Die Stimmung in der westdeutschen Wirtschaft hat sich in diesem Monat wieder aufgehellt. Das Münchner ifo-Institut ermittelte für seinen als Gradmesser geltenden Geschäftsklima-Index im Mai einen Wert von 91,5 Punkten. Volkswirte hatten im Vorfeld nur mit einem geringfügigen Anstieg des viel beachteten Index auf 90,6 erwartet.
Im April lag der Index bei 90,5 Punkte, im März allerdings schon einmal bei 91,5. Die vom ifo befragten Unternehmen beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate überraschend günstiger. Teil-Der Index für die Bewertung der aktuellen Geschäftslage stieg aber immerhin auch leicht. In Ostdeutschland dagegen sank die Stimmung von 110,1 Punkten im April auf nun 99,4 Punkte. An der Börse zogen die Kurse unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten an.
Rückgang im April war ein „Ausrutscher“
„Zur Besserung des Geschäftsklimas trugen vor allem günstigere Meldungen aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Großhandel bei", erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. „Der Aufschwungprozess geht weiter“, sagte Gernot Nerb, Chefvolkswirt des Instituts. Der Rückgang des Geschäftsklimaindexes im April sei offensichtlich nur ein Ausreißer gewesen. Abgesehen vom April hat sich der ifo-Index seit Oktober kontinuierlich verberssert. Das ifo Institut warnte allerdings vor Euphorie. „Der Konjunkturmotor läuft noch nicht rund“, sagte Nerb. Vor allem in der Industrie habe sich die Stimmung - beflügelt von der Auslandsnachfrage - verbessert. Dagegen sei insbesondere im Einzelhandel und in der Bauwirtschaft noch kein Aufschwung zu erkennen.
Der Aufschwung findet statt
„Alles in allem ist der Aufschwung nach wie vor intakt", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DGZ-Dekabank zu den Daten. Volkswirte betrachen den Rückgang im April nun endgültig als abgehakt. „Wir waren davon ausgegangen, dass der Rückgang im vergangenen Monat ein Ausrutscher war. Der Anstieg passt jetzt wieder ins Bild: Der Aufschwung wird stattfinden oder findet sogar schon statt“, sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Der Volkswirt wies allerdings darauf hin, dass es weiterhin Konjunkturrisiken gibt. Deshalb werde sich für die Europäische Zentralbank nichts ändern: „Vor der Sommerpause wird sie die Zinsen nicht erhöhen.“
Streiks hinterlassen keine Spuren beim ifo
Andere Experten zeigten sich überrascht darüber, dass der Tarifkonflikt in der Metallbranche keine Spuren beim ifo hinterlassen hat. Die gestiegene Zuversicht in die künftige Wirtschaftsentwicklung ist für Invesco-Chefvolkswirt Jörg Krämer „um so bemerkenswerter, als es im Mai Streiks gegeben hat.“ Auch Scheuerle hatte wegen der Streiks mit einem schwächeren Anstieg gerechnet.
Das ifo-Barometer stützt sich auf eine Umfrage unter Firmen über ihre derzeitige Geschäftssituation und ihre Erwartungen für die Zukunft. Berücksichtigt sind das Verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe sowie der Groß- und Einzelhandel. Das ifo-Institut veröffentlichte nun erstmals die Zahlen für den laufenden Monat. Bislang erfolgte dies nur für den Vormonat.
