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Hardware Jetzt funkt's: Das Milliardengeschäft mit RFID

25.02.2005 ·  Im Supermarkt, im Reisepaß oder in Eintrittskarten. Die neuen Funkchips werden bald allgegenwärtig sein. Die Wirtschaft ist begeistert, Datenschützer warnen vor Mißbrauch.

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Die Kasse, die die Waren schon im Einkaufswagen abrechnet, der Chip unter der Haut, der den Notarzt sofort über Blutgruppe und Allergien informiert, der Kühlschrank, der die Milch auf die Einkaufsliste setzt - die Technik, die das möglich macht, heißt RFID. Auf der diesjährigen Cebit in Hannover (10. bis 16. März) werden die winzigen Funkchips mit ihren breiten Anwendungsmöglichkeiten zu den zentralen Themen gehören. Doch während sich die Industrie von den Funketiketten Milliarden-Einsparungen und ein großes Geschäft erhofft, verurteilen Verbraucher- und Datenschützer sie als „Schnüffel-Chips“.

RFID (Radio Frequency Identification) ermöglicht auf kurze Entfernung die automatische Erkennung einzelner Objekte per Funk. Derzeit treiben vor allem große Handelskonzerne wie Wal-Mart oder Metro die Technologie voran. Ihre Lieferanten sollen heute schon von Strichcodes zu den Radio-Etiketten übergehen. Das bringt enorme Einsparungen in der Logistik.

Alle setzen auf das Milliardengeschäft

Das Geschäft mit den RFID-Chips wurde im vergangenen Jahr auf 300 Millionen Dollar geschätzt. Bis 2009 rechnet das amerikanische Marktforschungsunternehmen In-Stat mit einem Umsatz von bis zu 2,8 Milliarden Dollar, der Großteil davon im Handel. Das größte Hindernis war bisher der Preis der Chips, der inzwischen von mehr als 50 auf 15 Cent gefallen ist. Ab 5 Cent werde es richtig interessant, heißt es von Analysten.

Die mögliche Palette der Anwendungen ist groß: fälschungssichere Spielchips in Kasinos, Bibliotheken könnten ihre Bücher markieren, Pharmakonzerne Medikamente vor Fälschungen schützen, der Einsatz in Gesundheitskarten und Reisepässen ist genauso denkbar, wie sogar die Kennzeichnung von Häftlingen. Auch bei der Fußball-WM 2006 soll RFID zum Einsatz kommen. Ein in die Eintrittskarte integrierter Chip funkt am Eingang einem Lesegerät seine Nummer zu. So kann festgestellt werden, ob der Inhaber des Tickets auch der registrierte Käufer ist.

Der Häftling von morgen trägt einen Funkchip

Schon jetzt gehört die Technik zum Alltag: Die Monatsfahrkarten der Londoner U-Bahnen haben einen RFID-Chip, das Maut-System in Singapur funktioniert damit und ebenso zahlreiche Skilifte in den Wintersportgebieten der Alpen. Auch bei den Fußball- Bundesligaklubs Schalke 04, Hamburger SV und dem Zweitligaklub 1. FC Köln ist RFID schon im Einsatz.

Auch bei der diesjährigen Cebit wird die Funktechnik bei der Eintrittskontrolle eingesetzt. Große Unternehmen wie SAP, Siemens und IBM arbeiten an eigenen Anwendungen.. Hewlett-Packard nutzt die Chips im Vertrieb von Druckern und will auf der Cebit über die Erfahrungen berichten. Den kompletten Prozess vom Druck eines Labels über das Beschreiben eines Transponders bis zum automatischen Lesen eines Warenausgangs zeigt der Paderborner Oracle-Partner Team. Speziell für die Konsumgüterindustrie ist ein von Sun Microsystems entwickeltes Komplett-Paket gedacht, das aus Software, Etikettendrucker und Lesegeräten besteht.

Gläserne Produktionskette, aber auch gläserne Bürger

Während die Wirtschaft auf RFID setzt, fürchten Datenschützer den Missbrauch der Technik. „Die hohe räumliche und zeitliche Dichte der Datenspuren erlaubt die nachträgliche Erstellung von personalisierten Bewegungs- und Kontaktprofilen“, sagt Britta Oertel vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.

„Wie jede neue Technik hat auch diese zwei Seiten“, sagt Oertel. So ermögliche beispielsweise die Markierung von Nutztieren mit RFID-Chips eine gläserne Produktionskette bis zur Ladentheke im Sinne eines umfassenden Verbraucherschutzes. Andererseits könnten Arbeitgeber die Technik dazu nutzen, Verhalten und Leistung ihrer Angestellten zu observieren. „Solche Daten werden gesammelt, auch wenn es verboten ist“, behauptet Oertel.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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