http://www.faz.net/-gqe-99cd1

Versuch nicht verlängert : Finnland verliert die Lust am Grundeinkommen

Demnächst wieder Wartemarken: Eine Geschäftsstelle der finnischen Sozialversicherung Kela, die den Grundeinkommens-Versuch durchführte. Bild: EPA

Allein der Test hatte für Aufsehen gesorgt: Statt Sozialhilfe zahlt Finnland derzeit einigen Arbeitslosen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Doch damit ist es nun vorbei.

          Die finnische Mitte-rechts-Regierung hat sich von dem Gedanken verabschiedet, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle einzuführen. Der Anfang des vergangenen Jahres begonnene Test eines solchen Grundeinkommens, der international für großes Aufsehen gesorgt hatte, soll zwar noch wie geplant bis zum Ende dieses Jahres weiterlaufen. Danach wird das Experiment aber nicht fortgesetzt.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wir haben empfohlen, den Test auszuweiten, um belastbare Ergebnisse zu erhalten“, sagte Olli Kangas, der für das Projekt zuständige Leiter des Forschungsinstituts der finnischen Sozialversicherung, der F.A.Z.. „Aber daran besteht offensichtlich kein Interesse.“

          Bislang besteht das Experiment darin, dass 2000 zufällig ausgewählte finnische Arbeitslose anstatt der üblichen Sozialleistungen 560 Euro im Monat erhalten und ohne Auflagen dazuverdienen dürfen. Die Forscher wollen auf diese Weise herausfinden, ob die Probanden auf diese Weise schneller einen Job finden als im herkömmlichen Sozialsystem.

          Als Nächstes wollten sie untersuchen, wie sich eine solche regelmäßige Zahlung auf Erwerbstätige auswirkt, und dafür 10 000 weitere Probanden rekrutieren. Dazu wird es nicht mehr kommen. „Das hätte längst beschlossen werden müssen“, sagte Kangas. „Dafür ist es zu spät.“

          Besonders eifrige Anhänger des Grundeinkommens hatten das finnische Experiment von Anfang an kritisiert, weil sie die ausgezahlte Summe für zu niedrig halten; nötig seien in einem hochentwickelten Industrieland eher 1000 Euro im Monat, argumentieren sie.

          1000 Euro im Monat : Berliner Startup verlost Grundeinkommen

          Weitere Themen

          Bewunderung statt Kritik Video-Seite öffnen

          Audi-Azubis in Mexiko : Bewunderung statt Kritik

          Das Image der deutschen Autoindustrie glänzt noch immer - trotz Diesel-Betrug-Skandalen. Zumindest im mexikanischen Puebla. Dort fertigen VW, Audi und Daimler. Und eine Ausbildung bei ihnen gilt als Glücksgriff.

          Topmeldungen

          DFB-Pokal : Die Bayern verlernen das anständige Verlieren

          Nach der Niederlage im Pokalfinale geben die Münchner kein gutes Bild ab. Länger als Stilfragen dürfte den deutschen Fußball aber das Ausrufezeichen durch den künftigen Bayern-Trainer Kovac beschäftigen. Ein Kommentar.

          Schuldenstreit : Europa macht Druck auf Italien

          Die künftige Regierung in Rom wendet sich weiter verbal von ihren europäischen Verpflichtungen ab. Mehrere Länder mahnen Italien. Ihre krasseste Forderung zumindest haben die Populisten wieder einkassiert.

          Bamf-Skandal : Hinweise auf Probleme bereits 2016

          Schon im Januar 2016 gab es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in der Bremer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Eine anonyme Information dazu war in Berlin eingegangen.
          Manchmal müssen Nutzer sogar telefonieren, um an ihre Daten zu kommen.

          Unternehmen müssen liefern : So kommen Sie an Ihre Daten

          In nicht mal einer Woche tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Nutzer haben dann das Recht zu erfahren, was Unternehmen über sie gespeichert haben. Aber es gibt einiges zu beachten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.