Vor einigen Jahren machte sich Jürg Knoll in Friedrichshafen selbständig, indem er ein Unternehmen gründete, das mit Fisch handelt - zum Beispiel russischem Zander. „Das ökologische Gewissen ist bei uns seitdem immer stärker geworden“, sagt er. Jetzt hat sein Unternehmen Fish & More ein Produkt erfunden, das es selbst für musterhaft ökologisch hält: mit der Hand geangelten Thunfisch in Dosen. Nicht auf dem Bodensee, sondern auf den Malediven schickt das Unternehmen Boote los. An Bord stehen Einheimische mit primitiven Angeln, die aus Bambus sind. Damit fangen sie einen Thunfisch nach dem anderen - wie seit Hunderten Jahren schon - und werfen ihn an Deck.
Ökologisch korrekt soll dieses Vorgehen sein, weil die Bestände des als bedroht geltenden roten Thunfischs im Mittelmeer so nicht dezimiert werden. Und weil, anders als beim Netzfang, keine Fische mitgefangen und getötet werden, auf die es die Fischer gar nicht abgesehen haben.
Geschäftsführer Knoll schwärmt vom Handfang: „Die Methode ist unglaublich altmodisch, und dadurch unglaublich nachhaltig.“ Der Fisch interessiere den Handel sehr. Er werde unter der Marke Followfish etwa in den Märkten von Denree und Tegut vertrieben. Eine Agentur berechnete, dass der Kohlendioxid-„Fußabdruck“ dieser Methode geringer sei als der des konventionellen Fischfangs im Mittelmeer - obwohl die Dosen von den Malediven nach Deutschland geflogen werden müssen. 2 bis 3 Euro soll eine Dose kosten - etwa 50 Prozent mehr als im Supermarkt. Ein Werbevideo auf Youtube heißt „Gegen den Strom“. Aber wer heutzutage nachhaltigen Thunfisch zum Wohle indigener Völker auf den Markt bringt, schwimmt natürlich mit dem Strom.
Nachhaltig kurzsichtig
klaus keller (klkeller)
- 12.04.2012, 16:57 Uhr
Der letzte Satz sagt alles
Valentino Tedesco (anonymus333)
- 11.04.2012, 17:42 Uhr
Jede beifangfreie Fangtechnik ist zu begrüßen.
Michael Meier (never1)
- 11.04.2012, 17:19 Uhr
und werfen ihn an Deck...wo er elendig über Minuten erstickt...
Roland Magiera (Roland_M)
- 11.04.2012, 16:46 Uhr
Wie geht es mit der Kühlkette? Und nur größere Tiere?
klaus keller (klkeller)
- 11.04.2012, 16:42 Uhr