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Handel Kaufhof zu verkaufen

25.03.2008 ·  Der Handelsriese Metro hat Schwachstellen: Die Warenhauskette Real und der Kaufhof bereiten dem Konzern wenig Freude. Ein Sanierungsfall ist Metro aber nicht. Auf seinen Fundamenten lässt sich auch im Wandel gut aufbauen.

Von Brigitte Koch
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Für die Branche war es ein Paukenschlag, als Eckhard Cordes im Spätherbst das Ruder der Metro übernahm. Wohl jedem war klar, dass bei dem Düsseldorfer Handelsriesen nun größere Veränderungen anstünden. Denn wäre Hauptaktionär Haniel, dessen Vorstandsvorsitzender pikanterweise ebenfalls Eckhard Cordes ist, mit seinem größten Einzelengagement rundum zufrieden, hätte man alles beim Alten lassen können. Doch dann hätte der langjährige Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber nicht von jetzt auf gleich seinen Schreibtisch geräumt.

Spekulationen über eine mögliche Zerschlagung des Handelsriesen hat Cordes bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt vergangene Woche vehement zurückgewiesen. Vielfach wurde gemutmaßt, dass am Ende des Umbaus nur noch das wachstums- und ertragsstarke Cash-&-Carry-Geschäft der Metro übrig bleiben werde. Für den durch eine Fülle von kartellrechtlich oft zäh erkämpften Übernahmen und Fusionen breit aufgestellten Konzern wäre dies die Rückkehr zu den Wurzeln.

Keine Zerschlagung

So weit wird es wohl vorerst nicht kommen. Doch wird sich der Handelskonzern erheblich wandeln. Daran hat Cordes nach Ende der selbstauferlegten Schweigephase keinen Zweifel gelassen. Denn ihm geht es um mehr als die schon immer zum Alltagsprogramm des Metro-Vorstands gehörenden üblichen Strukturanpassungen und Portfoliomaßnahmen. Der Düsseldorfer Handelskonzern hat in der Vergangenheit stets zu den Treibern der Konsolidierungsprozesse im Handel gehört. Diese Rolle wird unter dem in Sachen Fusionen und Beteiligungen versierten ehemaligen Daimler-Manager Cordes womöglich wieder deutlich an Gewicht gewinnen.

Der Konzern hat Schwachstellen, aber er ist kein Sanierungsfall. Auf seinen Fundamenten lässt sich gut aufbauen. Die starken Säulen und die Wachstumstreiber für die Internationalisierung sind seit jeher das Großhandelsgeschäft von Metro Cash & Carry und die Elektronikfachketten Media Markt und Saturn, die die Kölner Warenhausgesellschaft seinerzeit in die Fusion von Metro, Asko und Kaufhof zur neuen Metro mitgebracht hat. Sie tragen rund drei Viertel des Konzernumsatzes und nahezu 90 Prozent des operativen Ergebnisses. Solche Zahlen sprechen fast für sich, wenn es um die künftige Ausrichtung geht.

Cordes will die Goldesel stärken

Weniger Freude bereiten die im Ausland erfolgreiche SB-Warenhauskette Real mit ihrer Großbaustelle Deutschland und der Kaufhof. Und hier haben die Haniels, die im vergangenen Sommer mit hohem finanziellen Einsatz die neuen Herren im Haus wurden und nun eine angemessene Verzinsung erwarten, auch den größten Handlungsbedarf gesehen. Dass Kaufhof als erste Beteiligung auf die Verkaufsliste gesetzt wird, überrascht nicht. Er hat zwar zuletzt seine Kapitalkosten verdient und gilt damit nicht mehr als Wertevernichter. Doch passen die Warenhäuser nicht mehr ins Konzerngefüge. Lediglich fünf Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften sie noch. Die Synergien mit den übrigen Geschäften sind gering. Das Geschäftsmodell ist nicht international, sondern vornehmlich auf Deutschland ausgerichtet. Wie schnell sich Cordes jedoch im Wege des von ihm angestrebten Komplettverkaufs trennen kann, steht bei anhaltender Kapitalmarktkrise dahin. Einschließlich der Immobilien wird die Tochtergesellschaft auf rund drei Milliarden Euro taxiert. Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, der den Kaufhof gern ins Boot für eine europäische Warenhausallianz holen würde, müsste sich mit sehr starken Finanzpartnern verbünden, um den Kaufpreis aufzubringen. Denn Cordes sucht keine Kooperation, er will Kapital, um die beiden Goldesel zu stärken. Dort winkt das höhere Wertsteigerungspotential.

Zwar passt die Lebensmittelsparte Real gut zum Portfolio. Sie vergrößert die Einkaufsmacht gegenüber den internationalen Konsumgüterkonzernen und bietet sich zudem an, um im Geleitzug mit den Cash-&-Carry-Märkten neue Länder zu erschließen. Doch verbrennt sie seit geraumer Zeit viel Geld. Nun gibt es die klare Ansage, dass die Schonfrist in zwei Jahren endet. Dann droht der Verkauf. Da die deutsche Einzelhandelskonjunktur nicht anspringen will, ist ein rascher Sanierungserfolg fraglich.

Knappe Mehrheit genügt

Bleibt noch die 75-Prozent-Beteiligung an den Elektronikfachmärkten. Zumindest ein Teilausstieg über einen Börsengang ist mittelfristig geplant. Die Gesellschaft soll sich eigene Finanzquellen erschließen, um international wachsen und zukaufen zu können. Das passt im Übrigen zur Portfoliostrategie der Haniel-Gruppe, die sich nicht nur bei Metro, sondern auch bei dem Pharmahändler Celesio mit einem nur knappen Mehrheitseinfluss begnügt.

Cordes sagt, er wolle nicht zerschlagen, um Werte zu schaffen. Seine neue Strategieabteilung soll sich vielmehr mit zusätzlichen Wachstumsregionen, alternativen Handelsformaten und Akquisitionen befassen. Man darf gespannt sein, ob und wie er das Konzerngebäude Metro mit neuen Inhalten füllt. Und man darf gespannt sein, für welchen Hut sich der Portfoliomanager im Falle größerer Okkasionen entscheiden wird: für den von Metro oder den von Haniel.

Quelle: F.A.Z., 25.03.2008, Nr. 70 / Seite 13
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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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