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Handel Verdi attackiert Discountketten

08.03.2004 ·  Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erhebt Vorwürfe gegen die Discountketten Lidl, Aldi-Süd und Schlecker. Bei den Arbeitsbedingungen und den Interessenvertretungen liege vieles im Argen.

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Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat schwere Vorwürfe gegen die Discountketten Schlecker, Aldi-Süd und Lidl erhoben. Gewerkschaftschef Frank Bsirske kritisierte am Montag in Frankfurt am Main scharf die schlechten Arbeitsbedingungen in tausenden von Filialen, massive Behinderungen bei der Betriebsratsbildung und den Druck, dem die Mitarbeiter vielerorts ausgesetzt seien. Insbesondere Frauen hätten unter hoher Belastung und niedriger Bezahlung zu leiden.

Laut Bsirske arbeiten bei den drei Discountern allein in Deutschland insgesamt rund 100.000 überwiegend weibliche Beschäftigte, die unter sich ähnelnden Geschäftsstrategien von Aldi-Süd, Lidl und Schlecker zu leiden hätten. In allen drei Ketten werde Druck auf die Mitarbeiter, insbesondere auf Kranken und Schwangere, ausgeübt, es bestehe ein hohes Entlassungsrisiko, und es herrsche ein Klima der Angst und Einschüchterung. Angesichts der Arbeitsbelastung sei darüber hinaus die Entlohnung unverhältnismäßig niedrig.

Möglichst keine Interessenvertretung

Hinzu komme, daß Tarifverträge und Arbeitnehmerschutzgesetze grob mißachtet würden, die Filialen unterbesetzt seien sowie Mehrarbeit oft nicht bezahlt werde. Bsirske warf den Unternehmen vor allem vor, in ihren Filialen „Unterdrückung von Interessenvertretung wie im 19. Jahrhundert“ zu betreiben. Betriebsräte würden bei Schlecker abgesehen von wenigen Ausnahmen lediglich auf Bezirksebene geduldet und Lidl lasse Betriebsräte überhaupt nicht zu.

Ähnlich verhalte sich die Geschäftsleitung von Aldi-Süd. Mitarbeiter, die Betriebsräte bilden wollten, drohe in allen drei Unternehmen die Entlassung und häufig seien sie Mobbing und Demütigungen ausgesetzt.

Schleckers wegen Lohndumpings verurteilt

Europas größter Drogist Schlecker (13.500 Filialen, etwa 6,6 Milliarden Euro Umsatz) sei beim Blockieren von Betriebsräten unerreicht, berichtet Verdi. Von 35.000 Beschäftigten in Deutschland sei nur etwa ein Drittel durch Betriebsräte vertreten. Mit dem Unternehmensgründer Anton Schlecker liegt die Gewerkschaft seit Jahren im Clinch.

Wegen Lohndumpings wurden Anton und Christa Schlecker vor fünf Jahren vom Stuttgarter Landgericht zu hohen Geldstrafen und Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Danach unterschrieb der Unternehmer zwar Tarifverträge, doch die Kritik seitens der Arbeitnehmer reißt nicht ab.

Der Verdi-Chef und Vorstandsmitglied Franziska Wiethold kündigten anläßlich des Internationalen Frauentages eine Kampagne gegen die Arbeitsbedingungen bei den drei Ketten an. Hauptziele sind die Bildung von Betriebsräten und die Durchsetzung von Mindeststandards. Damit will Verdi auch verhindern, daß durch Lohndumping immer größerer Druck auf die Personalkosten und damit die Arbeitsbedingungen im Handel insgesamt gemacht werde. Weder Lidl noch Schlecker und Aldi-Süd waren am Montag bereit, direkt auf die Vorwürfe zu reagieren.

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