http://www.faz.net/-gqe-8wvia

Hindus gegen Muslime : Kuh-Wächter in Indien verbreiten Angst unter Bauern

  • Aktualisiert am

Kühe haben in der hinduistischen Religion einen hohen Stellenwert. Bild: EPA

Rinder gelten unter Indiens Hindus als heilig. Muslimische Bauern züchten sie trotzdem. Aber jetzt sind die Tiere beinahe unverkäuflich geworden. Und nicht nur deshalb fürchten die Bauern um ihre Existenz.

          Es ist eine erschreckende Szene, von der die Zeitung „Financial Times“ (FT) da berichtet. Vor etwa zwei Wochen soll ein indischer Bauer auf einem bekannten Viehmarkt in Rajasthan drei Kühe und ihre Kälber gekauft haben – für seinen Milchhof im Bundesstaat Haryana. Pehlu Khan, so hieß der Bauer muslimischer Religion, soll für die Tiere 75.000 Rupien (rund 1108 Euro) bezahlt haben.

          Wie sich herausstellte, war es eine tödliche Investition: Als der 55-Jährige gemeinsam mit mehreren Kollegen nach Hause fuhr, wurde sein Vieh-Transporter von selbsternannten „Kuh-Verteidigern“ gestoppt. Den Fahrer des Lkws, einen Hindu, ließen die „Kuh-Wächter“ frei, die muslimischen Bauern dagegen verprügelten sie aufs Brutalste. Pehlu Khan erlag einige Tage später seinen Verletzungen.

          Die Szene ist sinnbildlich für ein größeres Phänomen, das in Indien um sich greift. Mittlerweile herrscht eine extrem düstere Stimmung unter den Viehhändlern der Nation. Denn die Begebenheit zwischen Rajasthan und Haryana ist nur der Gipfel einer neuen Bewegung der Hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) und ihrer Unterstützer aus der extremen politischen Rechten: Sie machen den Schutz von Rindern, die in der hinduistischen Religion als halbgöttlich gelten, zu einer nationalen Top-Priorität. Im Staat Uttar Pradesh etwa hat die BJP dem FT-Bericht zufolge schon jetzt die meisten Schlachthöfe geschlossen. Dadurch fiel der Marktwert von unproduktiven Büffeln stark, die nicht genug Milch geben, um ihre Futterkosten wieder hereinzuholen.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Derweil terrorisieren an den Landstraßen Kuh-Wächter die Viehtransporteure. „Die Menschen sind mittlerweile zu verängstigt, um hierhin zu kommen“ sagte der Viehhändler Kamal Querishi mit Blick auf den bekannten Vieh-Handelsplatz in Rajasthan. Er gab an, dass er früher wöchentlich rund zehn Büffel auf dem Markt loswurde, während es ihm derzeit nur noch mit Mühe gelinge, drei Tiere in einer Woche zu verkaufen. Der Bericht zitiert auch einen Züchter, der von einem signifikanten Preisverfall für Büffel berichtet. „Normalerweise bekomme ich 50.000 Rupien für einen Büffel, aber jetzt gibt es noch nicht mal mehr Käufer für einen Preis von 30.000“, sagte der Mann.

          Nun herrscht Furcht, dass der Preisverfall Bauern im ganzen Land in Finanznöte stürzen könnte. Denn die Kuh-Schutz-Bewegung der Hindu-Nationalisten schreitet immer weiter voran. Schon gibt es Rufe nach einem nationalen Schlachtverbot. Sogar lebenslange Haft für Verstöße dagegen wird mittlerweile gefordert.

          Quelle: nab.

          Weitere Themen

          Weichenstellung für die Zukunft von Air Berlin Video-Seite öffnen

          Fluggesellschaft : Weichenstellung für die Zukunft von Air Berlin

          Der Gläubigerausschuss wollte über die vorliegenden Angebote an die Fluggesellschaft Air Berlin beraten und womöglich schon erste Weichen stellen, welcher Bieter welchen Teil der Airline bekommt. Endgültige Entscheidungen sollen aber erst fallen, wenn der Aufsichtsrat von Air Berlin tagt.

          Topmeldungen

          Da weiß man, was man hat: Der russischen Präsident Putin wird von Kanzlerin Merkel beim G20-Gipfel in Hamburg begrüßt.

          Bundestagswahl : Russland setzt auf Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.

          Streit ums Atomprogramm : Kim: Trump ist ein geistesgestörter Greis

          Kaum droht Donald Trump Nordkorea mit Zerstörung, zeigt Machthaber Kim Jong-un, dass er auch kräftig austeilen kann. Amerika werde „teuer bezahlen“. Sein Außenminister spricht vom Test einer Wasserstoffbombe auf dem Ozean.

          TV-Kritik: Schlussrunde : „Bleiben wir uns selbst treu“

          In der „Schlussrunde“ von ARD und ZDF fehlten die Kanzlerin und ihr Herausforderer. Sie verpassten damit eine gute Gelegenheit zum harten Schlagabtausch mit Alexander Gauland von der AfD.
          Wer ist der bessere Redner und wer hat mehr Führungsqualitäten? In fast allen Kategorien der Umfragen liegt die Kanzlerin vor ihrem Herausforderer.

          F.A.Z. Woche exklusiv : Die Wähler haben sich festgelegt

          Drei Viertel aller Wahlberechtigten haben sich laut einer Forsa-Studie entschieden, welche Partei sie am Sonntag wählen werden. Mit großen Überraschungen rechnen die Demoskopen nicht mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.