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Handel Sanktionen im Iran-Geschäft könnten Deutschland hart treffen

06.02.2006 ·  Neben China und Saudi-Arabien gehörte der Iran zu den wichtigsten Abnehmern des deutschen Großanlagenbaus. Der aktuelle politische Streit könnte die heimische Wirtschaft also schmerzlich treffen.

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Der politische Streit mit Iran könnte die deutsche Wirtschaft schmerzlich treffen, da Iran ein wichtiger Handelspartner geworden ist. Im vergangenen Jahr wuchs der deutsche Export nach Iran abermals mit einer hohen zweistelligen Rate auf mehr als vier Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2005 erreichte der Zuwachs 37 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode und das Exportvolumen 2,2 Milliarden Euro. Den Löwenanteil bestreiten die Lieferungen deutscher Großanlagenbauer: Neben China und Saudi-Arabien gehörte Iran zu den wichtigsten Abnehmern des deutschen Großanlagenbaus.

2005 sind nach ersten Schätzungen aus dem Großanlagenbau die Neuaufträge aus Iran zwar nicht weiter gestiegen. Denn aufgrund der Unsicherheit vor und nach der Präsidentenwahl im vergangenen Juni sind viele Entscheidungen für die Neuvergabe von Projekten aufgeschoben worden. Die Aufträge haben sich aber auf dem 2004 erreichten Rekordniveau von 1,5 Milliarden Euro stabilisiert. Mehrere deutsche Großanlagenbauer leben überwiegend von ihrem Iran-Geschäft.

Genügend Zeit, um Sanktionen zu verhindern

Einen abermaligen Zuwachs der deutschen Lieferungen nach Iran von deutlich mehr als 10 Prozent erwarten Unternehmen, die in Iran tätig sind, auch in diesem Jahr. Voraussetzung ist indessen, daß es zu keinen Sanktionen gegen Iran oder Irans kommt. Denn die iranischen Investitionen in petrochemische Anlagen sowie neue Kraft-, Stahl- und Zementwerke werden weitergehen. Ein Indiz dafür ist, daß in wichtigen Ministerien die Technokraten, die die Investitionen vorangetrieben haben, weiter Verantwortung tragen, wenn auch teilweise an neuer Stelle.

Nach Ansicht von Unternehmen ist mit einer Entscheidung über mögliche Sanktionen im Weltsicherheitsrat nicht vor dem kommenden Herbst zu rechnen. Daher bestehe genügend Zeit, Sanktionen zu verhindern. Daran sei auch Iran interessiert, da sonst der dringend benötigte Ausbau seiner Petrochemie und Gasverflüssigungsanlagen gefährdet sei.

Irans wichtigste Waffe ist das Öl

Andererseits hat der iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad am Wochenende verkündet, er wolle die Wirtschaftsbeziehungen zu einigen westlichen Staaten überprüfen. Als wichtigste Waffe Irans gilt das Öl. Iran exportiert jeden Tag 2,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl. Sollte ein Teil davon nicht auf den Weltmarkt gelangen, werde der Ölpreis, so die Erwartung von Ölanalysten, auf mehr als 80 Dollar je Barrel ansteigen.

China hat zwar mit Iran einen Vertrag zur Ausbeutung eines großen Ölfelds unterzeichnet, um sich damit langfristig die Versorgung mit iranischem Erdöl sicherzustellen. Sollte der Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen Iran beschließen, so müßten sich indessen auch China und Rußland aus dem Iran-Geschäft zurückziehen. Zudem könne China nicht die technologische Lücke schließen, die entstünde, müßten sich Unternehmen aus den westlichen Industriestaaten aus Iran zurückziehen. China verfüge zwar über die Technik, um Erdöl zu fördern, nicht aber über moderne Fördermethoden und auch nicht über die Technik für den Bau moderner Anlagen zur Weiterverarbeitung von Öl und Gas.

Zweitgrößte Gasreserven nach Rußland

Im deutschen Export nach Iran sind neben dem Anlagenbau die Maschinen - vor allem Werkzeug-, Textil- und Verpackungsmaschinen - die wichtigste Produktgruppe. Zudem spielen Bausätze für die iranische Automobilproduktion eine steigende Rolle. So produzieren Renault und Peugeot in Iran, seit dem vergangenen Jahr läuft in Bam auch ein brasilianisches Modell von Volkswagen vom Band. In den vergangenen Jahren hat Iran die Fertigung von Personenwagen auf 750.000 Stück im Jahr verdreifacht. Aufgrund der steigenden Verkehrsdichte muß Iran dringend in neue Raffinerien investieren. Denn jedes Jahr muß der Exporteur von Rohöl Kraftstoffe im Wert von 3 Milliarden bis 4 Milliarden Dollar einführen.

In den kommenden fünf Jahren will Iran in den Ausbau seiner Chemie und Petrochemie 12 Milliarden Dollar investieren. Im Vordergrund steht die Umwandlung von Gas in Flüssiggas. Iran besitzt 17 Prozent der Gasreserven und besitzt damit die zweitgrößten Reserven nach Rußland. Die Hälfte der Aufträge für die Großanlagenbauer entfällt daher auf Kraftwerke. Denn in Iran steigt der Stromverbrauch jedes Jahr um 9 Prozent. Die restlichen Großanlagen hatte Iran aus Deutschland für die Branchen Chemie und Gas, Zement, Gießerei und Stahl bestellt.

Quelle: F.A.Z., 07.02.2006, Nr. 32 / Seite 10
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