Home
http://www.faz.net/-gqe-6yat1
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hilfen für Griechenland Eurogruppe gibt Teile des zweiten Rettungspakets frei

 ·  Die Euro-Finanzminister haben das zweite Hilfspaket für Griechenland zum Teil freigegeben. In einer Telefonkonferenz einigten sie sich darauf, 30 Milliarden Euro bereit zu stellen, um den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger abzusichern. Weitere 5,5 Milliarden Euro erhält Athen, um aufgelaufene Zinsen bedienen zu können.

Artikel Bilder (1) Video (2) Lesermeinungen (20)

Die Finanzminister der Euroländer haben Teile des zweiten Rettungspakets für Griechenland bewilligt. Sie verständigten sich in einer Telefonkonferenz am Freitagmittag darauf, Garantien über 30 Milliarden Euro bereit zu stellen, um den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger abzusichern. Darüber hinaus überweisen sie weitere 5,5 Milliarden Euro an Athen, damit das Land aufgelaufene Zinsen bezahlen kann. Das teilte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit.

Eine endgültige Entscheidung über die restlichen 94,5 Milliarden Euro des 130 Milliarden Euro schweren zweiten Rettungspakets soll Anfang nächster Woche in Brüssel fallen. Schäuble ergänzte allerdings, das Griechenland alle Vorbedingungen „inzwischen vollständig erfüllt“ habe.

Griechischer Finanzminister: „Es fehlen sieben Milliarden Euro“

Die Entscheidung der Finanzminister fiel nur wenige Stunden, nachdem bekannt wurde, dass die meisten privaten Gläubiger Griechenlands einer Umschuldung ihrer Anleihen zugestimmt haben. Am Freitagmorgen hatte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos erklärt, dass von den 177 Milliarden Euro Anleihen unter griechischem Recht 85,8 Prozent zum Umtausch eingereicht wurden. Von den restlichen Anleihen der privaten Gläubiger, die nominal rund 30 Milliarden Euro wert sind und die größtenteils unter englischem Recht stehen, wurden 69 Prozent angedient. Insgesamt sollen die privaten Gläubiger Griechenland 107 Milliarden Euro schenken. Auf rund 100 Milliarden Euro haben sie nun „freiwillig“ verzichtet.

Griechischer Volkswirt begrüßt Schuldenschnitt

Wer darauf hoffte, Griechenland würde die Differenz akzeptieren, sah sich jedoch schnell getäuscht. „Es fehlen sieben Milliarden Euro“, stellte Finanzminister Evangelos Venizelos unmissverständlich klar. Um den Restbetrag auch noch einzutreiben, will Athen nun die übrigen Gläubiger mit Anleihen nach griechischem Recht zum Umtausch zwingen. Die Frist für Gläubiger, die Anleihen nach ausländischem Recht halten, wird bis zum 23. März verlängert. An das Geld dieser Anleger zwangsweise zu gelangen, ist für Griechenland wesentlich schwieriger, zum Teil wohl auch unmöglich.

Finanzminister Schäuble beteuerte derweil, dass eine Umschuldung im Euroraum nicht noch einmal vorkommen werde. Griechenland sei ein einzigartiger Problemfall. „Es gibt nicht den Hauch einer Chance, dass sich das wiederholt.“ Andere Länder mit zu hohen Schulden wie Irland, Spanien und Portugal arbeiteten ihre Sanierungsprogramme eigenständig ab und lösten so ihre Probleme schrittweise selbst.

Athen meldet hohe Beteiligung am Schuldenschnitt

Offen ist bislang noch, mit welcher Summe sich der Internationale Währungsfonds (IWF) am zweiten Rettungspaket engagieren wird. „Die Eurogruppe erwartet eine bedeutende Beteiligung des IWF“, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker. Ob diese Hoffnung voll erfüllt wird, darf allerdings bezweifelt werden. Von den bisherigen Hilfen für europäische Länder hatte der IWF bislang stets rund ein Drittel gezahlt.

Für das zweite Hilfspaket für Hellas stellte IWF-Direktorin Christine Lagarde bislang aber „nur“ 13 Milliarden Euro in Aussicht, zuzüglich der vom Währungsfonds noch nicht ausgezahlten 10 Milliarden Euro aus dem ersten Griechenland-Paket.

Griechische Wirtschaftsleistung bricht um 7,5 Prozent ein

Noch nicht geklärt ist auch, ob der angekündigte Zwangsumtausch der unwilligen Privatgläubiger als Zahlungsausfall gewertet wird, wodurch die abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen fällig würden. Darüber will die zuständige International Swaps and Derivatives Association (ISDA) noch am Freitag in London entscheiden.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Wirtschaft Griechenlands in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres noch stärker abgestürzt ist als bisher angenommen. Im vierten Quartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresvergleich um 7,5 Prozent eingebrochen, teilte die griechische Statistikbehörde nach endgültigen Daten mit. Zuvor hatte die Behörde einen Rückgang um 7 Prozent geschätzt. Zudem stieg die Arbeitslosigkeit abermals an: Mit 21 Prozent erreichte sie im vergangenen Dezember einen Negativrekord.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Lieber ehrlich

Von Johannes Pennekamp

Die SPD und noch mehr die Grünen haben höhere Steuern für Top-Verdiener angekündigt - und finden sich dabei besonders ehrlich. Was sie gerne verschweigen: Zu den Top-Verdienern im Land zählen nicht nur Millionäre mit Sportwagen, sondern auch schon leitende Angestellte, Handwerksmeister und Beamte. Mehr 15 24


Wichtigste Werte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --