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Hauptversammlung Lufthansa in Erklärungsnot

 ·  Nach dem Chaos um die Besetzung der Lufthansa- Aufsichtsratsspitze hat Unternehmenschef Christoph Franz dem Kandidaten Wolfgang Mayrhuber demonstrativ den Rücken gestärkt. Er habe in seiner Zeit an der Spitze des Unternehmens Herausragendes geleistet. Doch der Ärger über Mayrhuber ist nicht verflogen.

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© dpa Vergrößern Der frühere Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte gestern seine Kandidatur als Aufsichtsratsmitglied zuerst zurückgezogen, Stunden später aber doch wieder bekräftigt.

Nach dem Zickzack-Kurs des früheren Lufthansa-Chefs Wolfgang Mayrhuber bei der Besetzung der Aufsichtsratsspitze hat der Unternehmenschef Christoph Franz dem Kandidaten demonstrativ den Rücken gestärkt. Mayrhuber hatte am Vortag seine Kandidatur für den Aufsichtsrat der Lufthansa erst nach Aktionärskritik überraschend zurückgezogen - sich dann aber zwölf Stunden später doch dafür entschieden.

Auf der Hauptversammlung lobte Franz seinen Vorgänger, der von 2003 bis 2010 an der Spitze des Unternehmens stand – und nun nach einer Abkühlungsphase Nachfolger von Jürgen Weber an der Spitze des Aufsichtsrats werden soll. Mayrhuber habe in seiner Zeit an der Spitze des Unternehmens Herausragendes geleistet, sagte Franz am Dienstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Köln. Er sei der Erfinder der Strategie mit mehreren Marken und Drehkreuzen: „Wolfgang Mayrhuber hat ihre Lufthansa zur Nummer 1 in Europa gemacht“, sagte er den Aktionären.

Die Kritiker von Mayrhuber hatten vor allem moniert, dass seit dem Abtritt von Mayrhuber von der Konzernspitze zu wenig Zeit vergangenen sei, weshalb er die Arbeit des derzeitigen Chefs Christoph Franz nicht effektiv kontrollieren könne.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Lufthansa fühlt sich für das Hin und Her nicht verantwortlich. „Wir haben die Verwirrungen vom Vortag nicht zu verantworten“, sagte der noch amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber am Dienstag. Vielmehr habe der Aufsichtsrat große Anstrengungen unternommen, um „rein formalistische Kriterien einer blinden Corporate-Gouvernance-Auslegung durch ein trotziges Beratungsunternehmen wieder ins rechte Licht zu rücken“. Es sei bedauerlich, wie fremde Corporate-Gouvernance-Muster hierzulande als bindend angesehen würden und Schaden anrichten könnten. Weber nannte zwar keine Namen, spielte aber augenscheinlich auf eine Abstimmungsempfehlung des einflussreichen Aktionärsberaters ISS an. Das Institut hatte Aktionären empfohlen, Wolfgang Mayrhuber nicht zu wählen. Begründete hatte ISS diese Empfehlung mit der Vielzahl der Mandate, die der designierte Chefkontrolleur bereits inne hat. Außerdem hat ISS kritisiert, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende bereits nach zwei Jahren in das Kontrollgremium wechseln wolle.

Der Ärger über Mayrhuber ist noch nicht verflogen. Die Fondsgesellschaft Union Investment äußerte ihre Kritik auf der Hauptversammlung besonders scharf und forderte Mayrhuber auf, nicht für das Amt als Aufsichtsrat zu kandidieren. Dessen Wankelmütigkeit werfe ein Schatten auf sein künftiges Amt:  „Wir sind fassungslos“, sagte Fondssprecher Ingo Speich: „Wie kann es sein, dass sich Ihre Einstellung zur Lufthansa innerhalb des gestrigen Tages zweimal grundlegend ändert, Herr Mayrhuber?“

Bereits am Montag hatte Union Investment gesagt, dass sie Mayrhuber nicht in den Aufsichtsrat wählen werde. Sie begründete dies mit seinem früheren Amt als Vorstandsvorsitzender. „Sie können nicht als Aufsichtsratschef die Fehler und Versäumnisse Ihrer Amtszeit neutral beurteilen, wenn diese den Konzern noch heute belasten,“ sagte Speich am Dienstag zu Mayrhuber. Die Fondsgesellschaft ging mit dem früheren Konzernlenker hart ins Gericht. „Die Altlasten der Ära Mayrhuber drücken den Kranich zu Boden, teure Fehlkäufe statt dringend notwendiger Flottenerneuerung sind der Lufthansa nicht gut bekommen“, führte der Sprecher aus. Er forderte den noch amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber auf, sein Lebenswerk nicht aufs Spiel zu setzen, indem er Mayrhuber an die Spitze des Aufsichtsrats hole.

Mayrhuber und sein Weggefährte Karl-Ludwig Kley, der sich als ehemaliger Finanzvorstand ebenfalls in den Aufsichtsrat wählen lassen will, verkörpern Speich zufolge die alte Lufthansa-Welt, die gescheitert sei und keine Zukunft habe. Union Investment, die eigenen Angaben zufolge rund 1 Prozent der Lufthansa-Aktien hält, fordert als Aufsichtsratsvorsitzenden einen unabhängigen und unbefangenen Kandidaten, der Sachverhalte als Außenstehender nüchtern beurteilen könnte. Lufthansa ist in den Augen der Fondsgesellschaft ein „Sanierungsfall“.

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