minijobs für Flüchtlinge. Mehr

24.05.2016, 18:06 Uhr | Politik
Dänischer Arbeitsmarkt Flüchtlinge verbessern Chancen einheimischer Arbeitnehmer

Durch die vielen potentiellen Arbeitskräfte, die ins Land kommen, verbessert sich laut einer neuen Studie die berufliche Situation der Einheimischen. Die Erklärung klingt plausibel. Mehr Von Anna Steiner

13.05.2016, 10:37 Uhr | Wirtschaft
Italienische Insel Flüchtlinge setzen Wohnheim auf Lampedusa in Brand

Laut örtlicher Feuerwehr soll eine Gruppe von Migranten ein Wohnheim auf der italienischen Insel Lampedusa in Brand gesetzt haben. Offenbar wurden mehrere Matratzen angezündet, das ganze Ausmaß des Schadens blieb zunächst unklar. Mehr

18.05.2016, 10:10 Uhr | Politik
Flüchtlingskrise Koalition einigt sich auf Integrationsgesetz

Ein Integrationsgesetz soll die Eingliederung von Migranten und Flüchtlingen deutlich verbessern. Einwanderern wird künftig mehr abverlangt als bisher. Darauf haben sich Union und SPD auf ihrer Koalitionsklausur geeinigt. Mehr

24.05.2016, 14:08 Uhr | Politik

Das Weihnachtsgeld ist kein fauler Trick

Von Hendrik Wieduwilt

Zählt das Weihnachtsgeld zum Gehalt – oder ist es nur ein fauler Trick, um den Mindestlohn zu umgehen? Die Arbeitsrichter haben eine gute Entscheidung getroffen. Mehr 7 12


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 65

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden