14.04.2012 · Kaum einer kauft mehr Bücher bei Hugendubel, Thalia & Co. In ihrer Not verhökern die Großbuchhändler allerlei Krimskrams. Amazon triumphiert.
Von Hendrik AnkenbrandRichtlinien für Lesermeinungen
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Der Wandel durch den Fortschritt wird auch hier nicht halt machen!
Auch wenn es hier noch so viele Nostalgiker gibt: das viereckige Buch
wird irgendwann ein Nischenprodukt sein. Eine neue Technologie ersetzt
die Alte. Junge Menschen werden Sie übernehmen und die älteren
werden irgendwann nicht mehr da sein. So einfach ist das. Das E-Book ist
nicht aufzuhalten. Genauso wie das Automobil die Kutsche ablöste.
Schon jetzt bevorzugen "die Jüngeren Leser" (ich
gehöre eher nicht dazu) das E-Book, weil Sie keine Tonnen an Papier
im Regal haben müssen und ihre gesamte Sammlung dabei haben können.
Auch wenn es technologisch von Vorteil ist, sehe ich die Gefahr ganz
woanders: Diese Technologie geht genau den selben Weg, wie die
Spiele-Industrie: Man muss sich mit einem eigenen Konto online anmelden,
das Spiel (E-Buch) darauf online mit einem Code registrieren und dann
ist das Spiel (Buch) für immer an das Konto geknüpft und kann
nicht mehr weiterverschenkt/verkauft werden. Vorbei die
Zeiten:"Hier, lies mal, geiles Buch"
Wieder eine Branche die nicht gemerkt hat was die Stunde geschlagen hat. Das Kerngeschäft von Amazon hätten die "Profis" eigentlich kennen müssen. Aber anstatt gleich ordentlich Geld in die Hand zu nehmen und selber einen vernünftigen Onlinehandel aufzubauen, haben die Herrschaften geschlafen und Ihre Taler gezählt. Jetzt geht ihr Geschäftsmodell wohl den Bach runter. That's Business Folks!
Auch wenn die großen Umwälzungen im Buch- und Verlagswesen kommen sollten,
kann kein elektronisches Buch das Gefühl ersetzen, ein Buch in Händen zu halten und mit den Fingern in den Papierseiten zu blättern. Die technischen Entwicklungen und verändertes Leseverhalten werden zu gravierenden Einschnitten führen - dennoch: Ich wünsche mir eine Koexistenz von sinnlicher Buch- und Leseerfahrung und der Präsenz zeitgemäßer Publikationsweisen. Denn: eBooks, multimediale Books und herkömmliche Bücher aus Papier widersprechen sich nicht - im Gegenteil, sie ergänzen sich.
Das Ende des stationären Buchhandels in seiner aktuellen Form wird von einer Lücke in dem Gesetz verursacht, das ihn schützen soll: dem Buchpreisbindungsgesetz. Nicht nur gewährt Amazon den Endkunden einen offenen Rabatt in Höhe der Versandkosten, was im Gesetz zwar erlaubt aber systematisch falsch ist, Amazon umgeht m.E. die Buchpreisbindung auch versteckt durch sein Partnerprogramm. Hier werden "Werbekostenerstattungen" von 5% und mehr an vorgeblich Nicht-Endkunden ausgeschüttet, bei der Prüfung der Voraussetzungen ist Amazon m.W. aber nicht übermäßig sorgfältig. Der deutsche Buchhandel muss sich auf das nächste Schlachtfeld konzentrieren, wenn er überleben will: E-Book-Reader. Es mutet geradezu lächerlich an, wie die deutschen Buchhändler drittklassige Hardware halbherzig an Kunden verkaufen, während Amazon mal eben einen Konzern-Jahresgewinn investiert, um sein Kindle-Ökosystem über Hardware-Dumpingangebote endgültig zu verankern.
Wenn ich für ein Buch interessiere, rufe ich bei meinem kleinen
Buchhändler an, bei dem ich eh 2x im Monat vorbeikomme. Da liegt es
dann für mich bereit, evtl. gibt es noch einen indviduellen Hinweis
auf eine andere Neuerscheinung. Nicht nach dem Motto, Leser die diese
Buch kauften, kauften auch dieses und jenes. Der Anruf und die
Kaufabwicklung geht genauso schnell wie im Internet.
"Live-Shopping" (muss isch je heute alles ein bisschen hip
anhören) kann schön sein und belebt die Innenstädte.
Der "kleine Buchhändler"
Mit dem Algorithmus, mit dem Amazon Lesevorschläge macht, kann wohl
kein Buchhändler, kein kleiner und kein großer, mithalten.
