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Handelsgespräche in der Doha-Runde Genfer Mikado

21.07.2008 ·  Gerade in den jetzigen ökonomischen Turbulenzen wäre ein Erfolg der Doha-Runde ein Lichtblick und ein willkommener Wachstumsimpuls, auch wenn dadurch weder die Ölpreise sinken noch Nahrungsmittel unverzüglich billiger werden dürften.

Von Konrad Mrusek
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Handelsgespräche in der Doha-Runde ähnelten bisher einem Mikado-Spiel: Wer zuerst wackelte, hatte verloren. Daher traute sich zuletzt kaum noch jemand, neue Offerten zur Marktöffnung auf den Tisch zu legen. Man kann nur hoffen, dass in dieser Woche in der Genfer Welthandelsorganisation (WTO) die Minister nicht wieder Mikado spielen. Amerika, die EU und die großen Schwellenländer Brasilien, China und Indien müssen sich bewegen, bessere Angebote zur Senkung von Zöllen und Subventionen machen, sonst erstarrt die Doha-Runde endgültig im verflixten siebten Jahr.

Viele hatten fast vergessen, dass es da noch ein Projekt zur weiteren Liberalisierung des Handels mit Gütern und Dienstleistungen gibt. Man wähnte die Doha-Runde am Ende, weil der Endspurt schon zweimal misslungen ist. Doch die Diplomaten ließen nicht locker, sie hantierten weiter herum an ihren Zoll-Formeln. Die Hartnäckigkeit von WTO-Direktor Pascal Lamy war nützlich: Gerade in den jetzigen ökonomischen Turbulenzen wäre ein Erfolg der Doha-Runde ein Lichtblick und ein willkommener Wachstumsimpuls, auch wenn dadurch weder die Ölpreise sinken noch Nahrungsmittel unverzüglich billiger werden dürften.

Erfolg? Wetten stehen fünfzig zu fünfzig

Doch indem multilaterale Handelsverträge den freien Austausch von Gütern und Diensten erleichtern, fördern sie die Konkurrenz. Davon profitieren die Verbraucher über ein besseres Angebot zu tendenziell sinkenden Preisen. Den Anbietern eröffnet der Marktzugang neue Wachstumsmöglichkeiten. In der weiteren Handelsliberalisierung liegen daher große Chancen auf mehr Wohlstand, während Protektion die Krise nur noch schlimmer macht.

Gibt es diesmal einen Erfolg in Genf? Die Wetten stehen fünfzig zu fünfzig; das ist nicht so schlecht angesichts der bisherigen Serie von Doha-Debakeln. Alle wollen den Erfolg, doch zum Kompromiss gehören Konzessionen. Und da ist man wieder beim Mikado: Deutschland und die EU verlangen, dass Schwellenländer die Märkte für Industriegüter weiter öffnen. Brasilien fordert dafür weniger Agrarsubventionen in Amerika und niedrigere EU-Zölle für Zucker, Rindfleisch und Milch. Bei den Prozentzahlen hat man sich ein Stück angenähert mit der jetzigen EU-Offerte. Doch erst wenn Bewegung nicht bestraft, sondern belohnt wird, könnte es einen Durchbruch geben. Dieser ist ohnehin erst in der zweiten Wochenhälfte zu erwarten – sofern die Minister nicht schon vorher im Streit abreisen. Doch diesen Affront wird man dieses Mal wohl nicht wagen. Es steht zu viel auf dem Spiel – für die Weltwirtschaft und die WTO.

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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