Der Warenhauskonzern Karstadt-Quelle strebt die Mehrheit an Europas zweitgrößtem Reiseanbieter Thomas Cook an, um damit seine Bilanz aufzuhübschen.
Hintergrund der Pläne von Vorstandschef Thomas Middelhoff sei es, das Unternehmen in das eigene Zahlenwerk einzubinden. Damit könne Karstadt dann auf einen Schlag einen um rund fünf Milliarden Euro erhöhten Umsatz ausweisen. „Das würde die Grundkonstruktion der Bilanz völlig ändern und wäre ein weiterer Baustein hin zu einer besseren Performance“, sagte ein mit dem Vorhaben vertrauter Experte.
Hoffnung auf zweites Halbjahr
Gespräche auf formeller Ebene mit dem zweiten 50-Prozent-Eigner von Thomas Cook, der Lufthansa AG, sind noch nicht aufgenommen worden. Karstadt würde ein zusätzlicher Anteil von 0,1 Prozent genügen, um Thomas Cook in der eigenen Bilanz konsolidieren zu können.
Im Karstadt-Management gibt man sich optimistisch, daß das zweite Halbjahr traditionell besser ausfällt als das erste. Selbst eine Mehrwertsteuererhöhung einer neuen unionsgeführten Regierung sieht die Konzernführung mit einem lachenden Auge: „Das gibt nochmal eine ungeheure Sonderkonjunktur vor Weihnachten, bevor die Erhöhung dann vielleicht im Januar in Kraft tritt“, hieß es. Gerade für Karstadt wäre eine solche Entwicklung mehr als wichtig, auch wenn es sich vielleicht nur um einen kurzfristigen „Rausch“ handele.
Vorstandschef Middelhoff hatte vergangene Woche die erste Sanierungsphase des angeschlagenen Konzerns für beendet erklärt. 75 kleinere Karstadt-Warenhäuser sowie die Handelsketten Sinn-Leffers (Bekleidung) und Runners Point (Sport) wurden an Finanzinvestoren verkauft.