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Hurrikan „Gustav“ Amerikas Wirtschaft drohen schwere Sturmschäden

31.08.2008 ·  Der Wirbelsturm „Gustav“ könnte hohe wirtschaftliche Schäden anrichten. Der Hurrikan zieht durch ein Meeresgebiet im Golf von Mexiko, in dem viele Bohrtürme und Leitungen der Ölindustrie konzentriert sind. Die Versicherer sind besorgt.

Von Stefan Ruhkamp
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Der schwere Wirbelsturm „Gustav“ wird voraussichtlich am Montag die amerikanische Küste in der Nähe von New Orleans erreichen. Es drohen große wirtschaftliche Schäden, weil das Zentrum des Hurrikans durch ein Meeresgebiet im Golf von Mexiko zieht, in dem viele Bohrtürme und Leitungen der Ölindustrie konzentriert sind. An der Küste könnten wichtige Raffinerien beschädigt werden. Außerdem ist die Stadt New Orleans wieder bedroht, die schon der Wirbelsturm „Katrina“ vor drei Jahren unter Wasser gesetzt hatte. Mehr als 1500 Menschen starben, und es entstanden wirtschaftliche Schäden von mehr als 125 Milliarden Dollar.

Wie hoch die Schäden von „Gustav“ ausfallen werden, lässt sich nicht verlässlich abschätzen. Das Ausmaß der Verwüstung hängt von Details ab, zum Beispiel von der genauen Route des Sturms, dem Ort seines Auftreffens auf die Küste, von der Windgeschwindigkeit und der Höhe der Flut. „Wir betrachten Gustav als ernste Gefahr“, sagte ein Sprecher des Ölkonzerns Chevron. „Wir haben Vorbereitungen für ein Worst-Case-Szenario getroffen.“

„Gustav“ beeinflusst den Rohölmarkt

Spezialisierte Dienstleister wie Risk Management Solutions, Eqecat oder Applied Insurance Research, die Versicherer mit Schadenvorhersagen versorgen, halten sich noch bedeckt. Bei den großen Stürmen der Jahre 2004 und 2005 hatten sie sich blamiert, weil sie die Schäden anfangs viel zu niedrig einschätzten. Statt der zunächst mit Computermodellen ermittelten 10 bis 25 Milliarden an versicherten Schäden wurden es bei „Katrina“ letztlich mehr als 40 Milliarden Dollar.

Manche Fachleute trauen „Gustav“ ähnliche Ausmaße zu. Allerdings nahm der Sturm am Sonntag etwas an Intensität ab. Der Schweregrad wurde von Kategorie 4 auf 3 reduziert. Die Ölförderanlagen im Golf von Mexiko und die Küste werde der Sturm am Montag vermutlich mit einer Stärke der Kategorie 4 treffen, heißt es auf der Internetseite von Risk Management Solutions. Dabei könnten besonders hohe Wellen entstehen. Sicher ist, dass Gustav den Rohölmarkt beeinflusst. Wegen des Sturms wurden drei Viertel der Produktion von Exxon und Valero Energy in der Region stillgelegt, meldeten die Nachrichtenagenturen. Die New Yorker Terminbörse Nymex hat wegen des Sturms am Sonntag den Handel außer der Reihe aufgenommen. Der Ölpreis hat sich seit dem Rekordhoch im Juli von 147 auf 115 Dollar je Barrel (159 Liter) verringert. Eine geringere Förderung und die eingeschränkte Tätigkeit der Raffinerien könnte den Preis für Rohöl und Treibstoff wieder erhöhen.

„Wir nehmen diesen Sturm sehr ernst“

Einige Raffinerien in Louisiana haben am Samstag aus Sorge vor möglichen Schäden schon begonnen, ihre Produktion herunterzufahren. Mit der Schließung von sechs Raffinerien und dem geplanten Stillstand von vier weiteren Produktionsstätten wird vorübergehend eine Kapazität von rund 1,2 Millionen Barrel verlorengehen. An der Golfküste liegen rund 40 Prozent der Raffineriekapazitäten der Vereinigten Staaten, was rund zwei Millionen Barrel am Tag entspricht.

„Wir nehmen diesen Sturm sehr ernst“, sagte ein Sprecher des Versicherers Allstate. Schäden in der Ölindustrie müssen die Versicherer besonders fürchten. Insbesondere die Unterbrechung der Betriebstätigkeit ist kostspielig. Die international tätigen Rückversicherer, die einen wesentlichen Teil der Risiken tragen, würde ein schwerer Verlauf von „Gustav“ zu einem ungünstigen Zeitpunkt treffen. Gerade haben Rückversicherer wie Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück ihre Gewinnziele reduziert, weil sie in der Geldanlage auf den Aktienmärkten hohe Verluste erlitten haben. Würden die Großschäden nun größer ausfallen als erwartet, könnten die Rückversicherer sich in einer schwierigen Lage wieder finden.

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