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Gruner + Jahr baut Vorstand um : Julia Jäkel übernimmt die Führung des Verlags

Julia Jäkel, hier auf der Bilanzpressekonferenz des Verlags im März dieses Jahres. Bild: dpa

Donnerschlag am Baumwall: Nur ein halbes Jahr nach dem Abschied von Bernd Buchholz wird der Vorstand von Gruner + Jahr nochmals radikal umgebaut. Zwei Vorstände müssen gehen.

          Seit Bernd Buchholz die Kommandobrücke von Gruner+Jahr verlassen hat, bleibt bei Deutschlands größtem Zeitschriftenverlag („Stern“, „Brigitte“) kein Stein auf dem anderen. Buchholz war im Dissens mit dem Großaktionär Bertelsmann Anfang September ausgeschieden. Seine Aufgaben für das Geschäft in Deutschland übernahm Julia Jäkel, die fortan gleichberechtigt mit den Vorständen Torsten-Jörn Klein (Ausland) und Achim Twardy (Finanzen) am Baumwall in Hamburg regieren sollte.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Doch diese Regelung hat nicht lange gehalten: Klein und Twardy müssen Gruner+Jahr Knall auf Fall den Rücken kehren. In einer Mitteilung, die der Verlag am Mittwoch im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung verbreitete, liest sich das so: Klein und Twardy „legen ihre Vorstandsämter im besten Einvernehmen nieder“. Ihnen winken Abfindungen in Millionenhöhe: Der Vertrag des 49 Jahre alten Auslandsvorstands Klein lief noch bis 2017. Twardy, 52 Jahre, war noch bis 2014 an den Verlag gebunden.

          Zugleich hat der Aufsichtsrat die Position von Julia Jäkel gestärkt: Die 41 Jahre alte Managerin agiert fortan als Vorsitzende des Vorstands. Außerdem zieht sie in den erweiterten Führungskreis von Bertelsmann, das Group Management Committee, ein. In den Bertelsmann-Vorstand soll Jäkel aber offenbar nicht rücken. Im Vorstand von Gruner + Jahr nehmen zwei neue Männer neben ihr Platz: Stephan Schäfer und Oliver Radtke. Sie kommen aus den eigenen Reihen in das oberste Führungsgremium, in dem die Aufgaben aber künftig freilich anders verteilt sind. Der 38 Jahre alte Schäfer ist ein enger Vertrauter Jäkels. Sie hatte ihn zum Verlagsgeschäftsführer und Chefredakteur von „Brigitte“ gemacht. Seine redaktionellen Aufgaben wird Schäfer aufgeben und im Vorstand nun länderübergreifend das gesamte Titel- und Produktportfolio verantworten. Oliver Radtke, 44 Jahre, war bisher Geschäftsführer des mehrheitlich Gruner gehörenden Dresdner Druck- und Verlagshauses und wird sich unter anderem um Finanzen und Controlling kümmern. Radtke war unter Buchholz zuständig für das Restrukturierungsprogramm im Verlustjahr 2009. Damals soll er so manches Mal mit Jäkel aneinander geraten sein, heißt es im Verlag. Aber sie braucht jemanden, der die Effizienz erhöht.

          Auf die Neubesetzungen im Vorstand nahm Jäkel selbst großen Einfluss. Treibende Kraft hinter dem Abgang der lang gedienten Gruner-Manager Klein und Twardy war Thomas Rabe. Der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann führt den Aufsichtsrat von Gruner+Jahr. Allerdings sind die Personalentscheidungen im Einvernehmen mit der Familie Jahr gefallen, der 25,1 Prozent der Verlagsanteile gehören. Angelika Jahr gilt als Förderin von Julia Jäkel. Rabe begründet die Personalrochade mit der erforderlichen Neuorientierung im Verlag: Die Transformation zu einem auch digital führenden Medienunternehmen erfordere eine inhaltliche und personelle Neuordnung des Managements, erklärte der Bertelsmann-Chef. Zugleich lobte er Julia Jäkel. Diese habe in den vergangenen Monaten unter Beweis gestellt, dass sie mit Entscheidungs- und Gestaltungsfreude wichtige Veränderungen umsetze. Daraus lässt sich im Umkehrschluss ablesen, wo Rabe bei Klein und Twardy Defizite sah: Aus seiner Sicht waren die beiden offenbar nicht ausreichend bereit, auf ihren Feldern ein ähnlich hohes Umbau- und Veränderungstempo hinzulegen wie Jäkel, die den Verlag besser, schneller, effizienter und digitaler machen will (F.A.Z. vom 28. März). Der Handlungsbedarf lässt sich aus den Zahlen für 2012 nachlesen: Das Betriebsergebnis fiel um 28 Prozent auf 168 Millionen Euro. Aufgrund hoher Sonderaufwendungen stand unter dem Strich ein Verlust von 11 Millionen Euro.

          Jäkel beteuert, dass sie mit Klein und Twardy hervorragend zusammengearbeitet und von deren Erfahrung profitiert habe. Rabe dankte den beiden Managern für die „exzellente Arbeit“. Klein wird vor allem der Aufbau des Geschäfts in China und Indien positiv angerechnet. In Europa, wo Gruner unter der Marktschwäche im Süden leidet, hätte man von ihm wohl ein aktiveres Portfoliomanagement erhofft. Unter neuer Führung, so heißt es in Kreisen des Aufsichtsrats, könnten kleinere Landesgesellschaften (etwas rund um die Adria) auf den Prüfstand kommen. Ein großflächiger Rückzug aus dem Ausland sei aber nicht geplant. Aufsetzend auf den Inhalten der Zeitschriftentitel, will man länder- und bereichsübergreifend agieren. Daher wird das Auslandsgeschäft nunmehr vom gesamten Vorstand verantwortet. Der Verlag will seine Inhalte stärker in die digitale Welt übertragen und hierfür mehr als 100 Millionen Euro investieren. Dafür braucht er allerdings die Rückendeckung von Bertelsmann.

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