16.02.2012 · Vor rund zwei Wochen haben die Behörden die Produktion wegen mangelnder Hygiene gestoppt. Jetzt hat die schwer angeschlagene Großbäckerei Insolvenzantrag gestellt.
Die mit Hygieneproblemen kämpfende Großbäckerei Müller-Brot ist pleite. Das Unternehmen aus dem oberbayerischen Neufahrn reichte am Donnerstagnachmittag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Landshut ein. Das bestätigte der Vizepräsident des Landgerichts in Landshut, Christoph Fellner, auf Anfrage.
Betroffen sind rund 1100 Beschäftigte in der Großbäckerei. Ursprünglich wollten die Behörden an diesem Freitag prüfen, ob die Produktion wieder aufgenommen werden sollte. Das Unternehmen hatte nach Bekanntwerden der Hygienemängel massive Umsatzverluste hinnehmen müssen.
Die Produktion in der Fabrik war am 30. Januar von den Lebensmittelbehörden gestoppt worden, nachdem gravierende Hygienemängel wie Mäusekot oder Maden im Mehl nicht abzustellen waren. Am vergangenen Samstag hatte sich die Geschäftsführung bei einer Betriebsversammlung etwa 500 Beschäftigten gestellt. Der Mehrheitseigentümer Klaus Ostendorf erschien nicht und hatte sich entschuldigen lassen.
Scharfe Kritik an dem Vorgehen des Unternehmens kam von Seiten der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Die Beschäftigten durch Lug und Trug in Sicherheit wiegen und parallel das Insolvenzverfahren betreiben. Das ist wirklich das Letzte,“ sagte Mustafa Öz von der NGG. Das Vorgehen der Eigentümer sei „menschenverachtend“. Auch die Behörden hätten sich schuldig gemacht. Den Mitarbeitern könnten ausstehende Gehälter verloren gehen. Noch sei weder das Januar- noch das Februar-Gehalt bezahlt worden, sagte Öz. Zuletzt sei es häufiger zu solchen Verspätungen gekommen. Den Mitarbeitern drohten nun herbe finanzielle Verluste, da das Insolvenzgeld erst ab der Anmeldung der Insolvenz bezahlt werde.
Mitte 2009 bis 2012: 21 Mal besuchen Lebensmittelkontrolleure die Produktion von Müller-Brot und stellen mehrmals Mängel fest. Die Öffentlichkeit erfährt davon zunächst nichts.
Mitte 2011: Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf.
30. Januar 2012: Müller-Brot muss die Produktion wegen Hygienemängeln stoppen. Das Unternehmen begründet dies nach außen zunächst mit einem angeblichen Schwelbrand.
1. Februar: Das zuständige Landratsamt Freising teilt mit, dass Hygienemängel hinter dem Produktionsstopp stecken.
3. Februar: Es wird bekannt, dass Müller bereits seit Jahren auffällig ist und mehrmals hohe Zwangs- und Ordnungsgelder zahlen musste. Der Produktionsstopp bleibt nach einer weiteren Kontrolle bestehen.
7. Februar: Müller verliert mit dem Discounter Lidl einen Großkunden.
16. Februar: Als weiterer Großkunde springt Aldi Süd ab. Am Abend wird bekannt, dass Müller-Brot Insolvenzantrag gestellt hat.
Aus München
klaus melzer (dotschn)
- 17.02.2012, 19:38 Uhr
Unfähigkeit allerseits
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 17.02.2012, 10:40 Uhr
Immer weiter!
Reinhard Lasar (adbetter)
- 16.02.2012, 22:11 Uhr
Gewerkschafter
Andreas Raum (AndreasRaum)
- 16.02.2012, 20:48 Uhr
Leid tut es mir
George Rauscher (misterpocket)
- 16.02.2012, 19:59 Uhr
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