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Guillaume de Posch RTL holt ehemaligen Rivalen an Bord

Guillaume de Posch war früher Chef von ProSiebenSat1. Jetzt hat ihn RTL in den Vorstand berufen.

© RTL Ein Belgier in Luxemburg: Guillaume de Posch geht zu RTL

Europas größte private Fernsehsendergruppe RTL holt sich einen ehemals großen Rivalen in den Vorstand. Guillaume de Posch, der von 2004 bis 2008 Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat.1 war, wird Anfang Januar 2012 „Chief Operating Officer“ (COO) der RTL Group in Luxemburg. Pro Sieben Sat.1 ist neben den öffentlich-rechtlichen Sendern der mit Abstand größte Wettbewerber von RTL in Deutschland.

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Der 53 Jahre alte Belgier, der seine Karriere einst bei der Unternehmensberatung McKinsey begann, hat zuletzt von Brüssel aus als freier Berater im Mediengeschäft gearbeitet. Nun wechselt er auf Wunsch von Gerhard Zeiler nach Luxemburg. Der RTL-Chef und de Posch kennen und verstehen einander gut, heißt es in der Branche. Zeiler will die Arbeitslast mit der Schaffung eines neuen Vorstandsressorts auf mehr Schultern verteilen. Der 56 Jahre alte Österreicher ist Herr über 41 Fernsehsender sowie 34 Radiostationen in zehn Ländern und verhandelt allerorten über Akquisitionen. Da bei Übernahmen im Mediengeschäft fast immer auch die Politik mitredet, braucht es dazu viel Zeit und Geduld.

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Nun gibt Zeiler die Verantwortung für die Unternehmensstrategie und -entwicklung sowie für das Rundfunkgeschäft in den Niederlanden und Belgien sowie das Radiogeschäft in Frankreich an de Posch ab. Zeiler bleibt unter anderem zuständig für die beiden größten Märkte Deutschland und Frankreich sowie die Filmproduktionsgesellschaft Fremantle Media. Im nunmehr vierköpfigen Führungsgremium von RTL bleibt Andreas Rudas verantwortlich für das Geschäft in Osteuropa und Asien. Elmar Heggen kümmert sich weiterhin um die Finanzen.

Zeilers Vertrag bei RTL läuft noch bis Ende 2015. Als große Favoritin für seine Nachfolge gilt Anke Schäferkordt, die von Köln aus erfolgreich das Deutschland-Geschäft von RTL führt. Schäferkordt hat innerhalb des RTL-Mutterkonzerns Bertelsmann zusätzlich an Ansehen gewonnen, seit der designierte Konzernchef Thomas Rabe sie in das Group Management Committee holte - ein Gremium, das ausgewählten Managern mehr Mitsprache bei strategischen Entscheidungen einräumt. Sollte sich de Posch in den nächsten Jahren gut schlagen, könnte freilich auch er in den Kreis der Nachfolgekandidaten Zeilers rücken.

De Posch hatte einige recht erfolgreiche Jahre bei Pro Sieben Sat.1. Er war damals mit dem amerikanischen Investor Haim Saban nach Unterföhring gekommen und begann auf der Position des COO, bevor er schon 2004 Urs Rohner an der Konzernspitze ablöste. Bei seinem Abschied vier Jahre später hinterließ er jedoch eine horrende Verschuldung. Denn er musste 2007 auf Geheiß der Großaktionäre KKR und Permira die skandinavische Sendergruppe SBS für 3,3 Milliarden Euro übernehmen - ein stolzer Kaufpreis, der sicher auch dem Umstand geschuldet war, dass SBS ebendiesen Finanzinvestoren KKR und Permira gehörte. Als wenig später die Wirtschafts- und Finanzkrise die Werbemärkte einbrechen ließ, stürzte der Aktienkurs von Pro Sieben Sat. 1 ab. Der Konzern wurde zum Sanierungsfall.

Das war dann keine Aufgabe mehr für den kreativen de Posch, der immer neue Ideen hatte, aber nicht die Renditeerwartungen der Finanzinvestoren erfüllen konnte. De Posch wusste das nur zu gut selbst. So kündigte er schon im Sommer seinen Rückzug zum Jahresende 2008 an. Während KKR und Permira lange mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger beschäftigt waren und ihn dann in dem Pharmamanager Thomas Ebeling auch fanden, zog es den Belgier mit seiner Familie wieder in die alte Heimat. Er kaufte ein großes Haus, seine Kinder gehen in Brüssel zur Schule. Es wurde ruhig um ihn.

Ein neues Mandat nahm de Posch vor zwei Jahren im Aufsichtsrat des Bezahlsenders Sky an. Ansonsten beschränkte er sich darauf, die Antenna Group der griechischen Familiendynastie Kyriakou zu beraten. Beide Engagements füllten den Manager freilich nicht aus. Der neue Vorstandsposten bei RTL in Luxemburg kommt de Posch nun auch privat gelegen. Und womöglich setzt er als COO abermals zum Sprung auf den Chefsessel an.

Quelle: F.A.Z.

 
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