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Breitbandanschluss : Schnelles Internet im Schneckentempo

Der Ausbau des schnellen Internets geht in Deutschland nur langsam voran. Bild: ZB

Deutschland präsentiert sich im digitalen Zeitalter als Schlusslicht. Nicht einmal jedes zweite Unternehmen hat einen Breitbandanschluss. Selbst Portugal ist besser.

          In Deutschland geht der Ausbau des schnellen Internets weiter nur langsam voran. Nicht einmal jedes zweite Unternehmen (42 Prozent) mit mindestens zehn Mitarbeitern verfügte im vergangenen Jahr über einen solchen Anschluss, hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Deutschland bewegt sich damit nur knapp oberhalb des europäischen Durchschnitts. In Dänemark haben dagegen 73 Prozent der Unternehmen schnelles Internet, selbst im einstigen Krisenland Portugal sind es 58 Prozent. Unter schnellem Internet verstehen die Statistiker dabei einen Breitbandanschluss mit einer Datenübertragungsrate von mindestens 30 Megabit je Sekunde.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Die am Freitag veröffentlichten Zahlen zeigen auch, dass andere Länder stärker aufholen als Deutschland. Während hierzulande der Anteil der Unternehmen mit schnellem Internet von 2016 auf 2017 nur um vier Prozentpunkte zulegte, ging es im europäischen Durchschnitt um immerhin sechs Prozentpunkte nach oben.

          Diese Befunde dürften all jene bestärken, die schon seit längerem davor warnen, dass Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas sich durch das langsame Internet gerade selbst ausbremst. Vor allem Mittelständler in ländlichen Regionen fühlen sich in ihrer Arbeit mittlerweile erheblich behindert. Denn die Datenmengen in den Betrieben wachsen, auch weil immer mehr Maschinen miteinander vernetzt sind. Wenn aber die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Kunde stockt, ist all der technische Fortschritt schnell wieder dahin.

          Schnelles Internet nur auf dem Papier

          Und noch in einer anderen Hinsicht ist schnelles Internet immens wichtig, wie Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbands der Industrie, kürzlich erzählte: Auch Bewerber achteten heute ganz genau darauf, wie schnell das Internet am möglichen neuen Wohnort ist. Falls Streaming-Dienste wie Netflix und Spotify dort nicht oder nur ruckelig laufen würden, sei das häufig ein K.-o.-Kriterium. Einige Kommunen werden deshalb schon selbst aktiv. Der Landkreis Schwarzwald-Baar etwa ist gerade dabei, sich ein eigenes Glasfasernetz zu bauen, um Betriebe und Menschen vor Ort zu halten.

          Man mag es kaum glauben: Schon seit den achtziger Jahren diskutiert die deutsche Politik darüber, flächendeckend Glasfasernetze zu verlegen. Diese zeichnen sich durch Übertragungsraten von bis zu 300 Megabit je Sekunde aus. Doch nicht zuletzt wegen unterschiedlicher Interessen von Politik und Deutscher Telekom ist daraus bisher allenfalls ein Flickenteppich geworden. In ihrem Sondierungspapier versprechen Union und SPD jetzt: „Wir wollen den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis zum Jahr 2025 erreichen.“ Damit sind Surfgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Megabit je Sekunde gemeint.

          Doch es gibt noch eine weitere Schwierigkeit: Selbst wer heute schon auf dem Papier über schnelles Internet verfügt, spürt davon in der Praxis mitunter wenig. Erst vor wenigen Tagen sorgte die Bundesnetzagentur für Schlagzeilen, weil beinahe drei von zehn Nutzern (28,4 Prozent) mit einer Datenübertragungsrate unterwegs sind, die nicht einmal der Hälfte der versprochenen Höchstgeschwindigkeit entspricht.

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