Home
http://www.faz.net/-gqe-6kjpg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hahn und Weeze müssen bangen Regionalflughäfen hängen an Ryanair

 ·  Ryanair will künftig größere Flughäfen anfliegen. Wenn der Billigflieger Ernst macht mit seiner neuen Strategie, wäre das Geschäftsmodell der Regionalflughäfen im rheinland-pfälzischen Hahn und Weeze in Nordrhein-Westfalen hart getroffen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Noch reagieren die Verantwortlichen aber gelassen auf die Neuorientierung der Ryanair-Flotte hin zu zentralen Großflughäfen.

Auf dem Flughafen Hahn, mitten im strukturschwachen Hunsrück gelegen, sorgt der irische Billigflieger für 95 Prozent des Passagieraufkommens. Hahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety geht davon aus, dass sein Flughafen von den Plänen kaum betroffen ist. Gerade nach Einführung der Flugsteuer wäre ein Wechsel hin zu teuren Großflughäfen wenige sinnvoll für Ryanair, sagt er. Hahn sei überdies als zehntgrößter Flughafen in Deutschland kein kleiner Flughafen mehr. O'Leary hatte schon nach Bekanntgabe der Pläne für eine bundesweite Flugsteuer im Juni mit einem Abzug von Flugzeugen aus Deutschland gedroht. Wenn alle Passagierflüge wie vorgesehen mit 8 bis 45 Euro belastet werden, würde das die Billigflieger in der Tat besonders treffen. "Es würde nicht nur kein Wachstum mehr geben, es gäbe einen tatsächlichen Rückgang von Ryanair-Verkehr in Deutschland", sagte O'Leary in Mainz. Noch im Frühjahr hatte er gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Finanzminister Hendrik Hering (SPD) Ausbaupläne für eine Wartungshalle präsentiert und dabei die Zukunft von Hahn rosig gezeichnet.

Ryanair bestimmt maßgeblich die Geschicke des Flughafens. Als die Betreibergesellschaft 2009 zur Finanzierung des weiteren Ausbaus 3 Euro Gebühr ("Hahn-Taler") von jedem Passagier erheben wollte, brachte O'Leary die Pläne zu Fall. Während Ryanair noch hochprofitabel arbeitet, machte Hahn 2009 nach 19 Millionen Euro im Vorjahr abermals 12,7 Millionen Verlust.

Das Land Rheinland-Pfalz ist mit 82,5 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, seitdem sich der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wegen der dauerhaften Verluste zurückgezogen hat. Die übrigen Anteile hält das Land Hessen. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums sind bislang deutlich mehr als 100 Millionen Euro in den Ausbau des Flughafens und der Infrastruktur geflossen. Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs hatte das Land den Flughafen Anfang der neunziger Jahre umgewidmet. Wiewohl 100 Kilometer vom Flugzentrum Frankfurt entfernt, firmiert der Flugplatz heute unter Frankfurt/Hahn. Nach anfänglich rasantem Wachstum waren die Passagierzahlen 2008 zum ersten Mal rückläufig und stagnieren seither bei knapp 4 Millionen im Jahr. Das Frachtgeschäft wächst zwar rasant, ist aber klein - im ersten Halbjahr 2010 wurden 67000 Tonnen Fracht umgeschlagen. Für den strukturschwachen Hunsrück ist der Flugplatz der mit Abstand größte Arbeitgeber: Allein in einem engeren Umkreis von fünf Kilometern habe sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze seit 1999 auf 3200 verdoppelt.

Auch der Regionalflughafen Niederrhein Weeze steht und fällt mit Ryanair. Von den 66 Starts und Landungen, die an diesem Samstag auf den Flugplan stehen, entfallen nur vier auf Maschinen der Wizz Air. Der Rest sind Flüge der Ryanair, die in Weeze sieben Maschinen stationiert hat. Der britische Billigflieger steuert vom Niederrhein 60 Ziele in Europa an. Die übrigen Fluggesellschaften Hamburg International, Wizz, Sky, Transavia und XL Airways kommen zusammen gerade auf gut 30 Flugziele. Von den 2,4 Millionen Passagieren 2009 waren mehr als 2 Millionen Ryanair-Fluggäste. In diesem Jahr zeichnen sich 2,8 Millionen Fluggäste ab, davon jeder zweite aus Holland.

