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Hintergrund Die betriebliche Altersvorsorge wackelt

07.01.2004 ·  Spätestens seit der jüngsten Kürzungsrunde ist jedem klar, daß auf die gesetzliche Rentenversicherung nur bedingt Verlaß ist. Doch nun zeigt auch die zweite Säule der Altersversorgung in Deutschland - die Betriebsrente - Risse.

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Spätestens seit der jüngsten Kürzungsrunde ist jedem klar, daß auf die gesetzliche Rentenversicherung nur bedingt Verlaß ist. Doch nun zeigt auch die zweite Säule der Altersversorgung in Deutschland - die Betriebsrente - Risse.

Peter Grieble, Rentenexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hält die Kürzung der Betriebsrente bei der Commerzbank und Gerling nur für den Vorboten einer sich abzeichnenden Welle von Einschnitten bei den Betriebsrenten: „Ich gehe davon aus, daß das nur der Anfang ist - das ist ein Trend, nicht nur im Bankbereich.“

Umso wichtiger sei es für den einzelnen Beschäftigten, sich bei seinen Planungen für die Rentenzeit nicht zu sehr, auf die Zusagen der Unternehmen zu verlassen. „Man sieht am Fall Commerzbank, wie auch diese Säule der Altersversorgung angeknackst werden kann. Vielleicht bricht sie ja auch weg“, warnt der Experte.

Private Vorsorge gewinnt an Bedeutung

Immer wichtiger werde die private Vorsorge als dritte Säule Altersvorsorge. „Man muß noch mehr zurücklegen, um wirklich auf der sicheren Seite zu sein“, sagt Grieble. Der Arbeitnehmer dürfe nicht nur den besten, er müsse bei seinen Planungen auch den schlimmsten Fall mit ins Kalkül ziehen. „Dann heißt es klotzen und wirklich selber ansparen - nicht die Augen verschließen.“

Daß Betriebsrenten nicht mehr so sicher sind, hat nach Meinung von Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen/Nürnberg, einen einfachen Grund: „Die Betriebsrenten sind dazu gedacht, die Mitarbeiter zu motivieren. Sie sind dazu gedacht, die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Und genau dies ist im Moment aus Sicht der Commerzbank und anderer Institute gar nicht mehr so wichtig, weil man Mitarbeiter ja eher entlassen muß“, sagte er im Westdeutschen Rundfunk.

Für die Mitarbeiter sei dies eine fatale Situation: „Sie haben zwei Risiken - einmal ihr Altersvorsorgerisiko und dann das Arbeitsplatzrisiko.“ Der Experte glaubt: „Viele Unternehmen werden die Chance nutzen, hier Kosten zu sparen.“

Immer weniger Altersvorsorge für neue Mitarbeiter

Tatsächlich werden die Unternehmen schon seit geraumer Zeit knausriger, wenn es um die Altersvorsorge für ihre Mitarbeiter geht. Viele Großunternehmen schlossen einfach ihre Versorgungssysteme für neu eingestellte Mitarbeiter oder reduzierten in Verhandlungen mit dem Betriebsrat die Zusagen.

„Früher waren die Leistungszusagen oft generös“, berichtet Ute Klammer Rentenexpertin beim gewerkschaftseigenen Forschungsinstitut WSI. Doch inzwischen gehe der Trend zur Privatisierung der Vorsorge auch im Betrieb. Nicht mehr das Unternehmen zahle, sondern der Arbeitnehmer selbst. Auch dies sei eine schleichende Form des Sozialabbaus, urteilt die Expertin.

Ob sich das Sparen für die Unternehmen allerdings wirklich auszahlt ist umstritten. So warnt Uwe Foullong von der Gewerkschaft Verdi im Westdeutschen Rundfunk: „Eine solche Maßnahme führt zu einer Demotivation und zu einer Frustration, und das ist, glaube ich, nicht gut für die Leistungsbereitschaft, für das Geschäft und für den Ertrag.“

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