Neue Übernahmephantasien unter den großen Börsenbetreibern machen die Runde: Die Börsen aus London (LSE) und Singapur (SGX) verhandeln einer Zeitung zufolge über eine Fusion im Volumen von rund 9,2 Milliarden Euro. Dadurch würde der drittgrößte Handelsplatz auf der Welt entstehen. Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium, berichtete der britische „Daily Telegraph“. Die Chefs beider Firmen hätten sich aber schon mehrere Male zu informellen Gesprächen getroffen.
Welche Struktur eine mögliche Fusion haben könnte sei völlig unklar. Die Zeitung spekulierte, die SGX würde wohl die LSE aufgrund ihrer höheren Marktkapitalisierung übernehmen. Die SGX ist mit rund 4,4 Milliarden Pfund bewertet, die LSE mit 2,8 Milliarden. Die Zeitung zitierte Bankenkreise mit der Einschätzung, eine formale Offerte würde noch auf sich warten lassen. Marktgerüchten zufolge könne die Offerte um die Summe von 13,50 Pfund je LSE-Aktie liegen.
Die „Financial Times“ schreibt dagegen unter Berufung auf zwei mit der Situation vertraute Personen, dass es bei den Gesprächen der Börsen nicht um eine Fusion gehe. Beide Unternehmen prüften vielmehr eine engere Zusammenarbeit, etwa bei der Abwicklung von Termingeschäften. Erst in der vergangenen Woche hatten beide Börsenbetreiber vereinbart, dass die an einer Börse notierten Großunternehmen künftig auch an der jeweils anderen gehandelt werden können.
Die SGX wollte am Freitagmorgen inhaltlich nicht zu den Gerüchten Stellung nehmen. „Wir äußern uns nicht zu Spekulationen und Medienberichten“, sagte eine Sprecherin lediglich.
In einem Interview mit der „Financial Times“ vom Donnerstag betonte SGX-Chef Böcker, dass er nicht nur auf London fokussiert sei. Er brachte auch Kooperationen mit der New Yorker NYSE Euronext und der Deutschen Börse ins Spiel. Neue Fusionsversuche seien nicht auf seiner Agenda. Im vergangenen Jahr war SGX am Widerstand der australischen Behörden damit gescheitert, Australiens Börse ASX zu übernehmen.
Auf der ganzen Welt ist das Klima für Börsen-Zusammenschlüsse derzeit ohnehin schlecht. Die LSE versuchte vergeblich, sich mit dem kanadischen Börsenbetreiber TMX zusammenzuschließen. Die Deutsche Börse und die NYSE gaben ihre Fusionsbemühungen wegen der Vetos der EU-Kommission im Frühjahr auf.