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Ifa (29. 8. - 3.9.) Die Ifa soll dem "geilen Geiz" ein Ende setzen

03.09.2003 ·  Die Aussteller erhoffen von der Internationalen Funkausstellung in Berlin einen Wachstumsschub. Längst ist aus der biederen "braunen Ware" ein Designerstück geworden.

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Früher hieß Unterhaltungselektronik "braune Ware". Die Geräte im Holzimitat-Gewand sollten sich nahtlos in die Schrankwand einpassen. Längst ist aus der biederen "braunen Ware" ein Designerstück geworden. Technisch auf dem neuesten Stand, setzt sich die Stereoanlage aus matt metallisch schimmernden Boliden zusammen. So möchte die Industrie den Kunden ausgerüstet sehen. Diese Hoffnung wird auch in diesem Jahr während der Ende August beginnenden Internationalen Funkausstellung (Ifa) die Angebote prägen.

Die buntschillernde Welt unter dem Berliner Fernsehturm kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es um die Branche derzeit nicht gut bestellt ist. Der Umsatz stagniert seit einiger Zeit und ging in Deutschland im vergangenen Jahr sogar auf 9,3 Milliarden Euro zurück. Zwar verdienen einige Hersteller von Massenware vor allem über den Vertriebskanal der Discounter noch gut an der Lust der Verbraucher auf neue Unterhaltungsgeräte, viele Traditionshersteller finden hingegen aus der Stagnation nicht heraus.

Schleppendes Geschäft bei Traditionsfirmen

So berichtet der Fernsehhersteller Loewe von einer "verstärkten Konsumflaute im hochwertigen und hochpreisigen Segment" und rechnet mit einem Umsatzrückgang. Grundig, einst der Paradehersteller für die "braune Ware", mußte Insolvenz anmelden, und auch der japanische Konzern-Gigant Sony leidet unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher.

Jetzt soll die Ifa dieser "Geiz ist geil"-Mentalität ein Ende setzen. Die Funkausstellung ist traditionell eine Ordermesse, auf der die Händler ihre Bestellungen für die kommende Saison festlegen. Während der Veranstaltung im Jahr 2001 sind nach Angaben der Messegesellschaft Aufträge in Höhe von zwei Milliarden Euro erteilt worden. Allerdings verlieren die zersplitterten Vertriebsstrukturen des kleineren Fachhandels für die Branche immer mehr an Gewicht - auch wenn die Hersteller immer wieder beteuern, diesem Vertriebskanal eine besondere Bedeutung beizumessen.

Heute stehen die Großmärkte für Unterhaltungselektronik wie Saturn, Media-Markt oder Pro-Markt an der Spitze der Verbrauchergunst. Aber auch für diese spezialisierten Massenvertriebswege hat sich neue Konkurrenz durch die Discounter ergeben. Nach Angaben aus Branchenkreisen wurden 2002 schon mehr als 17 Prozent aller Fernseher in Deutschland bei einem Discounter gekauft. Bei den DVD-Playern - derzeit der Wachstumsrenner schlechthin - waren es wie auch bei den handlichen Videokameras (Camcorder) rund 15 Prozent des Absatzes. Am Wert der Geräte bemessen, fallen die Daten jedoch deutlich niedriger aus: So wurden gut 8 Prozent des Geldes für Fernseher beim Discounter ausgegeben, bei den Camcordern waren es rund 13 Prozent und bei den DVD-Playern 11,5 Prozent.

Der Preis entscheidet

Dies deutet darauf hin, daß die Verbraucher zwar weiterhin Ersatzinvestitionen tätigen, sich dabei aber vor allem vom Preis der Geräte leiten lassen. Davon profitieren neben den Discountern als Vertriebskanal besonders die Massenhersteller, die vor allem aus Asien kommen.

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es kaum, daß die IfA von einem neuen Ausstellerrekord berichtet: "Die Ifa war noch nie so international wie in diesem Jahr", sagte der Geschäftsführer der Messe Berlin, Christian Göke. Die Zahl der ausländischer Aussteller sei auf 67 Prozent gestiegen nach 49 Prozent während der Ifa im Jahr 2001 mit insgesamt 915 Ausstellern. Deutlich mehr Anbieter würden aus China, Taiwan, Korea und Indien anreisen, heißt es in Berlin. Aus diesen Ländern kommt offenbar das Wachstum, das die Branche trägt.

Preisrutsch bei Flachbildschirmen erwartet

Dabei hat die Ifa in diesem Jahr durchaus gute Chancen, eine echte Innovations-Show zu werden. So haben viele Fernsehhersteller Geräte mit Flachbildschirmen angekündigt, die in Berlin erstmals für den Massenmarkt in echte Konkurrenz zueinander treten. Entsprechend deutlich fällt das Preisniveau. Leopold Bonengl, Vorsitzender der Geschäftsführung von Sony Deutschland, rechnet damit, daß ein mittelgroßer Flachbild-Fernseher im Verlauf der nächsten zwölf Monate nur noch so viel kosten wird wie heute ein hochpreisiges Röhrengerät. Für den Gesamtmarkt der Flachbild-Fernseher rechnet er mit einer Zuwachsrate von rund 300 Prozent innerhalb dieses Zeitraumes.

Auch ist die Heimkino-Technik inzwischen so ausgereift, daß sich um die Fernseher herum eine vollständige Hifi-Anlage mit einer Vielzahl von Lautsprechern gruppiert, die einen echten Mehrwert vor allem beim Abspielen der Filme von DVDs ermöglicht. Dies alles steht unter dem Schlagwort der Digitalisierung der Musik und Unterhaltungselektronik, die die Messe prägen wird. Ob sich die Verbraucher davon beeindrucken lassen und der Branche einen Umsatzschub bescheren, wird sich allerdings erst nach der Ifa zeigen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2003, Nr. 181 / Seite 18 , jcw
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