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Handel "Geschäftsmodell Warenhaus überprüfen"

22.03.2004 ·  Der Chef des Karstadt-Quelle-Konzerns, Urban, stellt sich auf noch ein schwieriges Einzelhandelsjahr ein. „Wir können derzeit nicht mit steigenden Umsätzen rechnen.“ Deshalb soll manches anders werden.

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Wolfgang Urban, Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Quelle-Konzerns, stellt sich auf ein abermals schwieriges Einzelhandelsjahr ein. "Wir können derzeit nicht mit steigenden Umsätzen rechnen", läßt er gegenüber dieser Zeitung eine genauere Prognose aber noch offen. Im vergangenen Jahr hat der Konzern mit 15,3 Milliarden Euro Umsatz 3,4 Prozent eingebüßt. Die durch die hartnäckige Konsumzurückhaltung und die ausgeprägten Rabattschlachten verschärfte Handelsmisere zwinge jetzt zu raschem Handeln. "Wir müssen das Geschäftsmodell Warenhaus überprüfen und, wo notwendig, den Mut zu Veränderungen haben."

Die am 1. Januar 2005 beginnende Zusammenarbeit mit der Rewe-Gruppe bezeichnet er als einen Baustein, dem weitere folgen. Wie berichtet, wird das in 72 Filialen betriebene Lebensmittelgeschäft mit rund 3600 Mitarbeitern in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht. Die neue unter der Marke Karstadt geführte Gesellschaft, die schon im ersten Jahr profitabel arbeiten soll, wird mit einem Eigenkapital von 100 Millionen Euro ausgestattet. Dabei wird Karstadt-Quelle Sacheinlagen leisten und Rewe Geld mitbringen.

Schluß mit technischen Artikeln

Der Konzern wird sich zudem aus dem defizitären Geschäft mit technischen Artikeln zurückziehen, dabei aber keinen Partner aufnehmen, sondern die freiwerdenden Flächen mit ertragsstärkeren Sortimenten belegen. Mit der Abgabe des Lebensmittel- und des Technikgeschäftes werde sich der Konzern von mehr als 100 Millionen Euro Verlust trennen, erläutert Urban. Nach den Zukunftsplänen des Vorstandes soll bis 2007 nahezu die Hälfte der derzeitigen Verkaufsfläche von 2,1 Millionen Quadratmetern überarbeitet und einer neuen Nutzungsform zugeführt werden. Die daraus resultierenden Ergebnisverbesserungen werden auf mehrere hundert Millionen Euro veranschlagt. Karstadt wird sich dabei künftig mehr auf die Bereiche Mode, Sport, Kosmetik und Schmuck (Personality) sowie Wohnen (Living) konzentrieren und dabei verstärkt Partnerschaften eingehen.

So sind neue Shop-Konzepte in der Planung: Unter der Eigenmarke Yorn Casa will man in den Warenhäusern auf gesonderten Flächen von rund 500 Quadratmetern das Thema Wohnen präsentieren. Auch im Bereich der jungen Mode ist ein Eigenmarkenkonzept auf gesonderten Flächen spruchreif. Dabei wird Karstadt dem Vernehmen nach mit dem Modehersteller S. Oliver kooperieren. Bis zu 20 Prozent von Fläche und Umsatz sollen mittelfristig an Konzessionäre abgegeben werden. Das sind Händler und Markenhersteller, die für die Ware und Mitarbeiter selbst verantwortlich zeichnen und dafür ein Entgelt an Karstadt leisten. Derzeit macht der Anteil der Konzessionäre gerade einmal 2 Prozent aus. "Ziel ist, die Kapitalbindung und damit das Lagerbestandsrisiko spürbar zu senken und die Flexibilität zu erhöhen", erläutert Urban.

Weiterer Personalabbau nicht ausgeschlossen

Er räumt ein, daß die anstehenden Veränderungen große Herausforderungen für die Mitarbeiter bedeuten, vor allem, wenn sie - wie jetzt bei der Kooperation mit Rewe - in neue Gesellschaften überwechseln müssen. Das Thema Kostensenkung werde weiterhin auf der Agenda stehen müssen, und zwar vor allem in den administrativen Bereichen. Dort werden weitere Personaleinsparungen nicht ausgeschlossen. Ein Stellenabbau im Verkauf ist nach den Worten von Urban, der jetzt gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen einem persönlichen Gehaltsverzicht zugestimmt hat, zur Zeit nicht geplant. Es wird aber mit den Sozialpartnern ein Beschäftigungssicherungsabkommen für die im Verkauf Beschäftigten ausgehandelt, das Einsparungen bei Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld vorsieht (F.A.Z. vom 5. Februar). Bis Ostern soll das Konzept stehen. Schließungsprogramme für unrentable Häuser bestehen nach Urbans Angaben nicht. Das bedeute aber nicht, daß die ein oder andere Filiale anderweitig genutzt werden könnte. "Rund 90 Prozent unserer Häuser sind rentabel, wenn auch nicht rentabel genug", stellt Urban in diesem Zusammenhang fest.

Hoffnung auf besseres Ergebnis

Die massiven Einsparungs- und Effizienzsteigerungsprogramme, die nach Urbans Angaben im Zeitraum 2000 bis 2003 zu einer Verbesserung der Kostenstrukturen um rund 500 Millionen Euro verholfen haben, lassen ihn auf eine deutliche Ergebniserholung im laufenden Geschäftsjahr hoffen. Das setzt aber voraus, daß die Konjunktur nicht wieder einbricht. Auch dürfe der Handel nicht nochmals in dem Maße Rabattschlachten schlagen wie 2003, meint Urban. Sondererträge hält er auch im laufenden Jahr für denkbar, so beispielsweise aus Desinvestitionen, zu denen er sich aber nicht näher äußern möchte.

Im Berichtsjahr ist der von Sondererträgen geprägte Konzernüberschuß auf 108 (Vorjahr: 162) Millionen Euro zurückgefallen. Der stationäre Handel (einschließlich der Immobilien) und der Versandhandel haben nach Urbans Worten positiv abgeschlossen. Der Verlust der Reisetochtergesellschaft Thomas Cook belastet das Konzernergebnis mit durchgerechnet 78 (Vorjahr: 22) Millionen Euro.

Quelle: B.K., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2004, Nr. 69 / Seite 15
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