Das ist mehr, als "Leser, die dieses Buch gekauft haben ...".
Außerdem haben die kleinen und die großen Buchhändler
doch tatsächlich die Chuzpe englischsprachige Bücher zum
Listenpreis zu verkaufen. Dann könnte ich gleich die
deutschsprachige Buchpreisbindung in Anspruch nehmen. Und das mache ich
ganz gewiss nur in Ausnahmefällen.
Das Informationszeitalter läutet das Ende des Einzelhandels ein. In Zukunft werden wesentliche Mengen an Gütern über das Internet vertrieben werden. Ein Zwischenhandel entfällt fast völlig. So einfach so radikal.
Jaja, die kundenfreundlichen Wettbewerber
U2 Achtung Baby CD Box bei der bekanntesten Elektrowaren-Kette im Laden knappe 90 Euro. Beim bekanntesten Online-Händler knappe 80 Euro. Kaum war das Ding nach ein paar Wochen am Ausverkaufen, ging der Preis online (nicht der Online-Händler als Verkaufsplattform für andere Händler, sondern der Online-Händler selbst) auf 130 Euro hoch. Und was mache ich, wenn ich nur noch online bestellen kann? Mich für 200 Newsletter anmelden und 2 Stunden am Tag sichten, welcher Online-Versand über welchen Zeitraum die Preise niedrig hält? Und dann zwei Wochen warten, weil der Online-Händler selbst kaum Lager hält, sondern selbst erst ordern muss?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.04.2012 13:01 Uhrzur Nachfrage
Mein Kommentar richtet sich nicht gegen Online-Shopping, sondern gegen die permanente Beweihräucherung von Online-Händlern als Anwälte der Kunden gegen die bösen teuren und unbequemen Läden. Ich bestelle durchaus gern bei Online-Händlern. In unserem Haushalt hat sich verselbstständigt, dass gar nicht erst vor Ort im Laden nach dem Preis gesehen wird, weil es ja online "sowieso günstiger" ist. Vor dem genannten Beispiel fiel mir noch keine so willkürliche Erhöhung der Marge auf, aber seitdem bin ich etwas vorsichtiger geworden, mich darüber zu freuen, dass sich das (zunächst mal) günstigste Angebot durchsetzt.
Nachfrage
Ich verstehe ihren Kommentar nicht und bitte deshalb um Erhellung. Ihr
Problem mit den sich verändernden Preisen leuchtet mir ein. Wie
halten Sie es aber mit Preisvergleichen im sogenannten Strassenverkauf?
Erst bester Laden? Prospekte? Herumlaufen?
Ausserdem können Sie im Netz einige Methoden und Tools finden, die
es überflüssig machen, dass Sie 200 Newsletters am Tag lesen
müssen. Es würde hier allerdings den Rahmen sprengen, dies
auch noch en detail vorzustellen.
Um Hugendubel und Thalia (himmelhilf!) ist's nicht schade.
Ich hoffe, dass MARGA SCHOELLER in Berlin NICHT stirbt. Schon Harry Rowohlt hat da gelernt. Ich besuch den laden jedesmal wenn ich "in der Stadt" bin, es macht Spaß, sie haben alles (also in English); wenn ich was finde was auf meiner Liste steht, kauf ich's DORT ...und ...ich mag den Laden einfach. Seit 40(?) Jahren.
bei Amazon stöbern und Rezensionen lesen - vor Ort bestellen und kaufen. Läden vereinigt Euch!
das ist mein Konzept in 90% aller Fälle. Warum sollte man Amazon überfett machen? Papier wird es hoffentlich immer geben, zumindest solange Kinder mit Büchern lernen und aufwachsen. Wir bekommen das , was wir verdienen. Dörfer und Städte ohne Buchläden? NEiN danke. Buchläden aller (Bundes-)Länder vereinigt Euch in einer Web-Page, dann seid ihr stark. Bietet Lieferservice nach Hause oder Vermarktung der Gebrauchttitel. Rabatte gegen Renzension. Oder Ideen, die es noch zu entdecken gibt. Vielleicht wie eine Buchhandlung in Freyung mit Cafe und WLAN Anschluss - und netten Leuten. Das kann Amazon nicht.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.04.2012 14:17 UhrKlasse Idee: Vermarktung der Gebrauchttitel
Wenn er schon keine Rabatte geben darf, dann kann ein Buchhändler
seinen Stammkunden doch die gelesenen Bücher wieder abkaufen.
