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Haushaltsgeräte Miele streicht 1100 Stellen in Deutschland

18.02.2005 ·  „Das Unternehmen ist kerngesund“, heißt es aus der Miele-Zentrale. Die Stellenstreichungen seien eine Vorsorge. Ziel: eine bessere Wettbewerbsfähigkeit. Andere Hersteller bauen ebenfalls Personal ab.

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Der Gütersloher Hausgerätehersteller Miele streicht jede zehnte Stelle in Deutschland. Wie das traditionsreiche Familienunternehmen mitteilt, sollen in den kommenden zwei Jahren 1077 der aktuell 11046 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut werden.

In aller Welt hat Miele 15117 Beschäftigte. Von dem Abbau sind alle fünf deutschen Werke in Gütersloh, Bielefeld, Euskirchen, Lehrte, Warendorf und Oelde betroffen, wobei das Stammwerk in Gütersloh den größten Einschnitt zu verkraften hat. Bei den beiden Werken im Ausland (Österreich und Tschechien) ist kein Abbau geplant.

Negativtrend umgekehrt

Ein Miele-Sprecher betonte auf Anfrage, daß es sich bei dem Personalabbau um eine reine Vorsorge handele. Das Unternehmen sei kerngesund und keineswegs in einer existenzgefährdenden Schieflage: "Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken, um auch in Zukunft ein selbständiges Familienunternehmen zu bleiben, das sich aus eigener Kraft finanzieren kann." Der Sprecher gab allerdings zu, daß die Gewinne der Miele & Cie KG in den vergangenen Jahren gesunken seien. Konkrete Ergebniszahlen nennt das vor 105 Jahren gegründete Familienunternehmen nicht. Der Umsatz der Gruppe sei 2004 um 2,5 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro gestiegen, wobei man auch im Inland (Umsatzanteil: 30 Prozent) zugelegt habe. Damit sei der Negativtrend aus dem Vorjahr umgekehrt worden.

Der Hausgerätemarkt ist gesättigt und daher besonders hart umkämpft. Die Haushalte sind mit Kühlschränken und Waschmaschinen bestens ausgestattet. Noch schlimmer für die Hersteller ist indessen der Preisverfall, den Branchenexperten bei großen Geräten auf jährlich 5 bis 10 Prozent schätzen. Immer mehr Discounter bieten die sogenannte weiße Ware zu Schleuderpreisen an.

Hochpreisstrategie wird fortgesetzt

Auch die gestiegenen Rohstoffpreise (besonders beim Stahl) machen den Herstellern zu schaffen, die inzwischen - weitaus schärfer als Miele - gegensteuern: Der Weltmarktführer Electrolux aus Schweden will in den kommenden vier Jahren bis zur Hälfte seiner 27 Fabriken in Hochlohnländern schließen, umgliedern oder in Niedriglohnländer verlagern. Die amerikanische Whirlpool hat bereits vor Jahren den Abbau von mehr als 6000 Stellen in Angriff genommen. Bosch-Siemens-Hausgeräte, der in Europa führende Hersteller, hat allein 2003 knapp 1000 Stellen in Deutschland gestrichen und setzt den Abbau erklärtermaßen weiter fort.

Miele ist ein Premiumanbieter, der ausschließlich hochpreisige Hausgeräte verkauft. Doch auch dieses Marktsegment ist durch den Preisverfall bei Billigprodukten unter Druck geraten, weil Miele den Preisabstand zu den einfacheren Waren nicht beliebig größer werden lassen darf. Außerdem schwächt die generelle Konsum- und Konjunkturschwäche zumindest hierzulande die Kaufbereitschaft der Kunden. Trotzdem will Miele nach eigenem Bekunden seine Hochpreisstrategie fortsetzen und - entgegen anderslautenden Spekulationen - keinesfalls billigere Einstiegsmodelle auf den Markt bringen.

„Echte Kündigungen“ möglich

Bei Miele, so versicherte der Sprecher, sei weder eine Werksschließung noch eine Produktionsverlagerung ins Ausland geplant. Mit dem Personalabbau würden die Kapazitäten nicht zurückgefahren. Vielmehr nutze man neue Fertigungsmethoden, um die gleiche Menge an Geräten mit weniger Mitarbeitern bauen zu können. Dazu sollen im laufenden Geschäftsjahr 135 Millionen Euro investiert werden. Die Einschnitte sollen ab 2007/08 jährlich Einsparungen von 50 Millionen Euro bringen. Die Höhe der Einmalaufwendungen für den Personalabbau wollte der Sprecher nicht beziffern. Sie seien aber voraussichtlich nicht so hoch, daß Miele im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 (30. Juni) in die Verlustzone rutsche.

Auf Basis einer Vereinbarung mit dem Betriebsrat, über die seit vergangenem September verhandelt wurde, sollen betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden. Sollten bis Ende 2006 aber nicht genügend Mitarbeiter die freiwilligen Abfindungs- und (Alters-)Teilzeitangebote annehmen, werde man "echte Kündigungen" aussprechen. Der Restrukturierungsplan ist noch im Einvernehmen mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Firmenpatriachen Rudolf Miele sowie mit Peter Zinkann, der ebenfalls zu den Nachfahren der beiden Gründerfamilien gehört, entworfen worden.

Quelle: rit. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2005, Nr. 42 / Seite 11
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