12.12.2005 · Das traditionsreiche AEG-Werk in Nürnberg steht vor dem Aus. Der schwedische Hausgerätekonzern Electrolux hat entschieden, das 83 Jahre alte Werk mit 1750 Mitarbeitern Ende 2007 zu schließen.
Die Rettungsversuche von Belegschaftsvertretern für das Nürnberger AEG-Hausgerätewerk mit rund 1750 Mitarbeitern sind gescheitert. Der schwedische AEG-Eigentümer Electrolux kündigte am Montag an, das Werk, in dem Waschmaschinen und Geschirrspüler gefertigt werden, Ende 2007 zu schließen. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall hatten zuletzt angeboten, ohne Lohnausgleich länger zu arbeiten, um zumindest rund 1000 Arbeitsplätze zu erhalten. Electrolux, der weltgrößte Hersteller von Hausgeräten, hat im Februar angekündigt, die Hälfte seiner 27 Werke in Hochlohnländern wie Deutschland zu schließen.
Seit Juni ist bekannt, daß auch das AEG-Werk in Nürnberg auf der Kippe steht. Electrolux baut zur Zeit zwei weitere Werke in Polen. Voraussichtlich wird ein großer Teil der Nürnberger Produktion dorthin verlagert. Auch italiensiche Electrolux-Standorte könnten nach Unternehmensangaben von der Schließung profitieren. Das zweite deutsche Werk von Electrolux in Rothenburg, wo 1300 Mitarbeiter unter anderem Einbauherde produzieren, sei dagegen nicht gefährdet, sagte ein Unternehmenssprecher. Daß einer größeren Zahl der Nürnberger Beschäftigten dort Ersatzarbeitsplätze angeboten werden, gilt als unwahrscheinlich.
Die Entscheidung von Electrolux stieß in Nürnberg auf heftige Kritik. Die IG Metall drohte mit einer Ausweitung der bisherigen Warnstreiks. Von der Werksschließung seien auch Zulieferunternehmen betroffen. Der zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft, Jürgen Wechsler, rief zu einem Boykott von Electrolux-Produkten auf. „Wer diesen traditionsreichen Standort platt macht, soll in Deutschland auch keine Waschmaschinen und Geschirrspüler mehr verkaufen“, sagte Wechsler. Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) warf dem Konzern „soziale Kälte“ vor.
Electrolux verteidigte dagegen die Werksschließung. „Mit Blick auf das Gesamtunternehmen gibt es keine Alternative“, sagte Konzernvorstand Johan Bygge. Electrolux mache mit jeder Waschmaschine aus Nürnberg, die in Deutschland verkauft werde, 60 Euro und bei jedem Geschirrspüler 45 Euro Verlust. Der deutsche Hausgerätemarkt leidet seit langem unter einem starken Preisverfall. Nach Angaben des Fachverbandes ZVEI sind die Preise für Waschmaschinen in Deutschland seit Mitte der neunziger Jahre um fast ein Drittel gefallen. Auch Konkurrenten wie Miele und Bosch-Siemens Haustechnik (BSH) verlagern deshalb Arbeitsplätze an kostengünstigere Standorte.
Electrolux-Vorstand Bygge kündigte an, die Geschäftsleitung von Electrolux in Deutschland werde in den nächsten Tagen die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan aufnehmen. Der Arbeitsplatzabbau werde voraussichtlich in mehreren Schritten vollzogen. Das Unternehmen beziffert die erwarteten Kosten für die Produktionsverlagerung ins Ausland mit rund 240 Millionen Euro.
Electrolux ist Inhaber aller AEG-Rechte
Das Unternehmen AEG AG, Frankfurt, ist nach 113 Jahren Existenz am 20. September 1996 durch Verschmelzung auf die damalige Daimler-Benz AG untergegangen. Die Rechte an der bekannten Marke wurden auf die EHG Elektroholding GmbH, Frankfurt, übertragen, die sie in der Tochtergesellschaft Licentia verwaltete. Wobei das Verwalten sehr aktiv geschah. Es gibt heute nicht nur die seit vielen Jahren bekannten Elektrowerkzeuge unter AEG oder Straßenleuchten. Es gibt unter der Marke AEG auch schnurlose Telefone zu kaufen, Nähmaschinen (des Herstellers Singer) oder auch Fernsehgeräte und Autoradios. Die Marke AEG, die nach einer Umfrage aus dem Jahr 2004 in Deutschland noch bekannter ist als Siemens, setzt mehrere Milliarden Euro im Jahr um. Genau ist die Zahl nicht zu ermitteln. Zum einen hat die EHG die Markenrechte an dem Namen AEG vor einem Jahr an Electrolux verkauft, weil Daimler-Chrysler keine Verwendung dafür hatte. Der schwedische Konzern ist also seither Inhaber aller Rechte an der Marke AEG, und alle anderen Nutzer der Marke sind Lizenznehmer von Electrolux. Electrolux hat aber auch erstmals AEG in eine Doppelmarke Electrolux-AEG eingebracht, so daß man Teile des darunter getätigten Hausgeräteumsatzes nicht mehr eindeutig der Marke AEG zuordnen kann.
Bei der EHG in Frankfurt liegen noch die Rechte an der Marke Telefunken. Auch für diese bekannte Marke will man weitere Verwendungsmöglichkeiten prüfen und sie einschließlich neuer Lizenzen verkaufen. (geg.)
polen holen
Karl-Heinz Bartsch (carlcomma)
- 13.12.2005, 00:35 Uhr
Boykott!
Peter Milka (McDuff)
- 13.12.2005, 07:43 Uhr
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