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Handel Kaufhof feiert und Karstadt zittert

27.09.2004 ·  Auch wenn jetzt offenbar Licht und Schatten eindeutig zuzuordnen sind, kennzeichnen langfristig doch eher Gemeinsamkeiten und wechselndes Geschäftsglück die beiden Unternehmen.

Von Georg Giersberg, Frankfurt
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40 000 Karstadt-Mitarbeiter warten mit Spannung auf die für heute angekündigte Mitteilung ihres Vorstandes. Harte Einschnitte sind angekündigt worden, von Entlassungen in großem Stil über die Schließung einzelner Häuser bis hin zum Verkauf ganzer Unternehmensbereiche. Die Mitarbeiter des Mitbewerbers Kaufhof feiern derzeit den 125. Geburtstag ihres Unternehmens und am morgigen Mittwoch die Eröffnung einer neuen Filiale im Frankfurter Nordwest-Zentrum. Also Karstadt der erfolglose und Kaufhof der erfolgreiche Warenhauskonzern? So einfach liegen die Dinge nicht. Auch wenn jetzt offenbar Licht und Schatten eindeutig zuzuordnen sind, kennzeichnen langfristig doch eher Gemeinsamkeiten und wechselndes Geschäftsglück die beiden Unternehmen.

Beide Warenhauskonzerne haben eine lange Tradition, die in das 19. Jahrhundert reicht. Der Kaufhof geht auf die Gründung eines ersten Ladenlokals in der Ostseestadt Stralsund durch Leonhard Tietz zurück. Der Schweriner Rudolph Karstadt gründet zwei Jahre später, also 1881, sein erstes Geschäft in Wismar. Das Geschäftsmotto, gegen Barzahlung niedrige Preise zu gewähren, setzte sich schnell durch. Die Warenhauskonzerne konnten bis nach dem Zweiten Weltkrieg stark expandieren. Gerade in Notzeiten war das Konzept "alles unter einem Dach" ebenso erfolgreich wie die Idee des Universalversandhauses, das zu Festpreisen jedermann belieferte.

Einkaufsstätten der Mütter und Tanten

Mit der Sättigung der Konsummärkte kamen beide Konzepte allerdings in Schwierigkeiten. Aber Karstadt konnte 1977 noch als Helfer in der Not für den strauchelnden Versender Neckermann auftreten. Karstadt galt damals als wirtschaftlich gesündester der vier Warenhauskonzerne Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten. An dieser Übernahme hat das Unternehmen lange zu knabbern gehabt - fast zwanzig Jahre.

Der Kaufhof wurde 1980 minderheitlich und 1986 mehrheitlich in einer kartellrechtlich nicht unumstrittenen Aktion von der Metro übernommen. Damit wurde ein junges Vertriebskonzept - die Metro eröffnete ihren ersten Cash & Carry-Markt 1964 - Mehrheitsgesellschafterin bei dem traditionsreichen Warenhauskonzern. Viele Schwierigkeiten waren damals bereits absehbar. Die Warenhäuser hatten wie die Versender ein verstaubtes Image, sie waren die Einkaufsstätten der Mütter und Tanten. Zudem zog es die Verbraucher mehr in die Einkaufszentren am Stadtrand mit bequemen Parkmöglichkeiten statt in die Innenstädte mit Parkverboten und Fußgängerzonen. Aber die im Zuge der deutschen Wiedervereinigung zurückgewonnen alten Standorte in den neuen Bundesländern überdeckten noch einmal die strukturellen Probleme.

Verschiedene Verkaufskonzepte

Aber Mitte der neunziger Jahre waren die Krisenzeichen unübersehbar. Mit Horten mußte der kleinste der vier Warenhauskonzerne als erster aufgeben. Weil Karstadt noch an der Neckermann-Übernahme arbeitete, kam Horten im Metro-Kaufhof-Konzern unter. Horten war zwar klein, aber der kleine Mitbewerber brachte mit dem Galeria-Kaufhaus ein Warenhauskonzept und mit Lovro Mandac und Wolfgang Kraus Manager mit, die noch heute das Bild des Kaufhofs prägen.

Der Kaufhof, der in den siebziger Jahren von Karstadt umsatzmäßig überholt worden war, konnte somit Anfang der neunziger Jahre nicht nur wieder zum Mitbewerber aufschließen, sondern mit einem neuen Konzept seinerseits in die Offensive gehen. Während Karstadt auf die drei Säulen Warenhaus, Versandhandel und Touristik (50 Prozent von Thomas Cook) setzte, gründete der Kaufhof eine Reihe von Fachmarktketten für Unterhaltungselektronik, Computer und Sportartikel. Und im Warenhaus präsentierte sich der Kaufhof als großes Fachgeschäft, während es Karstadt mit Shop-in-Shop-Modellen versuchte.

In diesem Jahr feiert der Kaufhof und leidet Karstadt

Das endgültige Erfolgsrezept hat dabei niemand gepachtet. Allein die Vielzahl der in den vergangenen zehn Jahren ausprobierten Modelle zeigt, wie unsicher man in Köln (Kaufhof) wie in Essen (Karstadt) war. Insgesamt hat der Kaufhof seine Hausaufgaben aber eher erledigt. Seit 1996 sind 42 Filialen mit insgesamt 12 000 Mitarbeitern geschlossen worden. Und der Kaufhof schließt auch in diesen Wochen drei Filialen des wieder gescheiterten Konzepts Emotions. Seit zehn Jahren arbeiten die Kölner konsequent an der Erhöhung der Effizienz. Der Umsatz je Mitarbeiter liegt daher im Kaufhof heute mit 186 500 Euro im Jahr um 32 000 Euro höher als bei Karstadt.

In Essen hat man auch nicht geschlafen. Man hat 1996 den schwächelnden Hertie-Konzern integriert und 2000 ein Zehn-Punkte-Wertsteigerungsprogramm aufgelegt. Man hat es aber an der notwendigen Konsequenz fehlen lassen. Daher hat Karstadt in den vergangenen Jahren stets schlechter abgeschnitten als der Kaufhof. Im vergangen Jahr büßte der Kaufhof 2,2 Prozent seines Umsatzes ein auf 3,8 Milliarden Euro, Karstadt fast 4 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro (einschließlich Tochtergesellschaften). Während auch der Kaufhof zwischen 2001 und 2003 einen empfindlichen Rückgang des Gewinns vor Steuern und Zinsen von 187 Millionen auf 94 Millionen Euro hinnehmen mußte, rutschte Karstadt mit 100 Millionen Euro in den Verlust. Und in diesem Jahr setzte sich der Trend fort: Karstadt verlor im ersten Halbjahr fast 6 Prozent Umsatz während der Kaufhof seinen Umsatzrückgang auf knapp 4 Prozent begrenzen konnte.

In diesem Jahr feiert der Kaufhof und leidet Karstadt. Wie groß die 125-Jahr-Feier von Karstadt in zwei Jahren ausfällt, hängt ganz entscheidend davon ab, wie die Maßnahmen wirken, die heute bekanntgegeben werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2004, Nr. 226 / Seite 24
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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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