28.10.2008 · Bahn-Chef Mehdorn erhält aus dem Aufsichtsrat Unterstützung für seine Pläne, wegen der Sicherheitsprobleme bei den Hochgeschwindigkeitszügen Schadenersatz vom Hersteller-Konsortium zu fordern.
Die Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich im Fernverkehr bis Mitte November auf Einschränkungen einstellen. Solange werde der seit Samstag gültige Ersatzfahrplan auf den vier ICE-T-Linien voraussichtlich fortgesetzt, teilte die Bahn am Dienstag mit. Die Einschränkungen für die Fahrgäste reduzierten sich jedoch kontinuierlich wegen der täglich steigenden Zahl der überprüften ICE-T-Fahrzeuge, erklärte das Unternehmen weiter.
Die Bahn sah sich aus Sicherheitsgründen gezwungen, fast ihre gesamte ICE-T-Flotte am Samstag aus dem Verkehr zu ziehen. Deren Achsen werden nun auf Materialschäden überprüft, bevor die Züge wieder auf die Schiene kommen. Die Route Hamburg-Berlin-Leipzig-Nürnberg-München, auf der normalerweise der Neigetechnik-ICE T fährt, ist besonders von Zugausfällen betroffen.
„Mit Kulanz kann man nichts mehr regeln“
Unterstützung aus dem Aufsichtsrat erhält Bahn-Chef Hartmut Mehdorn für seine Pläne, wegen der Sicherheitsprobleme beim ICE Schadenersatzforderungen gegen das Hersteller-Konsortium prüfen zu lassen. „Wir sollten den Vorstand auffordern, Klage gegen die Produzenten einzureichen“, sagte Aufsichtsratsmitglied Georg Brunnhuber der „Passauer Neuen Presse“. „Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem man mit Kulanz nichts mehr regeln kann“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete weiter.
Zudem solle es der Bahn künftig erlaubt sein, sich in der Zukunft bei Neuanschaffungen „verstärkt im Ausland umzusehen, wenn es die deutschen Produzenten nicht auf die Reihe kriegen“.
Aufsichtsratschef verteidigt Bonuszahlungen für Börsengang
Im Streit um Sonderzahlungen an den Bahnvorstand im Falle eines Börsenganges hat der Aufsichtsratsvorsitzende der Bahn, Werner Müller, die verabredeten Boni verteidigt. „Hier zählt das Leistungsprinzip und sonst gar nichts“, sagte Müller der „Süddeutschen Zeitung“. „Für gute Arbeit beim Börsengang gibt es gutes Geld, für durchschnittliche Arbeit weniger und für schlechte Arbeit gar nichts.“ Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte zuvor erfolglos bei Müller interveniert. Tiefensee, der erst spät von der Regelung erfahren hatte, wollte die Boni nachträglich gekippt wissen.
Nach Informationen der Zeitung sind die Sonderzahlungen gestaffelt und richten sich nach dem Börsenerlös. Danach sollte etwa Bahnchef Hartmut Mehdorn schon bei einem Verkaufserlös von 3,5 Milliarden Euro einen Bonus von 150.000 Euro bekommen, Finanzchef Diethelm Sack 130.000 Euro. Bei Erlösen zwischen 4,5 und fünf Milliarden Euro erhielte Mehdorn nach Angaben der „SZ“ 600.000 Euro, der gesamte Vorstand teilte sich vier Millionen Euro. Die höchsten Sonderzahlungen seien für einen Erlös von mehr als sieben Milliarden Euro geplant, sie lägen den Angaben zufolge für Mehdorn dann aber immer noch unter einer Million. Der komplette achtköpfige Bahnvorstand solle in den Genuss der Vorteile kommen.
Russland, China und Deutsche Bahn wollen Fracht-Unternehmen gründen
Unterdessen wollen die Russische Staatsbahn (RZD) und die Deutsche Bahn gemeinsam mit China ein Joint Venture für den Containertransport zwischen Europa und China gründen. Das teilte der russische Bahnchef Wladimir Jakunin am Dienstag in Moskau mit, wie die Agentur Interfax meldete. Peking habe positiv auf das Angebot reagiert und werde höchstwahrscheinlich eine Tochter der Chinesischen Eisenbahn in das Gemeinschaftsunternehmen delegieren. In Russland hielt sich am Dienstag auch der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao zu einem Staatsbesuch auf.
Die Russische Staatsbahn und die Deutsche Bahn haben bereits eine gemeinsame Transport- und Logistik-Tochter. Die Bahntochter DB Mobility Logistics (einst Stinnes) und die RZD halten jeweils 30 Prozent, die RZD-Tochter Transcontainer 20 Prozent sowie das polnische Unternehmen Polzug und die Frankfurter Kombiverkehr KG jeweils 10 Prozent der Anteile. Im April 2005 gründeten die Deutsche Bahn und die Russische Bahn ein Joint Venture - EurasiaRailLogistic - für den Gütertransport zwischen Deutschland, Polen, Weißrussland und Russland.
Erinnert an die anfänglichen Mautprobleme
Alfred Weimann (GigaroCDA)
- 28.10.2008, 16:54 Uhr
Boni für normale Arbeit
Klaus D. Wolf (serigala)
- 28.10.2008, 17:09 Uhr
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