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Herbstgutachten : Die Wirtschaftsmaschine läuft heiß

Stahlwerk von Arcelor-Mittal in Hamburg Bild: dpa

Der Aufschwung in Deutschland geht in die nächste Runde: 1,9 Prozent Wachstum erwarten Regierungsberater für das nächste Jahr. Aber sie sehen auch Überhitzungstendenzen, vor allem in zwei Sektoren.

          Die künftige Bundesregierung kann mit kräftigem Rückenwind aus der Wirtschaft rechnen: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr auf 1,9 Prozent angehoben. Das geht nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose der fünf führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute hervor, die an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird. „Aufschwung weiter kräftig – Anspannungen nehmen zu“, lautet der Titel des Herbstgutachtens, das der kommenden Bundesregierung als Basis für ihre eigene Prognosen dient.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das DIW in Berlin, das RWI in Essen, das Kieler IfW und das IWH in Halle. Bislang waren die Konjunkturfachleute von einem Zuwachs in diesem Jahr um 1,5 Prozent ausgegangen. Ihre Prognose für 2018 hoben die Berater um 0,2 Punkte auf zwei Prozent an, 2019 dürften 1,8 Prozent Wachstum zu Buche stehen.

          Mit dem überraschend starken Wachstum aus der ersten Jahreshälfte ist die Anpassung nach oben keine Überraschung. Uneinig waren sich die Forschungsinstitute im Vorfeld der Gemeinschaftsdiagnose allerdings über die Frage, ob der deutschen Wirtschaft schon eine Überhitzung drohe. Die deutsche Wirtschaft steigere ihre Leistung schneller, als es ihr guttäte, warnten die Ökonomen aus Kiel. Mitverantwortlich machten die Forscher auch die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Berliner DIW, das zu den Verteidigern des EZB-Kurses gehört, widersprach dieser Ansicht.

          In ihrem Gutachten präsentieren die Institute nun eine geschlossene Meinung: Von einer Hochkonjunktur wie in früheren Aufschwungphasen könne zwar noch nicht die Rede sein, dafür seien die Lohn- und Preissteigerungen zu schwach. Erste Anzeichen für Anspannungen seien jedoch zu erkennen – und zwar auf dem Arbeitsmarkt und dem Bau. Die Baubetriebe operierten am oberen Ende ihrer Kapazitäten, Erweiterungsinvestitionen würden dringend gebraucht. Auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich ein ähnliches Bild: Deutschland nähere sich immer mehr der Vollbeschäftigung, Hunderttausende Stellen blieben schon heute unbesetzt. 2018 dürfte laut Gutachten die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit 1991 unter die Marke von 2,5 Millionen fallen und im Jahr darauf weiter zurückgehen.

          Angetrieben wird die deutsche Wirtschaft laut Gutachten weiterhin vom privaten Konsum – wenn auch weniger als im vorigen Jahr, als die niedrigen Ölpreise die Kaufkraft der Verbraucher stärkten. Anders als zuletzt kommt nach Einschätzung der Forscher der Außenhandel als Wachstumstreiber hinzu. Geopolitische Risiken wie der anstehende Brexit oder die politische und wirtschaftliche Ausrichtung der Vereinigten Staaten hätten sich bislang nicht so stark auf die Konjunktur niedergeschlagen wie man es hätte erwarten können, heißt es. Der Euroraum erhole sich schneller als gedacht – nicht zuletzt deswegen, weil die EZB ihre Geldschleusen offenhält. Den Währungshütern aus Frankfurt empfehlen sie, im Oktober einen schrittweisen Ausstieg aus ihrem Anleihekaufprogramm vorzubereiten. Mit Zinsschritten innerhalb des Prognosezeitraums bis 2019 rechnen sie nicht.

          Ein gemischtes Zeugnis stellen die Fachleute der scheidenden Regierung aus. Für die günstige Entwicklung des Staatshaushaltes habe sich die Regierung nicht sonderlich gemüht – vielmehr sei ihr diese aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB in den Schoß gefallen. In diesem Jahr erwarten die Institute abermals einen Haushaltsüberschuss, und zwar in der Höhe von etwa 28 Milliarden Euro. Das positive Finanzierungssaldo solle die Regierung nutzen, um die Bürger zu entlasten. Mit Blick auf die Geringverdiener empfehlen die Berater, an den Sozialabgaben anzusetzen. Spielraum gebe es etwa in der Arbeitslosenversicherung. Sowohl die Union als auch FDP und Grüne, die in Zukunft gemeinsam die Regierungskoalition bilden könnten, haben im Wahlkampf Entlastungen in Aussicht gestellt.

          Quelle: F.A.Z.

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