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Hartz-IV-Strafen : Jugend vorn

Mehr als 1 Million Mal sind Bezieher von Arbeitslosengeld II sanktioniert worden, junge Menschen besonders oft. Zu Recht. Denn gerade sie müssen die Termine beim Arbeitsamt einhalten, um nicht als Hartz-IV-Biografie zu enden.

          Die Marke von einer Million Sanktionen gegen Bezieher von Arbeitslosengeld II, besser als Hartz IV bekannt, ist geknackt. Und das, obwohl die Zahl der Empfänger in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist. Woran liegts? Haben Leistungsempfänger etwa doch wenig Bock auf Arbeit, wie das gängige Vorurteil in der Bevölkerung laut einer aktuellen Umfrage besagt? Oder greifen die Jobvermittler mittlerweile gnadenlos durch, wo sie früher Milde walten ließen?

          Zunächst gilt festzuhalten: Der Anteil der „Abgestraften“ an allen Leistungbeziehern ist zwar gestiegen, mit etwas mehr als 3 Prozent aber immer noch sehr gering. Bleibt festzuhalten: Die restlichen fast 97 Prozent haben sich nichts zu Schulden kommen lassen.

          Zwei Drittel der Sanktionsgründe waren Meldeversäumnisse

          Ein Blick auf die anderen 3 Prozent wiederum zeigt, dass der Anteil der Verweigerer gesunken ist, zwei Drittel der Gründe waren Meldeversäumnisse. Das ist kein Kavaliersdelikt. Wer Langzeitarbeitsloser ist und staatliche Grundsicherung bezieht, der schuldet dafür das Bemühen um eine neue Stelle, die dank der guten Arbeitsmarktentwicklung der vergangenen Jahre auch immer noch vorhanden sind.

          Zu den Pflichten gehört auch, die Termine mit seinem Arbeitsvermittler einzuhalten. Dies gilt besonders für junge Leute, deren Sanktionsquote deutlich über dem Durchschnitt liegt. Jährlich strömen mehr als 50.000 Mädchen und vor allem Jungen ohne Schulabschluss nahezu chancenlos auf den Arbeitsmarkt. Der Staat gibt Milliardensummen aus, um diese Bildungsschäden im Nachhinein zu reparieren. Denn gerade für junge Menschen ist von entscheidender Bedeutung, möglichst schnell den Sprung aus staatlicher Abhängigkeit heraus zu schaffen, um „Hartz-IV-Biographien“ schon im Ansatz zu verhindern.

          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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          Quelle: F.A.Z.

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