Im Sommer kochte Ludger van Bebber, der Alleingeschäftsführer des drittgrößten Flughafens in Nordrhein-Westfalen angesichts der Ankündigung der Flugticket-Steuer. "Wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich eine Steuer vom Himmel fallen und unsere Businesspläne für die kommenden Jahre einfach über den Haufen werfen kann" schimpfte er in einem Interview. Aber der vom Ryanair-Chef angekündigte Strategiewechsel lässt die Verantwortlichen kalt. Schon jetzt nutze der britische Partner doch bei seinen Zielorten bereits eine Mischung aus großen Verkehrsflughäfen und Regionalplätzen, erklärte der Marketingchef Holger Terhorst. Weeze biete in der Mitte zwischen den Wirtschaftszentren Amsterdam und Ruhrgebiet ein starkes Einzugsgebiet. Bisher habe es von Ryanair keinerlei Hinweise gegeben, dass Flüge zu anderen Flughäfen verlegt werden sollen, versicherte Terhorst.

Ryanair bezeichnet den Regionalflughafen sehr zum Ärger von Airport International in der Landeshauptstadt als Düsseldorf-Weeze. An dem mehr als 70 Kilometer entfernten Düsseldorfer Flughafen rechnet man jetzt nicht mit Zuwachs. Es habe bisher keine Anfragen nach Flugbewegungen in Düsseldorf gegeben, sagte Flughafen-Sprecher Christian Hinkel. Er halte das auch nicht für sehr wahrscheinlich, so lange Ryanair nicht bereits sei, die üblichen Startgebühren zu zahlen.

Noch reagieren die Verantwortlichen aber gelassen auf die Neuorientierung der Ryanair-Flotte hin zu zentralen Großflughäfen.

Auf dem Flughafen Hahn, mitten im strukturschwachen Hunsrück gelegen, sorgt der irische Billigflieger für 95 Prozent des Passagieraufkommens. Hahn-Geschäftsführer Wolfgang Pollety geht davon aus, dass sein Flughafen von den Plänen kaum betroffen ist. Gerade nach Einführung der Flugsteuer wäre ein Wechsel hin zu teuren Großflughäfen wenige sinnvoll für Ryanair, sagt er. Hahn sei überdies als zehntgrößter Flughafen in Deutschland kein kleiner Flughafen mehr. O'Leary hatte schon nach Bekanntgabe der Pläne für eine bundesweite Flugsteuer im Juni mit einem Abzug von Flugzeugen aus Deutschland gedroht. Wenn alle Passagierflüge wie vorgesehen mit 8 bis 45 Euro belastet werden, würde das die Billigflieger in der Tat besonders treffen. "Es würde nicht nur kein Wachstum mehr geben, es gäbe einen tatsächlichen Rückgang von Ryanair-Verkehr in Deutschland", sagte O'Leary in Mainz. Noch im Frühjahr hatte er gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Finanzminister Hendrik Hering (SPD) Ausbaupläne für eine Wartungshalle präsentiert und dabei die Zukunft von Hahn rosig gezeichnet.

Ryanair bestimmt maßgeblich die Geschicke des Flughafens. Als die Betreibergesellschaft 2009 zur Finanzierung des weiteren Ausbaus 3 Euro Gebühr ("Hahn-Taler") von jedem Passagier erheben wollte, brachte O'Leary die Pläne zu Fall. Während Ryanair noch hochprofitabel arbeitet, machte Hahn 2009 nach 19 Millionen Euro im Vorjahr abermals 12,7 Millionen Verlust.

