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Klimaschutz : Solarstrom ist überteuert und ineffizient

Der „Solarbaum“ in Ulm. Bild: Getty

Für den Klimaschutz fließt viel Geld in die Förderung von Solarstrom. Doch neue Berechnungen stellen der Photovoltaik ein miserables Umweltzeugnis aus.

          Der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung hat einen neuen Rekordwert erreicht. Jede dritte Kilowattstunde stammt aus einer Wind-, Solar- oder Biogasanlage. Zugleich steigen die Ausgaben zur Förderung des Ökostroms. Damit treten Unterschiede der einzelnen Erzeugungsarten schärfer hervor. Photovoltaik erweist sich als besonders ineffizient – unter mehreren Gesichtspunkten.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          So wurde nach Daten der Bundesnetzagentur 2016 aus Windkraftwerken an Land doppelt so viel Strom eingespeist wie aus Solaranlagen. Dennoch kassierten deren Betreiber mit 10,2 Milliarden Euro mehr als das Doppelte dessen, was die Windmüller bekamen: 4,7 Milliarden Euro. Wirtschaftliche Effizienz steht in der Förderung nicht an vorderer Stelle.

          Das gilt auch für die Klimaeffizienz. Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat sich mit der klimapolitischen Effizienz einzelner Technologien näher befasst. Auch hier lautet das Ergebnis: Die Förderung von Photovoltaik nach dem EEG ist die teuerste Strategie zur Vermeidung von CO2. Nach der Rechnung des IW, die dieser Zeitung vorliegt, kostet es 415 Euro, um durch EEG-geförderten Solarstrom die Emission einer Tonne CO2 zu verhindern. Bei Windanlagen an Land sind es 106 Euro je Tonne vermiedenen CO2, während im Emissionshandel lediglich sieben Euro gezahlt werden. Demnach kostet es sechzigmal mehr, die Emission einer Tonne Kohlendioxid durch EEG-geförderten Solarstrom zu verhindern, als im Emissionshandel.

          Klimaschutz ist ein Ziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Es soll nicht nur den Atomstrom ersetzen – Ende des Jahres wird mit dem Block Gundremmingen B ein weiteres Kernkraftwerk abgeschaltet. Schon im ersten Paragraphen des EEG steht als Ziel- und Zweckbestimmung, „insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen“. Zur Berechnung hat das IW die durchschnittlichen Förderkosten der Ökostromtechnologien über die Laufzeit von 20 Jahren berechnet und den laut Umweltbundesamt vermiedenen Ausstoß von 640 Gramm Kohlendioxid je eingespeister Kilowattstunde zugrunde gelegt.

          „Im Ergebnis werden heute für bestehende Anlagen im Durchschnitt je Tonne vermiedener Emissionen 106 Euro gezahlt“, sagt IW-Forscher Hubertus Bardt. Doch auf Basis der Förderkosten für Strom aus Meereswindparks oder Biomasse seien es 252 Euro je Tonne CO2. „In der Gesamtschau sind die Vermeidungskosten je Tonne Kohlendioxid aus erneuerbaren Stromquellen über die Jahre noch angestiegen“, schreibt Bardt. Denn der Anteil der besonders teuren Biomasse und Photovoltaik habe seit 2010 deutlich zugenommen.

          Elektroautos sparen kaum CO2

          Das IW hat nicht nur die Ökostromförderung mit Blick auf die Vermeidungskosten für CO2 genauer untersucht. Es hat sich vor dem Hintergrund auch mit der Förderung batteriegetriebener Elektroautos befasst, die der Staat mit einer Prämie von 4000 Euro je Fahrzeug unterstützt.

          Um die CO2-Vermeidungskosten zu kalkulieren, haben die Forscher im Vergleich zum Benzinmotor eingesparte Emissionen von 120 Gramm je Kilometer angenommen sowie eine Laufleistung von 200.000 Kilometern unterstellt. Trotz der großzügigen Annahmen spart das E-Auto am Ende gerade 24 Tonnen CO2. Der Staat lasse sich damit jede eingesparte Tonne Kohlendioxidemission 167 Euro kosten, rechnen die Forscher vor. Dabei seien Zusatzkosten wie die (Lade-)Infrastruktur nicht einmal berücksichtigt.

          Noch deutlicher fielen die Mehrkosten wegen der Grenzwerte zum Flottenverbrauch aus. Autohersteller, die die Vorgaben für Emissionswerte ihrer Flotten nicht erreichen, werden mit Geldstrafen belegt. Die summierten sich auf 475 Euro je Tonne CO2. Für die Hersteller lohnten damit alle Maßnahmen, die diesen Betrag nicht überschritten.

          Während für das Vermeiden von CO2 oftmals Hunderte Euro je Tonne ausgegeben würden, koste ein Emissionszertifikat über eine Tonne an der Börse nur sieben Euro. „Selbst wenn eine Verknappung der Zertifikate den Preis auf 20 Euro verdreifachen sollte, wäre die Nutzung der Maßnahmen innerhalb des Emissionshandels noch deutlich günstiger als die bisherigen Maßnahmen.“

          Auch gebe es im Emissionshandel großes Effizienzpotential. So könnten die Emissionen des Verkehrs oder des Gebäudesektors ebenfalls in den Emissionshandel einbezogen werden – was viele Ökonomen und Umweltgruppen verlangen. Das IW weist aber auf Verdrängungseffekte der volkswirtschaftlich effizienteren Vermeidungsstrategie hin. Höhere Kosten im Transportgewerbe, etwa wegen eines Aufschlags wegen der CO2-Kosten auf die Tankfüllung, würden die Spediteure weitergeben. Die Kosten der Betriebe würden steigen und ihre Konkurrenten stärken, die dem europäischen Emissionshandel nicht unterlägen. Dann würden zumindest Teile der Treibhausgasemissionen nicht vermieden, sondern verlagert.

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