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Veröffentlicht: 14.04.2017, 08:34 Uhr

Hindus gegen Muslime Kuh-Wächter in Indien verbreiten Angst unter Bauern

Rinder gelten unter Indiens Hindus als heilig. Muslimische Bauern züchten sie trotzdem. Aber jetzt sind die Tiere beinahe unverkäuflich geworden. Und nicht nur deshalb fürchten die Bauern um ihre Existenz.

© EPA Kühe haben in der hinduistischen Religion einen hohen Stellenwert.

Es ist eine erschreckende Szene, von der die Zeitung „Financial Times“ (FT) da berichtet. Vor etwa zwei Wochen soll ein indischer Bauer auf einem bekannten Viehmarkt in Rajasthan drei Kühe und ihre Kälber gekauft haben – für seinen Milchhof im Bundesstaat Haryana. Pehlu Khan, so hieß der Bauer muslimischer Religion, soll für die Tiere 75.000 Rupien (rund 1108 Euro) bezahlt haben.

Wie sich herausstellte, war es eine tödliche Investition: Als der 55-Jährige gemeinsam mit mehreren Kollegen nach Hause fuhr, wurde sein Vieh-Transporter von selbsternannten „Kuh-Verteidigern“ gestoppt. Den Fahrer des Lkws, einen Hindu, ließen die „Kuh-Wächter“ frei, die muslimischen Bauern dagegen verprügelten sie aufs Brutalste. Pehlu Khan erlag einige Tage später seinen Verletzungen.

Die Szene ist sinnbildlich für ein größeres Phänomen, das in Indien um sich greift. Mittlerweile herrscht eine extrem düstere Stimmung unter den Viehhändlern der Nation. Denn die Begebenheit zwischen Rajasthan und Haryana ist nur der Gipfel einer neuen Bewegung der Hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) und ihrer Unterstützer aus der extremen politischen Rechten: Sie machen den Schutz von Rindern, die in der hinduistischen Religion als halbgöttlich gelten, zu einer nationalen Top-Priorität. Im Staat Uttar Pradesh etwa hat die BJP dem FT-Bericht zufolge schon jetzt die meisten Schlachthöfe geschlossen. Dadurch fiel der Marktwert von unproduktiven Büffeln stark, die nicht genug Milch geben, um ihre Futterkosten wieder hereinzuholen.

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Derweil terrorisieren an den Landstraßen Kuh-Wächter die Viehtransporteure. „Die Menschen sind mittlerweile zu verängstigt, um hierhin zu kommen“ sagte der Viehhändler Kamal Querishi mit Blick auf den bekannten Vieh-Handelsplatz in Rajasthan. Er gab an, dass er früher wöchentlich rund zehn Büffel auf dem Markt loswurde, während es ihm derzeit nur noch mit Mühe gelinge, drei Tiere in einer Woche zu verkaufen. Der Bericht zitiert auch einen Züchter, der von einem signifikanten Preisverfall für Büffel berichtet. „Normalerweise bekomme ich 50.000 Rupien für einen Büffel, aber jetzt gibt es noch nicht mal mehr Käufer für einen Preis von 30.000“, sagte der Mann.

Nun herrscht Furcht, dass der Preisverfall Bauern im ganzen Land in Finanznöte stürzen könnte. Denn die Kuh-Schutz-Bewegung der Hindu-Nationalisten schreitet immer weiter voran. Schon gibt es Rufe nach einem nationalen Schlachtverbot. Sogar lebenslange Haft für Verstöße dagegen wird mittlerweile gefordert.

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