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Hilfloser Judenvergleich Sinn und die Manager

27.10.2008 ·  Hans-Werner Sinn hat sich entschuldigt: Er habe das Schicksal der Juden in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. Dass sich ein intelligenter Mensch wie Sinn überhaupt zu dem Vergleich verstiegen hat, spricht Bände: über das Bild der Manager in der Öffentlichkeit und über die Hilflosigkeit der Ökonomen.

Von Carsten Knop
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Hans-Werner Sinn, der Präsident des Münchener Instituts für Wirtschaftsforschung, hat um Entschuldigung gebeten: Er habe das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen. So verfehlt es im Ursprung war, die Manager von heute im Rahmen einer allgemeinen „Sündenbock“-Diskussion zum Thema Finanzkrise überhaupt in einem Atemzug mit den Juden von damals zu nennen, so ehrenvoll ist die schnelle Abbitte, die Sinn zu leisten versucht.

Die missliche Lage, in die Sinn sich manövriert hat, zeigt aber weitaus mehr als die Tatsache, dass es in der heutigen Zeit überhaupt keine Kategorie mehr gibt, mit der sich die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten vergleichen ließe.

Dass sich Sinn zur Verteidigung der Manager überhaupt zu diesem Vergleich verstiegen hat, spricht Bände: über das Bild der Manager in der Öffentlichkeit und über die Hilflosigkeit des Berufsstands der Ökonomen, den Menschen die Ursachen der Finanz- und der ihr nun folgenden Wirtschaftskrise zu erläutern. Wie Sinn in seinem Entschuldigungsschreiben an den Zentralrat der Juden zu Recht bemerkt, liegen der Krise Systemfehler zugrunde, die es mit der Hilfe der hoffentlich bald wieder besser orientierten Wirtschaftswissenschaftler zu beheben gilt. Und es ist wahr, dass die Verurteilung Einzelner zu kurz greift.

Manager oft zu wenig selbstkritisch

Das ändert aber nichts daran, dass es immer wieder Einzelne und ihr Handeln sind, die zum Versagen des Systems führen. Und es ist eben auch richtig, dass sich diese Einzelnen, allen voran die Vorstände der Banken, mit den von ihnen gemachten Fehlern zu wenig öffentlich auseinandersetzen. Weil die Banker (die sich angeblich aus haftungsrechtlichen Gründen nicht bei ihren Kunden entschuldigen können) diese offene Flanke bieten, verstärken sie ein Bild, das mit jedem neuen Skandal in der Unternehmenswelt stärkere Konturen annimmt: Ob es um die Banker von heute, die Steuerhinterzieher von gestern oder die Schmiergeldzahler von vorgestern geht – stets haben die Vorstände und die zuständigen Aufsichtsräte eine selbstkritische Beschäftigung mit ihrem Tun unterlassen.

Manager wie Unternehmer müssen darauf endlich reagieren, um nicht noch stärker in eine Defensive zu geraten, die intelligenten Menschen wie Sinn zu hilflosen Vergleichen greifen lässt: Es ist ihre Aufgabe, nachhaltig Wert zu schaffen und ihrer sozialen Verpflichtung nachzukommen. Das müssen sie der Öffentlichkeit vermitteln. Dort stehen sie, sie können aber leider auch anders.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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