Dafür brauchen wir kein momox. Und wenn die Buchhändler sich
dann (z.B. über eine Genossenschaft) zusammentun würden,
wäre allen geholfen.
.
Aber wenn amazon jetzt diesen Kommentar liest und das so realisiert - ja
dann geht im deutschen Buchhandel endgültig das Licht aus.
Rabatte im Buchhandel ...,
..., sofern sie Endkunden gewährt werden, sind ein Gesetzesverstoß. Womit wir wieder bei der unsinnigen Preisbindung wären.
Wenn man die Bücher, die man sucht, nun einmal nicht vor Ort findet, was bleibt ausser Amazon?
Meine Frau ich, wir kaufen jeden 2. Tag ein Buch - seit 50 Jahren. Heute
sind 80% dieser Käufe Bestellungen bei Amazon. Ich habe es
aufgegeben zu versuchen ernsthafte Astrophysik Texte in der Buchhandlung
zu kaufen - es sei denn in einer US Universitätsbuchhandlung.
Vielleicht ist es gar nicht so schade um die Buchhandlungen, die nicht
in der Lage sind ihren Kunden die Informationen zugänglich zu
machen, die benötigt werden, um ein nicht so bekanntes aber dennoch
interessantes Buch zu erwerben.
In Zukunft erwarte ich von Buchhändlern ein Informationsmanagement,
das weit über das Vermitteln von im Grosshandel (exLibris,
…) vorrätigen Werken den Zugang auch zu Büchern
ausserhalb unseres Kulturkreises (Japan, China, Korea, …) emöglicht.
... Sammler? ...
Und wann LESEN Sie all diese Bücher?
Es sind (50 Jahre x 180 Stück) = 9000 Bücher.
Wenn's hochkommt, schaffen Sie es, im Leben 3000 bis 3500 Bücher zu
lesen, denn Sie müssen ja auch mal arbeiten, schlafen (und
Bücher einkaufen gehen).
Aber vielleicht SAMMELN Sie? Solch' "Macke" hatte ich auch
mal: Jazzplatten gesammelt, bis ich irgendwann merkte, ich hake ja nur
noch ab, ich höre all das Zeugs gar nicht mehr. Fazit: Alles auf
einen Schlag verkauft. ...und fuffzehn Jahre wieder angefangen zu
sammeln, ...und 2005 wieder alles an einen Händler verhökert;
diesmal zum Kilopreis, mehr ist solch Sammlung für
Außenstehende nicht wert. Und mein gesammelter kompletter H.
Hesse? Auch den wollte keiner haben, nicht mal geschenkt: also ab damit
in die blaue Tonne.
.
Die Flut an Angeboten und individuellen Bedürfnissen ist zu groß für einen Laden
Sie haben recht, oft genug musste ich mir auch sagen lassen:
"Habe ich leider nicht da muss ich bestellen" - Das kann ich
mittlerweile selbst. Und wie manch anderer schon sagte, man muss bei
Amazon nicht 2 x fahren, sondern gar nicht.
Das zugängliche Angebot ist auch mittlerweile so groß, das
kann die Verkäuferin auch nicht kennen. Deshalb finde ich die Idee
des Informationsmanagements gar nicht so schlecht, allerdings, bei
Büchern ausserhalb unseres Kulturkreises bleibt das Sprachproblem?
Jein.
Amazon macht es einfacher, das ist wahr. Jederzeit kann man (fast) alles
bestellen und es ist am nächsten Tag da. Lokal gibt es nur eine
begrenzte Anzahl, wenn auch dafür sofort.
Als so fleißiger Buchkäufer wissen Sie aber natürlich,
dass Sie in JEDER Buchhandlung JEDES Buch bestellen können.
Jenachdem ist das dann auch ein-zwei Tage später da, man arbeitet
oft selbst in kleinen Handlungen mit mehreren Großhandlungen zusammen.
Amazon, wo ich auch sehr viel und gerne kaufe, macht es uns einfacher
und bequemer. Das ist der Grund für den Erfolg, nicht dass es
offline GAR NICHT möglich wäre.
Wozu ein Cafe in der Buchhandlung, umgekehrt...
...gibt`s das in Berlin: Da kommt die Buchhändlerin ins Cafe, mit ausgewählten Titeln, sie kennt den Geschmack des Kunden. Und auch andere Konzepte haben eine Chance, die Heinrich-Heine-Buchhandlung in Berlin war so ein unglaublicher Ort, im Bahnhof Zoo, wunderbar beschrieben in der FAZ, es gibt sie nicht mehr, leider, aber ein wunderbarer Bericht darüber in der FAZ. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ortsbesichtigung-guter-alter-bahnhof-zoo-1229887.html.
