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Prora auf Rügen : Baustopp in „Hitlers Bettenburg“

Bauarbeiter arbeiten an Gebäuden von Block 1 des denkmalgeschütztem ehemaligen KdF-Komplexes Prora in Binz auf der Insel Rügen. Bild: dpa

Die gigantische Ferienanlage auf Rügen wurde einst von den Nazis geplant. Seit einigen Jahren soll sie zum Luxusdomizil umgebaut werden. Doch jetzt ging einem Investor überraschend die Luft aus.

          Die Nachricht schlug auf der Ostseeinsel Rügen ein wie eine Bombe: Eines der größten Immobilien-Projekte Europas, der Umbau von insgesamt fünf riesigen Gebäudekomplexen aus der Nazi-Zeit in Prora auf der Insel Rügen, hat einen schweren Dämpfer erlitten. Der Inhaber von Block 1 des Gebäudekomplexes hat überraschend Insolvenz angemeldet. Der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens der „Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG“ wurde durch das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bekannt gegeben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die örtliche „Ostsee-Zeitung berichtete am Dienstag ausführlich über die Insolvenz und den Baustopp. „Wir haben den vorläufigen Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Berlin gestellt“, zitierte das Blatt die Geschäftsführerin von „Wohnen in Prora“, Iris Hegerich. Mit der Tochtergesellschaft ihres Unternehmens „Irisgerd“ saniert die Berlinerin seit vier Jahren den Block 1 der insgesamt 4,5 Kilometer langen Ferienanlage an der Ostküste Rügens. Dem Bericht zufolge sollen die Arbeiten am Block bereits zu 90 Prozent abgeschlossen und fast alle der Wohnungen verkauft worden sein. Dennoch sei das Bankdarlehen für die Firma nicht verlängert worden. Wie es mit dem Projekt nun weiter gehen soll, blieb zunächst unklar.

          Ein Block soll noch verkauft werden

          Trotz der handwerklich teilweise sehr gelungenen Luxussanierung – ihre totalitäre Wucht, allein durch die Gigantonomie des Baus, wird die Ferienanlage direkt an der Ostseeküste in Prora nicht los. Im Mai 1936 begannen die Nazis mit den Bauarbeiten für die gigantische Anlage, in der 20.000 Menschen Urlaub machen sollten. Über den Rohbau kam die Ferienanlage wegen des Kriegsausbruch 1939 aber nicht heraus. „Hitlers Bettenburg“ nennen manche die Gebäude an der Strandstraße in Prora bis heute. Der nationalsozialistische Führer soll sich für die Idee geradezu begeistert haben, auf Rügen ein Riesenseebad zu bauen.

          Nach dem Krieg übernahm die Nationale Volksarmee der DDR den Bau als Kaserne. Von den acht Blöcken, die geplant waren, blieben fünf. Nach der Wende sah sich plötzlich die Bundesrepublik im Besitz der kilometerlangen Ferienanlage. Erst in diesem Jahrzehnt kamen dann die Investoren, die Ferienwohnungen geschaffen haben. Vier der fünf Blöcke sind in vergangen Jahren an Investoren verkauft worden. Für den letzten Block soll im Oktober die Entscheidung fallen, wer von zwei Bietern den Zuschlag erhält.

          Ein Rückschlag für das gesamte Projekt?

          Billig sind die Ferienwohnungen nicht. Laut „Ostsee-Zeitung“ verkaufte Hegerich die Wohnungen je nach Lage im Block zu 3500 bis 8000 Euro pro Quadratmeter. Die Investorin habe die Schwierigkeiten mit der Bauzeit begründet, die sich viel länger hingezogen habe als geplant und mit den damit verbundenen Mehrkosten: „Zum Beispiel mussten wir die Liegehäuser des denkmalgeschützten Ensembles abreißen. Die behördlichen Auflagen zum Wiederaufbau haben sehr lange gedauert. Nur so konnte sichergestellt werden, dass die Käufer ihren Anspruch auf Denkmal-Abschreibung nicht verlieren“. Auch die Trennung von Generalbauunternehmer Bilfinger und Berger „wegen unerfüllbarer Forderungen“ mitten in der Bauphase habe ein Problem dargestellt und vieles verzögert.

          Die meisten Appartements in Block eins sollen verkauft sein, hieß es. Wer mit einer Vormerkung im Grundbuch stehe, müsse sich keine Sorgen machen, dass seine Investition verloren sei. Investor Ulrich Busch, der den benachbarten Block 2 bereits fast komplett saniert hat und dort seit drei Jahren das Hotel Solitaire betreibt, warnte derweil in den regionalen Medien davor, diese Insolvenz eines wichtigen Prora-Investors als Rückschlag für das gesamte Projekt zu werten. „Die Gesamt-Entwicklung hier wird das nicht aufhalten“, sagte er. „In allen Blöcken ist bereits sehr viel passiert und das wird so weitergehen.“ Die Gemeinde Binz, zu der Prora gehört, rechnet bis 2022 mit der Sanierung aller fünf Prora-Blöcke, wo dann 2000 feste Anwohner leben und 3500 Betten für Touristen zur Verfügung stehen sollen.

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