15.12.2009 · In Deutschlands Heizkellern stehen jede Menge Oldtimer, die deutlich mehr Öl und Gas verschlingen, als sie müssten. Nur 15 Prozent der knapp 20 Millionen Heizungsanlagen entsprechen dem Stand der Technik.
Von Georg KüffnerIn Deutschlands Heizkellern stehen jede Menge Oldtimer, die deutlich mehr Öl und Gas verschlingen, als sie müssten. Nur 15 Prozent der knapp 20 Millionen Heizungsanlagen entsprechen dem Stand der Technik. Entsprechend groß ist das Einsparpotential: So kommt ein moderner Brennwertkessel im Vergleich zu einem Altgerät mit rund 30 Prozent weniger Energie aus.
Auf alle Geräte hochgerechnet, liegt das Einsparpotential im Heizungsbereich allein durch das Tauschen alt gegen neu - in Verbindung mit einer sinnvollen Gebäudedämmung - bei mehr als 30 Prozent. Und da der Wärmemarkt zu knapp 40 Prozent am gesamten deutschen Energiebedarf beteiligt ist, ließe sich dieser durch das Betreiben moderner Heizungsanlagen ohne größere Schwierigkeiten um 10 Prozent senken.
Brennwertgeräte und ihre Nachfolger
Die Technik, mit der dieses Ziel erreicht werden kann, ist die Brennwerttechnik. Sie gilt heute als höchster verfügbarer Entwicklungsstand in der Heiztechnik, musste sich diese Position aber hart erkämpfen. Das lag an einer verfahrensbedingten Abnormität, der Schornsteinfeger, Abwasserfunktionäre und die Heizkesselhersteller selbst anfangs mit Misstrauen begegneten. Denn aus Brennwertkesseln tropft Wasser. Dabei handelt es sich um Kondensat, das beim Herunterkühlen der Abgase unter den „Taupunkt“ anfällt. Während diese an einem korrosionsbeständigen Edelstahl-, Aluminium- oder Kunststoff-Wärmetauscher vorbeiströmen, sinkt ihre Temperatur so weit, dass der darin enthaltene Wasserdampf kondensiert. Die dabei frei werdende Wärme geht nicht verloren, sondern kann dem im Kreislauf geführten Heizungswasser zugeführt werden. Damit steigt die auf den Brennstoffeinsatz bezogene Effizienz der Anlagen, ihr Wirkungsgrad erhöht sich.
Brennwertgeräte sind seit mehreren Jahren auf dem Markt und daher für innovationsfreudige Heizer ein alter Hut. Gesucht wird nach immer innovativeren Lösungen. Dazu zählen Mini-Blockheizkraftwerke (Mini-BHKW). Sie lassen sich mit einem von einer „Außenflamme“ befeuerten Stirlingmotor antreiben, und sie können so kompakt gebaut werden, dass sie wie heutige Gastherme an der Wand befestigt werden können. Sie haben zudem den großen Vorteil, außer Raumwärme auch elektrischen Strom zu erzeugen. Dieser Doppelnutzen ist es, dem diese Technik ihre Faszination verdankt. Alle großen Hersteller von Heizungsanlagen arbeiten an derartigen Lösungen und wollen erste Geräte in den nächsten zwei Jahren auf den Markt bringen. Doch es gibt Vorreiter: So konnte das neuseeländische Unternehmen Whisper Tech schon etliche Geräte auf der Insel in Betrieb nehmen.
Auch Brennstoffzellenheizungen beziehen ihren Charme aus dem gleichzeitigen Erzeugen von Strom und Wärme. Sie sind den Mini-BHKW sogar überlegen, weil sie etwas höhere elektrische Wirkungsgrade erreichen. Und gegenüber den Stirling-Kraftwerken haben sie noch einen weiteren Vorzug. Sie kommen ohne bewegliche (verschleißende) Teile aus. Auch das ist ein Grund, warum diese mit viel Vorschusslorbeer bedachte Technik weiter vorangetrieben wird.
Auch Wärmepumpen helfen
Einen wichtigen Impuls erwartet diese Technik von dem seit einigen Monaten laufenden Leuchtturmprojekt Callux, das als tragende Säule des mit 1,4 Milliarden Euro alimentierten „Nationalen Investitionsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) gilt. Mehrere deutsche Energieversorger und vier Hersteller von Brennstoffzellenheizungen koordinieren im Rahmen des Callux-Projektes ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Ziel ist es, bis 2016 mehr Klarheit über die Chancen dieser Technik auf dem Wärmemarkt zu erhalten.
Eine Alternative zum klassischen Heizkessel wird auch in Wärmepumpen gesehen. Mit einer Wärmepumpe werden die Umgebungsluft, ein Wasserreservoir oder „erdoberflächennahe“ Erdschichten angezapft. Doch um die jeweilige Umgebungswärme auf ein zum Heizen nötiges höheres Niveau zu „pumpen“, brauchen die Geräte Strom: Man kann erwarten, dass mit 1 Kilowattstunde Strom der Umwelt etwa 2 Kilowattstunden entzogen werden und daraus dann drei Kilowattstunden nutzbare Wärme entstehen. Damit entlasten nur solche Geräte die Umwelt, bei denen dieses Verhältnis (Jahresarbeitszahl) über dem Wert 3 liegt. Denn den Strom für den Antrieb der Geräte erzeugen größtenteils Kohlekraftwerke, die aus 3 Kilowattstunden Kohle gerade mal 1 Kilowattstunde Strom gewinnen.
Weitgehend „klimaneutral“ lässt sich Raumwärme mit Holz und Pellets erzeugen, wird doch beim Verbrennen genau die Menge des Kohlendioxids frei, die vom Ausgangsprodukt, den Bäumen, während ihres Wachstums aufgenommen worden ist. Mittlerweile ist jedoch der Brennstoffbedarf so groß, dass er nicht mehr komplett aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gedeckt werden kann. Lange Anfahrtswege trüben die Ökobilanz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,37 | +0,41% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,83 $ | −0,40% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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