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Handelskonflikt mit Trump : Keine Angst vor niedrigeren Autozöllen

Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz warten am Bremerhaven auf ihre Abfertigung. Bild: dpa

Wäre es schlimm, wenn die EU die Einfuhrzölle für Autos verringert? Die F.A.Z. hat nachgefragt – die Antwort ist ziemlich einhellig.

          Im Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union ging es in den vergangenen Wochen auch immer wieder um ein bestimmtes Ungleichgewicht innerhalb einer Branche: Ausländische Autohersteller müssen auf Importe von Personenkraftwagen nach Amerika 2,5 Prozent Zoll aufschlagen, auf die in Amerika beliebten Pick-up-Trucks sind es 25 Prozent. Der Aufpreis für Pkw-Exporte aus den Vereinigten Staaten nach Europa beträgt 10 Prozent. Diese Sätze sind einst in langwierigen Verhandlungen im Rahmen der Welthandelsorganisation festgelegt worden.

          In neuen Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten könnten diese Raten womöglich neu festgesetzt werden. Sollte es dazu kommen, sieht ein Fachmann die Hersteller diesseits des Atlantiks gut positioniert. „Die europäischen und deutschen Autohersteller brauchen sich vor niedrigeren Einfuhrzölle in die Europäische Union nicht zu fürchten“, sagte Stefan Bratzel, Professor am Centre of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Niedrigere Zölle würden nicht dazu führen, dass alle Europäer plötzlich Cadillac fuhren. Es sei für nichteuropäische Hersteller gar nicht so leicht, in Europa Fuß zu fassen, und das treffe mithin auch die amerikanische Konkurrenz.

          „Ein wichtiger Hebel, um Geld zu sparen“

          „Europa ist ein hart umkämpfter und sehr spezieller Markt, was an den ausgefeilten Kundenwünschen liegt“, sagte Bratzel. Europäische Kunden hätten sehr hohe Ansprüche, was Gestaltung und Technik der Fahrzeuge betrifft. Zudem hätten europäische Hersteller ein solides Fundament mit hohen Marktanteilen in Europa. Auch deshalb müssten deutsche Hersteller die amerikanische Konkurrenz zum jetzigen Stand nicht zu sehr fürchten.

          Der Verband der Automobilindustrie (VDA) pocht in der Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa seit längerem auf die Regeln des Freihandels. „Der Dialog mit den Vereinigten Staaten muss weiter auf höchster politischer Ebene geführt werden“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes am Montag. Sein Verband plädiere für „nachhaltige und verlässliche Vereinbarungen“, die den Vorgaben der Welthandelsorganisation WTO entsprechen. „Im Sinne eines fairen und freien Handels gilt es, gegenseitig Handelshürden abzubauen und neue Rahmenbedingungen zu vereinbaren“, sagte Mattes. Zwischen den Zeilen liest sich in solchen Sätzen durchaus die Bereitschaft, auch die Handelshürde namens „Zoll“ anzufassen.

          Das entspricht auch der Position, die die Autobranche im Konflikt um das Freihandelsabkommen TTIP vor rund drei Jahren eingenommen hatte. Damals warb der VDA vehement für die „Transatlantic Trade and Investment Partnership“. Der Verband startete die Kampagne „Ja zu TTIP“. Darin plädierten führende deutsche Branchenvertreter dafür, Zölle zwischen Europa und Amerika abzubauen. Der damalige BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer sagte, keine Seite müsse vor der anderen geschützt werden, das sei weder zeitgemäß noch sinnvoll. „Bei zwei Wirtschaftsregionen, die sich industriell auf Augenhöhe befinden und die zugleich immer stärker integriert sind, wirken Zölle wachstumshemmend“, führte Reithofer damals aus. „So zahlt allein die deutsche Automobilindustrie mehr als eine Milliarde Euro im Jahr. Dieses Geld könnten wir viel besser in neue Technologien investieren.“ Volkmar Denner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, sagte seinerzeit: „Wenn durch TTIP Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse wegfallen, wird der Weg frei für einen enormen Wachstumsschub.“

          Der Grund für solche Äußerungen liegt auch heute noch auf der Hand: Die deutschen Autohersteller exportieren aus ihren amerikanischen Werken mehr Autos, als sie in den Vereinigten Staaten verkaufen. Auch auf diese Exporte fallen die innerhalb der Welthandelsorganisation geltenden Zölle in Höhe von 10 Prozent an. „Für stark vernetzte und global aufgestellte Hersteller sind niedrige Zölle ein wichtiger Hebel, um Geld zu sparen“, sagt nun auch Branchenfachmann Bratzel.

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