Die Amazon Community ist der Schlüssel zum Erfolg.
Was alle Buchhandlungen bislang nicht abgedeckt haben, war die Mitteilungseuphorie Ihrer Leser. Amazon bindet geschickt Leser bzw. Käufer, die Bücher/Artikel besprechen und anderen ihre Meinungen mitteilen, an die eigene Plattform. Der Umsatzanstieg ist meines Erachtens im Wesentlichen auf diese Funktion zurückzuführen, die klassische Medien wie Zeitungen etc. sträflich vernachlässigt haben. Amazon ist eben viel mehr als ein schlichter Buchhändler, er hat die Zeichen der Zeit erkannt und beschäftigt ein Herr an namenlosen, kostenlosen Rezensenten, deren Besprechungen oft weitaus besser und authentischer sind als die Pendants in traditionellen Medien.
Erst haben die grossen Konzerne die kleinen Buchlaeden ueberrollt, jetzt sind sie selber dran - und schreien Zeter und Mordio. Tatsache ist, wie die kleinen Laeden damals sind sie es, die heute die Zeit einfach verschlafen haben. Ein Buch in der Hand zu halten, darin herumstoebern und es dann nach Hause nehmen hat was; gemuetlich auf dem Sofa sitzen, Rezessionen zu lesen und dann das Buch per Mausklick in den Warenkorb zu legen aber auch. e-Readers haben Vor- und Nachteile, hoffentlich werden sie das Buch nie ganz ersetzen. Grundsaetzlich koennten alle drei friedlich miteinander existieren, in diesem Fall sehe ich tatsaechlich mal den Verbraucher als Gewinner.
Kein Abschied vom Buch, aber von der Buchhandlung
Die mir hier vor Ort selten das gewünschte Buch auf Anhieb
aushändigen kann. In der Stadt (Düsseldorf) mag es anders
sein, aber warum sollte ich mich erst in die Straßenbahn setzen,
umsteigen, um dann festzustellen, dass auch dort evtl. das
gewünschte Lesevergnügen nicht vorrätig ist.
Ich lese viel und ich kaufe alle Bücher online. Ich muss mich nicht
über zickige Verkäuferinnen ärgern, die meisten
Bücher kommen schnellstens portofrei ins Haus, was will der Kunde
mehr? Und wenn ich einige Bücher beisammen habe, verkaufe ich sie
gesammelt an momox, auch online.
Vielleicht würde das Konzept, das Staufacher in Bern seit vielen
Jahren fährt, Bücher und mittendrin ein Café, einige
Käufer mehr in die Läden locken, es käme allerdings
für viele Läden wohl zu spät. In D’dorf gibt es
m.W. nicht eine Buchhandlung, die eine Oase der Entspannung und
leiblichen Wohles bietet, obwohl teils der Platz vorhanden wäre.
Eigentlich schade und absolut nicht kundenfreundlich.
Ein sehr interessanter Artikel!
"Sparen sollen die Verlage bei der Zahl neuer Titel ...". Es
war doch gerade die sogenannte Vielfalt (= Anzahl Titel), die von der
Buchindustrie (den Verlagen und ihrem Lobbyverband
"Börsenverein") als Alibi für das
Buchpreisbindungsgesetz mißbraucht wurde. Damit die armen Poeten
mit den Bestsellererlösen subventioniert werden können. Stimmt
also nicht mehr? Dann bitte weg mit der Buchpreisbindung.
Es ist auch absonderlich, Amazon in diesem Umfeld (Preisbindung)
"übermäßige Marktmacht" vorzuhalten. Jeder hat
die gleichen Chancen!
Ich persönlich brauche Thalia und/oder Hugendubel nicht. Weder
für Bücher noch fr "Krimskrams". Amazon ist vom
Kundenservice her das Beste, was dem deutschen Markt seit 50 Jahren
passiert ist. Insofern ist mir dann auch das Schicksal von Hugendubel
& Co. vollkommen gleichgültig. Die haben sich überlebt,
weil sie nicht lernen, z. B. aus der Musik-Misere?
Radio Eriwan ...
Sie haben im Prinzip recht; in meinem Kommentar fehlt ein Teil, weil ich
nie weiss, ob ich mit den 1.000 Zeichen auskomme.
