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Herbert Hainer Der Global Player aus Bayern

03.08.2005 ·  Herbert Hainer, Vorstandschef von Adidas, ist ein bißchen wie seine Marke: bodenständig und kosmopolitisch zugleich. Mit der Übernahme von Reebok stellt er sich einer großen Herausforderung - und geht viele Risiken ein.

Von Marcus Theurer
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Es fing alles bei Olympia an. Bei den Sommerspielen von Athen im vergangenen Jahr hatte Adidas-Chef Herbert Hainer eine diskrete Verabredung auf einem Boot. Er traf Paul Fireman, den Chef und Großaktionär des kleineren amerikanischen Konkurrenten Reebok. Man sprach über die Spiele und die Branche und kam dann noch auf ein anderes Thema zu sprechen. So beginnen Milliardenübernahmen. Die Chemie zwischen dem 51 Jahre alten Hainer und dem rund zehn Jahre älteren Fireman habe "sofort gestimmt", sagen Beobachter aus dem Unternehmen. Das ist auch notwendig, denn auch nach dem mehr als 3 Milliarden teuren Reebok-Kauf soll Fireman das Unternehmen weiter leiten.

Wenn alles wie geplant läuft, wird er damit zum wichtigsten Mann im Konzern neben Hainer. Für den Adidas-Chef ist der Reebok-Kauf die größte Herausforderung in seinem bisherigen Berufsleben. Und auch für den Traditionskonzern aus der fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach sprengt sein Coup alle bislang gekannten Maßstäbe. Er dreht ein großes Rad.

Bodenständig und kosmopolitisch

Hainer ist ein wenig wie Adidas: bodenständig und kosmopolitisch zugleich. Das hat manchmal eine gewisse Komik, etwa wenn der Adidas-Chef, der aus dem niederbayerischen Landshut stammt, bei Pressekonferenzen in der beschaulichen fränkischen Provinz zwar mit deutlichem bayerischen Akzent, aber beharrlich in Englisch vorträgt. Ein Blender ist Hainer aber nicht. Seit er im Jahr 2001 den Vorstandsvorsitz bei Adidas übernahm, hat sich das Unternehmen solide entwickelt. Eine von Hainers ersten Entscheidungen: Er stieg mit 10 Prozent beim deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern ein.

Den Erfolg des Unternehmens will Hainer auch dem Besucher deutlich machen. Adidas ist mit seiner Zentrale in eine parkartigen ehemalige Kaserne am Ortsrand umgezogen. Früher gab es auf dem Firmengelände des Sportartikelkonzerns nicht einmal einen Fußballplatz. Hainer ließ ein eigenes kleines Stadion neben sein Hauptquartier setzen. Es gibt ein gläsernes Fitneß-Studio und ein Beach-Volleyballfeld für die Mitarbeiter.

Keine guten Erfahrungen mit Großakquisitionen

Die Firmenzentrale soll den Erfolg von Adidas ausstrahlen, doch Unternehmenschef Hainer hat auch noch die dunklen Jahre des Traditionskonzerns kennengelernt. Der studierte Betriebswirt ist seit 1987 bei Adidas. Die tiefe Krise, die der Traditionskonzern Anfang der neunziger Jahre durchlitt, hat er miterlebt. Hainer kam vom Konsumgüterhersteller Procter & Gamble nach Herzogenaurach. Der Marketing-Fachmann fing im Vertrieb an. Er half mit, der damals ziemlich angestaubten Marke wieder mehr Strahlkraft zu verleihen. Und Hainer machte schnell Karriere. 1996 wurde er bereits Senior Vice President für Europa, Afrika und den Mittleren Osten. Im Frühjahr 1997 rückte er in den Konzernvorstand auf.

Mit Großakquisitionen hat der Adidas-Chef Erfahrung - wenn auch keine guten. Schon kurz nach seinem Eintritt in den Adidas-Vorstand übernahm das Unternehmen den französischen Hersteller Salomon, an dem die Franken aber nie ihre Freude hatten und den Hainer schließlich im Mai diesen Jahres wieder verkaufte. Immerhin: Bei der anstehenden Integration von Reebok hat Adidas nun die Chance, von seinen leidvollen Lehren mit Salomon zu profitieren.

Zugleich läutet Hainer mit dem Reebok-Kauf eine weitere Runde in der innig gepflegten Rivalität mit dem kleineren, aber profitableren Konkurrenten Puma ein, der ebenfalls in Herzogenaurach sitzt. Die gegenseitige Abneigung wird in beiden Unternehmen seit langem kultiviert und Hainer geht mit bestem Beispiel voran. Als er kürzlich gefragt wurde, ob seine beiden - erwachsenen - Töchter eigentlich Puma-Sachen tragen dürften, hatte Hainer eine deutliche Antwort parat: "Nein." Marcus Theurer

Quelle: F.A.Z., 04.08.2005, Nr. 179 / Seite 15
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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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