Das Land Rheinland-Pfalz ist mit 82,5 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, seitdem sich der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wegen der dauerhaften Verluste zurückgezogen hat. Die übrigen Anteile hält das Land Hessen. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums sind bislang deutlich mehr als 100 Millionen Euro in den Ausbau des Flughafens und der Infrastruktur geflossen. Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs hatte das Land den Flughafen Anfang der neunziger Jahre umgewidmet. Wiewohl 100 Kilometer vom Flugzentrum Frankfurt entfernt, firmiert der Flugplatz heute unter Frankfurt/Hahn. Nach anfänglich rasantem Wachstum waren die Passagierzahlen 2008 zum ersten Mal rückläufig und stagnieren seither bei knapp 4 Millionen im Jahr. Das Frachtgeschäft wächst zwar rasant, ist aber klein - im ersten Halbjahr 2010 wurden 67000 Tonnen Fracht umgeschlagen. Für den strukturschwachen Hunsrück ist der Flugplatz der mit Abstand größte Arbeitgeber: Allein in einem engeren Umkreis von fünf Kilometern habe sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze seit 1999 auf 3200 verdoppelt.

Auch der Regionalflughafen Niederrhein Weeze steht und fällt mit Ryanair. Von den 66 Starts und Landungen, die an diesem Samstag auf den Flugplan stehen, entfallen nur vier auf Maschinen der Wizz Air. Der Rest sind Flüge der Ryanair, die in Weeze sieben Maschinen stationiert hat. Der britische Billigflieger steuert vom Niederrhein 60 Ziele in Europa an. Die übrigen Fluggesellschaften Hamburg International, Wizz, Sky, Transavia und XL Airways kommen zusammen gerade auf gut 30 Flugziele. Von den 2,4 Millionen Passagieren 2009 waren mehr als 2 Millionen Ryanair-Fluggäste. In diesem Jahr zeichnen sich 2,8 Millionen Fluggäste ab, davon jeder zweite aus Holland.

Im Sommer kochte Ludger van Bebber, der Alleingeschäftsführer des drittgrößten Flughafens in Nordrhein-Westfalen angesichts der Ankündigung der Flugticket-Steuer. "Wo kommen wir denn hin, wenn plötzlich eine Steuer vom Himmel fallen und unsere Businesspläne für die kommenden Jahre einfach über den Haufen werfen kann" schimpfte er in einem Interview. Aber der vom Ryanair-Chef angekündigte Strategiewechsel lässt die Verantwortlichen kalt. Schon jetzt nutze der britische Partner doch bei seinen Zielorten bereits eine Mischung aus großen Verkehrsflughäfen und Regionalplätzen, erklärte der Marketingchef Holger Terhorst. Weeze biete in der Mitte zwischen den Wirtschaftszentren Amsterdam und Ruhrgebiet ein starkes Einzugsgebiet. Bisher habe es von Ryanair keinerlei Hinweise gegeben, dass Flüge zu anderen Flughäfen verlegt werden sollen, versicherte Terhorst.

Ryanair bezeichnet den Regionalflughafen sehr zum Ärger von Airport International in der Landeshauptstadt als Düsseldorf-Weeze. An dem mehr als 70 Kilometer entfernten Düsseldorfer Flughafen rechnet man jetzt nicht mit Zuwachs. Es habe bisher keine Anfragen nach Flugbewegungen in Düsseldorf gegeben, sagte Flughafen-Sprecher Christian Hinkel. Er halte das auch nicht für sehr wahrscheinlich, so lange Ryanair nicht bereits sei, die üblichen Startgebühren zu zahlen.

Quelle: St./tag./F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wie die Jugend Arbeit findet

Von Dietrich Creutzburg

Projekte zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die sich vor allem über Milliardenbeträge und schöne Begriffe definieren, nähren schnell falsche Hoffnungen. Die Bundesarbeitsministerin weiß das - hoffentlich. Mehr 2 4

Umfrage

Gentests machen Aussagen über das Risiko künftiger Krankheiten. Wollen Sie Ihr Risiko kennen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --
Umfrage

Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.