Hier also die Nachlieferung: Ich bin der Meinung, dass das elektronische
grundsätzlich an Bedeutung sehr stark zunehmen wird. Dies gilt
insbesondere für die Bücher, die ich
Flughafen-/Bahnhofsliteratur nenne. Sicherlich auch noch bei der etwas
gehobeneren Belletristik. Für die Verlage ist das sicherlich
Kostensenkungs- und Umsatzsteigerungspotential. Dies machen die sich
allerdings durch ihre starre Preispolitik jetzt schon kaputt, denn auch
E-Books können "hacked" und über Tauschbörsen
verteilt werden. Und genau das wird passieren.
... was durcheinander gebracht?
Das, was Sie "Musikmisere" nennen, hat damit nix zu tun.
Schließlich bietet Amazon Bücher nicht zum kostenlosen
download an und Amazon bezahlt natürlich auch die Urheber via Verlag.
Also können Buchläden auch nix (zumindest:) daraus lernen.
Mehr Wettbewerb, nicht weniger!
Hat mal jemand darüber nachgedacht, ob nicht besser die Preisbindung aufgehoben würde? Schon Tucholsky hat sich über zu teure Bücher beklagt!
Daß "kaum mehr einer ein Buch" bei Hugendubel kauft,
gilt zumindest für den Hugendubel München Marienplatz überhaupt nicht. Er ist meist gesteckt voll mit "guten" Kunden, die sich für gute Bücher (und nicht Ramsch) interessieren, in sie hineinschauen und sie auch dort kaufen. Natürlich hilft die große Auswahl greifbarer Bücher, oft schlendert man einfach durch und schaut, was es Neues gibt. Die angenehme Atmosphäre lädt zum Herumblättern und Schmökern ein. Das ist nicht zu ersetzen und wird es zum Glück auch in 10 oder 20 Jahren noch geben. Ein kleinerer Händler, der nur wenig Auswahl hat und alles auch noch bestellen muß, hat es dagegen sehr schwer. Für ihn ist Amazon tödlich. Attraktiv ist Amazon natürlich bei englischsprachigen Büchern: Hier hat selbst Hugendubel nur ein mäßiges Sortiment, meist müßte man bestellen - und da ist Amazon viel schneller, bequemer und günstiger.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.04.2012 14:04 UhrFür kleine Händler ist Amazon - glücklicherweise nicht - tödlich
Wenn ich ein (Fach-)buch über Amazon (oder libri) gefunden habe,
öffne ich in einen neuen Tab mit der Kontaktseite meines kleinen
Buchhändlers, mache den Guttenberg (C&P - kopiere also
Verfasser, Titel, ISBN-Nr.) ...
.
und kann mir mein Buch am nächsten Tag - auf Wunsch liebevoll als
Geschenk eingepackt - persönlich abholen.
.
Anstatt es auf der Terrasse oder hinter dem Mülleimer zu finden.
Übertriebenes Flächenwachstum bei stagnierendem Markt
Der deutsche Buchmarkt ist mit 9 Mrd. € Umsatz sehr stabil. Dem starken Anstieg im Onlinehandel steht ein leichter Rückgang im stationären Handel gegenüber. Wenn die großen Ketten jetzt über den Verdrängungswettbewerb durch Amazon klagen, sollten sie bedenken, dass sie seit 20 Jahren über ihre riesigen Flächen in 1a-Lage und bessere Einkaufskonditionen bei festem Verkaufspreis kleine und mittlere Buchhändler zu Scharen in den Ruin getrieben haben. Jetzt werden sie zu Opfern ihrer eigenen Wachstumsstrategien. In der Hoffnung, ihre Umsätze würden stets steigen, haben sie zu große Flächen mit zu langfristigen Mietverträgen angemietet. Jetzt verkaufen sie immer mehr Nippes. Zudem versuchen sie, Amazon hinterherzuhecheln. Beides wird kaum funktionieren. Erfolgversprechend bleibt eine Kombination aus sinnlicher Attraktivität für Bücherkäufer mit einem konsequenten und unverzüglichen Rückzug aus unrentablen Flächen. Wer in diesem Markt Geld verdienen will, muss klug sein und sich bescheiden.
Erst beklagten kleine Buchhändler, dass große Buchhandelsketten ihre Existenz vernichten,
jetzt sind es die großen Buchhandelsketten wie Hugendubel und Thalia selbst, die durch amazon ihren Untergang herannahen sehen. Spätestens dann, wenn die Buchpreisbindung für eBooks in Deutschland fällt, müssen sich herkömmliche Verlage, Buchhandel und Druckereien ernsthafte Gedanken machen. Technische Entwicklungen, neue Publikationswege und veränderte Lesevorlieben nehmen keine Rücksicht darauf, ob herkömmliche Branchen genügend vorbereitet sind oder nicht.
Hendrik Ankenbrand Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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