21.07.2010 · Bei Temperaturen über 30 Grad brauchen Balkonpflanzen, Beet, Hecken und Rasen jede Menge Wasser. Das kostet Zeit und Geld. An beidem kann man sparen: Mit guten Geräten, einer zweiten Wasseruhr, Regenwasser - und dem richtigen Timing.
Von Carola SonnetIn den Städten sind die Rasenflächen inzwischen eher braun-vertrocknet als grün-saftig. In den Gärten knicken die Pflanzen bei 36 Grad im Schatten ein und erheben sich erst wieder, wenn sie etwas zu trinken bekommen. Wer einen Garten hat, steht jetzt nach der Arbeit erst mal ein bis zwei Stunden an Schlauch und Gießkanne (siehe Günstig gießen: Tipps für Balkon, Beet und Rasen).
Doch das muss nicht sein: Mit der richtigen Gießtechnik oder guten Geräten kann man sich diese zwei Stunden auch auf den Liegestuhl in die Abendsonne legen - oder selbst schwimmen gehen.
Das Wichtigste ist, die richtige Uhrzeit zu erwischen. Das Schlimmste wäre, in der Mittagshitze zu wässern, denn dann verdampft ein Großteil des Wassers, bevor es bei den Wurzeln ankommt - auch wenn es so aussieht, als könnten die Pflanzen in der größten Hitze das meiste Wasser gebrauchen. Tropfen, die auf den Blättern oder Grashalmen hängen bleiben, wirken wir Miniatur-Lupen, die den Sonnenstrahl noch verstärken und die Pflanzen verbrennen. Eine Studie der Uni Hohenheim hat ergeben, dass bis zu 90 Prozent des Wassers, das man mittags gießt, verschwendet ist.
Bewässerungscomputer und Wasseruhr
Also: Entweder morgens vor der Arbeit gießen oder spätabends. Auch zwischen 18 und 20 Uhr, wenn viele nach Hause kommen und noch alles bewässern, weil es so vertrocknet aussieht, tut man den Pflanzen damit nicht den größten Gefallen, denn der Boden ist dann noch sehr warm. Die beste Zeit zum Gießen ist tatsächlich nachts zwischen drei und vier Uhr. Dann ist die Erde am kühlsten, außerdem hat sich noch Tau gebildet, man braucht also weniger Wasser, bis die Wurzeln feucht genug sind. Hier verdunsten maximal zehn Prozent des Wassers. Wer den Fehler macht, zu gießen, bevor der Boden überhaupt kalt wird, riskiert, dass der Boden durchfeuchtet und Schnecken anlockt.
Doch weil niemand nachts aufstehen will, nur damit es den Pflanzen gutgeht und man möglichst viel Wasser sparen kann, wurden Bewässerungscomputer erfunden. Die lassen sich direkt an den Wasserhahn anschließen, individuelle Programme verteilen das Wasser zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Computer kosten zwar zwischen 60 und 150 Euro - je nachdem, ob sie mit Batterien oder Solarstrom laufen - aber können sich bei großen Gärten schnell rechnen, weil man so viel Wasser spart. Es können auch verschiedene Automaten für einzelne Wasserkreisläufe angeschlossen werden, einer für den Rasen, einer für die Beete und einer für die Blumenkästen.
Eine Möglichkeit, um Wassergeld zu sparen, ist eine zweite Wasseruhr. Viele gießen ihre Pflanzen mit Trinkwasser aus dem Hahn. Die Wasserpreise steigen seit Jahren. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Durchschnitt etwa 150 Kubikmeter Wasser im Jahr. Der Wasserpreis für Haushalte im Jahr 2009 lag bei 1,88 Euro pro Kubikmeter. Der Durchschnittshaushalt bezahlt damit 282 Euro für Wasser im Jahr.
Wer mit Trinkwasser gießt, zahlt aber auch noch den Abwasserpreis für jeden Liter, der aus der Leitung fließt. Das muss nicht sein. In vielen Gemeinden kann man sich eine zweite Wasseruhr an den Hahn installieren lassen, aus dem das Gartenwasser kommt. Das empfiehlt Jürgen Herrmannsdörfer, der Vorsitzende des Bundesverbandes der Einzelhandelsgärtner - so lassen sich teilweise bis zu 50 Prozent der Wasserkosten fürs Gießen sparen. Einfach, weil es im Garten versickert und nicht durch die Rohre fließen muss.
