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Hannover Messe Maschinenbau setzt immer mehr auf das Ausland

11.04.2005 ·  Selten zuvor hatte die Hannover Messe als internationaler Marktplatz des Maschinenbaus eine so große Bedeutung wie in diesem Jahr. Nur dem Auslandsgeschäft ist es zu verdanken, daß die Branche auch in diesem Jahr neue Rekordmarken setzt.

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Selten zuvor hat die Hannover Messe als internationaler Marktplatz des Maschinenbaus eine so große Bedeutung gehabt wie in diesem Jahr. Die vom Umsatz her drittgrößte Branche - hinter Automobil und Elektrotechnik - erzielte im vergangenen Jahr einen neuen Exportrekord und nur dank der Auslandsnachfrage Höchstwerte in Auftragseingängen und Umsatz. Sie machte damit ihrem Ruf, weltgrößter Maschinenexporteur zu sein, alle Ehre. Fast drei Viertel der von den deutschen Herstellern produzierten Maschinen gehen in das Ausland, davon wiederum das Gros in Länder außerhalb des Euro-Raums.

Nur dem Auslandsgeschäft ist es zu verdanken, daß der Maschinenbau auch in diesem Jahr neue Rekordmarken setzt - wenn auch nicht mit den Zuwachsraten von 2004. VDMA-Präsident Dieter Brucklacher rechnet vorsichtig mit einem Produktionsplus von 3 Prozent auf 140 Milliarden Euro nach 5 Prozent im vergangenen Jahr und mit einem Umsatzanstieg von 4 Prozent auf rund 148 Milliarden (Vorjahr plus 6 Prozent). Damit ist die gute Nachricht verbunden, daß die von der Zahl der Beschäftigten her wichtigste Industriebranche in Deutschland sogar Arbeitsplätze in diesem Jahr schafft, und zwar im Saldo mindestens 4000, ein Anstieg auf mehr als 870000 Stellen. Der voll ausgelastete Maschinenbau kann den hohen Auftragsbestand mit Teilzeitkräften und Zusatzschichten - wie 2004 geschehen - allein nicht bewältigen.

„Wachstum im Ausland hilft uns ein wenig“

Das kann von den Herausforderungen und den Belastungen nicht ablenken: hohe Materialkosten, schwacher Dollar und nachlassende Wachstumsdynamik in den Vereinigten Staaten sowie in China - den beiden wichtigsten Exportmärkten -, wachsender Konkurrenzdruck asiatischer, insbesondere chinesischer, aber auch amerikanischer Hersteller. Die Antwort für die Deutschen kann nur in Produktinnovationen mit hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung einerseits sowie in schlanken Kostenstrukturen andererseits liegen. Mit einer Kompensation durch ein stärkeres Inlandsgeschäft sollten die vor allem mittelständisch geprägten Unternehmen eher nicht rechnen.

Denn der Auftragseingang stieg im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) preisbereinigt um 11 Prozent. Im Ausland legte er um 17 Prozent zu. Aber in Deutschland sank er um 1 Prozent. Im Dreimonatsvergleich, der die branchentypischen kurzfristigen Schwankungen ausblendet, öffnet sich die Schere noch deutlicher. Der Zuwachs von insgesamt 2 Prozent ist ein Resultat aus einem Minus von 9 Prozent im Inland und einem Plus von 7 Prozent im Ausland. "Das Wachstum im Ausland hilft uns ein wenig über das schwache Inlandsgeschäft hinweg", formuliert VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse vorsichtig. "Wir hoffen, daß in den nächsten Wochen endlich auch die Investitionstätigkeit im Inland anspringen wird, denn nur das schafft Arbeitsplätze."

Lage in der Branche wird sich verschlechtern

Ob der Verband aber in Hannover am heutigen Montag Signale einer Entspannung aussenden kann, ist fraglich. "Insgesamt sehen wir mehr Risiken für eine Enttäuschung als positive Überraschungen", bringt Richard Schramm, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt, die Stimmung auf den Punkt. Er spricht die Gefahren des anhaltenden schwachen Dollar an, der die Branche besonders belastet. Rund 15 Prozent des Umsatzes werden immerhin im Dollar-Raum bestritten. Genauso gehören für Schramm dazu aber auch die stark gestiegenen Materialkosten, vor allem für den Stahleinkauf. Für beide Faktoren, so Schramm, bestehe das Risiko, daß sie sich verschlechterten.

Doch hat er einen Trost parat: Denn ein gegenüber 2003 um 20 Prozent abgeschwächter Dollar hätte eigentlich einen negativen Einfluß auf die Auftragslage im vergangenen Jahr haben müssen. Das Gegenteil war der Fall. "Für uns ist das ein Anzeichen, daß es wichtigere Einflußfaktoren gibt als die Wechselkursveränderungen", sagt Schramm. Dazu zählt er das starke Wachstum der Weltwirtschaft, an dem der deutsche Maschinenbau partizipiert hat und das die negativen Währungseffekte überkompensierte. Allerdings wird sich die Lage in der Branche verschlechtern. Nach dem derzeitigen Rückenwind rechnet Schramm im Jahresverlauf nur noch mit einer leichten Brise.

Quelle: kön., F.A.Z., 11.04.2005, Nr. 83 / Seite 15
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