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Handelsplatz : Verwirrung um Tokios größten Fischmarkt hat ein Ende

Fischauktion in Tokio Bild: dpa

Der traditionelle Tsukiji-Markt ist eine der größten Touristenattraktionen Tokios. Jetzt zieht er auf eine künstliche Insel um. Und das kurz vor den Olympischen Spielen.

          Der weltberühmte Tsukiji-Fischmarkt in Tokio zieht um, aber eigentlich auch wieder nicht. Nach fast einem Jahr Bedenkzeit hat Tokios Gouverneurin Yuriko Koike sich zu dieser Entscheidung durchgerungen. Danach soll der größte Fischmarkt der Welt in die fertigen Hallen auf der etwa zwei Kilometer entfernten künstlichen Insel Toyosu verlagert werden. Doch fünf Jahre später, nach den Olympischen Spielen 2020, soll das Gelände zu einem kulinarischen Themenpark entwickelt werden. Koike will so den Markennamen Tsukiji weiter wirtschaftlich nutzen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der 1935 gebaute Markt, unweit des Einkaufsviertels Ginza, ist eine der größten Touristenattraktionen Tokios. Beliebt ist die Thunfischauktion in den frühen Morgenstunden. Mehr als 1600 Tonnen Meeresfrüchte im Wert von etwa 1,6 Milliarden Yen (13 Millionen Euro) werden in Tsukiji am Tag gehandelt. Aber die Aussstattung ist veraltet und entspricht auch aus hygienischen Gründen nicht mehr den neuesten Anforderungen.

          Entwicklung zum High-Tech-Umschlagplatz

          Mit der Ankündigung Koikes ist die Zeit der Unsicherheit für Hunderte Groß- und Zwischenhändler noch lange nicht vorbei. Kaum ins Amt gewählt, verschob die Gouverneurin im Sommer 2016 den für November geplanten Umzug, weil der Untergrund in Toyosu trotz umfangreicher Reinigungsarbeiten immer noch mit Umweltgiften wie Benzol und Arsen verseucht ist. Dagegen soll es nun weitere Schutzmaßnahmen geben. Dabei ist umstritten, inwieweit von den Schadstoffen im Boden wirklich eine Gefahr für den Handel ausgeht. Wann umgezogen werden soll, bleibt vorerst unklar.

          Doch die Zeit drängt. Unter dem Tsukiji-Gelände soll vor den Olympischen Spielen ein Tunnel für eine neue Ringstraße gebaut werden. Der alte Tsukiji-Markt wird dafür abgerissen, das Gelände soll während der Olympischen Spiele unter anderem als Parkplatz und für Logistik genutzt werden. Unklar ist auch die Arbeitsteilung zwischen dem neuen Markt in Toyosu und dem neuen alten Tsukiji. Nach Koikes Aussage soll Toyosu mit weiteren Investitionen zu einem High-Tech-Umschlagplatz entwickelt werden, zugleich aber soll auch in Tsukiji gehandelt werden.

          Vorwurf an Gouverneurin

          Mit dem Kunstgriff, Tsukiji umzuziehen und als Themenpark zu erhalten, will die Gouverneurin die finanzielle Notlage des neuen Fischmarkts verbessern. Der Umzug nach Toyosu und der Umbau kosten rund 590 Milliarden Yen (5 Milliarden Euro) und werden zu einem großen Teil mit Schulden finanziert. Zugleich soll der Markt am neuen Standort ein jährliches Defizit von etwa 2 Billionen Yen (16 Millionen Euro) einfahren, heißt es. Diese Belastung will Koike ausmerzen, indem das alte und begehrte Tsukiji-Gelände von der Stadt nicht verkauft, sondern langfristig verpachtet und der Name Tsukiji weiter wirtschaftlich vermarktet wird.

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          Die Ankündigung Koikes kommt nicht zufällig wenige Tage vor dem offiziellen Beginn des Wahlkampfs für das Parlament der Metropole. Koike, die sich publikumswirksam von ihrer früheren politischen Heimat der regierenden Liberaldemokraten abgenabelt hat, werden Ambitionen nachgesagt, Ministerpräsident Shinzo Abe zu beerben. Dafür aber muss sie Anfang Juli mit ihrer neu gegründeten Partei in der Lokalwahl gewinnen. Die Liberaldemokraten in Tokio werfen ihr derweil vor, dass sie mit der Verzögerung des Umzugs teure Entschädigungszahlungen und laufende Kosten für den ungenutzten Toyosu-Markt verursacht.

          Auf dem Fischmarkt von Tokio : Das frischeste Sushi gibt’s um drei Uhr morgens

          Quelle: F.A.Z.

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