Deutschlands Kassenärzte beharren trotz Widerständen von Gesundheitspolitikern auf einer Honorarerhöhung von rund 10 Prozent für das nächste Jahr. „Ich bleibe bei dieser Forderung, sie ist begründet“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, auf der Vertreterversammlung der KBV am Montag in Nürnberg. Im vergangenen Jahr hatten die Kassen den mehr als 154.000 Kassenärzten gut 33 Milliarden Euro Honorar überwiesen.
Nun fordern sie eine Honorarerhöhung von rund 3 Milliarden Euro. Die Honorarverhandlungen zwischen KBV und dem Spitzenverband der Kassen sollen bis Ende August abgeschlossen sein. Köhler warf den Kassen vor, ein falsches Spiel zu spielen. „Mit allen Tricks“ versuchten sie zu erreichen, dass die Daten über den Gesundheitszustand der Versicherten zu ihren Gunsten ausfielen.
Doch nicht nur die Kassenärzte haben ein Auge auf die rund 20 Milliarden Euro hohen Überschüsse im Gesundheitssystem geworfen. Am Wochenende hatte auch die Krankenhausärztegewerkschaft Marburger Bund verlangt, die von ihr ausgehandelte Gehaltssteigerung durch höhere Zuschüsse an die Krankenhäuser auszugleichen.
Der Honorarrahmen des nächsten Jahres ist nicht der einzige Streitpunkt zwischen Kassenärzten und Kassen. Derzeit verhandeln sie über die Verwirklichung des Versorgungsstrukturgesetzes, mit dem die Ausstattung auf dem Land verbessert werden soll. Während die Ärzte mittelfristig 6000 zusätzliche Praxen für notwendig erachten, wollen die Kassen laut Köhler keine weiteren finanzieren. Sie dringen stattdessen auf Verlegungen von Praxen aus den überversorgten Städten aufs Land. Die weiteren Kosten wollen die Ärzte möglichst zusätzlich bezahlt bekommen.
„Alles das kann der Arzt“
Neben dem Honorar sei die wachsende Bürokratie ein wichtiges Thema für die Mediziner, sagte Köhler. Das habe eine Umfrage unter 11.000 Kassenärzten ergeben. Die Ergebnisse der Befragung nutzte er, um seine Forderung nach Abschaffung der Praxisgebühr zu bekräftigen. Außerdem ärgerten sich immer mehr Ärzte über die vielen Anfragen der Krankenkassen zu den von ihnen verordneten Therapien.
Selbstkritisch wies Köhler darauf hin, dass Honorarabrechnungen weniger kompliziert sein müssten. Aus dem hohen Ansehen der Ärzte will die KBV mehr politisches Kapital schlagen: Eine auf fünf Jahre angelegte Imagekampagne soll das Ansehen des Arztes in der Bevölkerung weiter stärken. Auf einen Slogan habe man sich noch nicht verständigt. Eine Variante sei: „Alles das kann der Arzt.“
Die gesetzlichen Krankenkassen haben ablehnend auf die Aufforderung von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) reagiert, bei guter Finanzlage Prämien an die Mitglieder auszuzahlen. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte der Minister angekündigt, Kassen notfalls gesetzlich zur Auszahlung zwingen zu wollen (F.A.Z. vom 21. Mai). Der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz, pocht dagegen darauf, dass jede Kasse „eigenverantwortlich und sehr sorgfältig“ darüber entscheide müsse, ob sie eine Prämie ausschütte. Bahr hatte beklagt, bisher zahlten nur zehn Kassen Prämien an weniger als eine Million Mitglieder aus.
Dazu zählen die hkk Erste Gesundheit, Daimler BKK (je 60 Euro im Jahr), BKK ALP plus (50 Euro), BKK A.T.U. (30 Euro). Alles in allem könnten nach Angaben informierter Kreise 30 der 146 Kassen mit mehr als 10 Millionen Mitgliedern eine Prämie ausschütten. Finanziell in der Lage, mehr als 60 Euro Prämie auszuschütten, seien unter anderem die Techniker Krankenkasse (TK), Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die IKK gesund plus.
Mit der AOK Plus und AOK Nord West seien mindestens zwei Kassen der Allgemeinen Ortskrankenkassen in der Lage, zu zahlen. Das Bundesversicherungsamt hatte unlängst der TK, der HEK und der IKK gesund plus eine Frist bis zum 8. Juni gegeben, eine Ausschüttung zu prüfen. (ami./jpen.)
Die Überschüsse gehören den Beitragszahlern!
Sven Gralla (kirsch-banane)
- 22.05.2012, 09:44 Uhr
Überschüsse sollem den Versicherten so bald wie möglich zurückgegeben
Sophia Orti (rum)
- 22.05.2012, 09:22 Uhr