Regentonne und Tropfsysteme
Wer ganz auf das Wasser aus dem Hahn verzichten will, kann gesammeltes Regenwasser nutzen. Eine Regentonne lohnt sich schon für eine kleine Rasenfläche unter 50 Quadratmetern, um teures Hauswasser zu sparen. Für das größere Grundstück kann der Einbau einer Zisterne sinnvoll sein, in der sich der Regen unterirdisch sammelt. Allerdings sollte man hier an der Größe nicht sparen. Eine 1000-Liter-Zisterne reicht nicht weit, wenn ein 100 Quadratmeter großer Rasen in sengender Hitze jeden Tag zwischen 500 und 700 Liter Wasser braucht. Es gibt aber auch Zisternen, die 10.000 Liter fassen. Dann steigt natürlich der Aufwand beim Einbau. Für zehn Quadratmeter Rasen sollte man jeweils einen Kubikmeter Fassungsvermögen der Zisterne berechnen, empfiehlt Experte Herrmannsdörfer. Ein Kubikmeter entspricht 1000 Litern. Ein weiterer Vorteil, den Regentonne oder Zisterne gegenüber dem Leitungswasser haben, ist, dass weniger Kalk in die Erde kommt.
Am wassersparendsten und damit auch für Besitzer großer Regentonnen geeignet sind Tropfsysteme für Beete, Hecken und Blumenkästen. Damit macht man sich die Erfahrungen aus Ländern der globalen Dürrezonen zunutze, wo Wasser oft knapp ist. Die Schläuche liegen oberirdisch oder unterirdisch, aus kleinen Löchern im Schlauch oder Mini-Ventilen an den Wurzeln fließt Tropfen für Tropfen das Wasser. Für ein ausgeklügeltes Tropfsystem braucht man viel weniger Wasser als für die normalen Wasserschläuche mit der Brause. Wer den Schlauch noch mit Kies oder Mulch bedeckt - natürlich ohne die kleinen Löcher oder Düsen zu verstopfen - reduziert den Wasserverbrauch im Vergleich zum Schlauch mit Brause noch weiter.
Das Wasser versickert nicht an der falschen Stelle - und ernährt so nicht auch noch das Unkraut. Es sammelt sich auch nicht in Pfützen oder fließt irgendwohin, wo es nicht gebraucht wird. Feuchtigkeitssensoren, die man in die Erde stecken kann, zeigen zusätzlich an, welche Pflanzen gerade Wasser brauchen und welche nicht.
Pipeline-Systeme mit Wasserzapfstellen
Der Rasen zeigt seinen Wassermangel schnell selbst, wenn er braun wird - das sieht man auch ohne Sensoren. Rasensprenger oder Regner verteilen das Wasser wahlweise auf rechteckige oder auf runde Flächen, im Kreis oder hin und her. Wer einen großen Rasen hat und die Geräte nicht umstellen will, wenn die Reichweite zu klein ist, kann auch über aufwendigere Installationen nachdenken. Schläuche lassen sich in die Erde eingraben, sogenannte Pipeline-Systeme schlängeln sich unter der grünen Oberfläche entlang und bieten auch in der entferntesten Ecke noch einen Anschluss, aus dem das Wasser kommen kann. Das ergibt vor allem dann Sinn, wenn Gärten neu angelegt werden. Die Installation dauert nur einen Tag.
Gardena, der größte Gartenzubehör-Anbieter in Deutschland, bietet dieses Pipeline-System mit zwei Wasserzapfstellen für 100 Euro an. Jürgen Herrmannsdörfer kalkuliert für einen Garten, den man mit einer bequemen und wassersparenden Bewässerungstechnik ausstatten will, etwa 20 Euro pro Quadratmeter als Investition. Bei großen Rasenflächen kann dieser Preis noch etwas sinken. Doch halten die Rohre in der Regel auch zehn Jahre und länger.
Nur noch dafür sorgen, dass das Wasser läuft
Alternativen zum Gartenzubehör von Gardena bieten die amerikanischen Anbieter Rainbird, Hunter und Toro. In Baumärkten gibt es Konkurrenzprodukte auch im Discount-Bereich, dafür sollte man aber bei der Beratung genau auf die Eigenschaften des Gartens oder Balkons eingehen. Denn eine Pipeline ist zum Beispiel für einen fünf Quadratmeter großen Rasen wenig sinnvoll. Auch ist es wichtig, wie viel Druck auf den Wasserleitungen ist.
Bei wenig Druck und fünf angeschlossenen Regnern für den Rasen kann es sein, dass aus jedem einzelnen nur sehr wenig kommt.
Wenn aber alles stimmt, muss man im Idealfall nur noch dafür sorgen, dass das Wasser läuft, und kann den Sommer auch zu Hause schön finden.
Die Tipps für den Rasen, den Balkon, das Beet und die Hecke: Günstig gießen: Tipps für Balkon, Beet und Rasen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.382,63 | +0,43% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2535 | −0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?