Home
http://www.faz.net/-gqe-q0km
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Grüne Woche Weltgrößte Agrarmesse in Berlin

19.01.2005 ·  Die 70. Grüne Woche, die ab Freitag in Berlin zu sehen ist, hat kaum mehr was mit der reinen Leistungsschau der Landwirtschaft zu tun, die sie einst war. Vielmehr geht es um Lifestyle-Essen, Biobier und und Wellness.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (0)

Lifestyle-Food, Biobier und Wellness - mit der einst reinen Leistungsschau der deutschen Landwirtschaft hat die Grüne Woche in Berlin nicht mehr viel gemein. Mehr als in den bisherigen Messejahren bestimmen von Freitag an die Interessen der Verbraucher das Programm auf der weltgrößten Agrarschau.

Zehn Tage lang wird die 70. Grüne Woche mit kulinarischen Spezialitäten wieder hunderttausende Besucher in die Messehallen locken. Die Debatten über Gen-Food und Dioxinfunde im Frühstücksei dürften so manchem dabei schwer im Magen liegen. Auch die Bauern müssen die Folgen von EU-Osterweiterung und Agrarreform erst noch verdauen.

Die Osterweiterung macht den Bauern Sorgen

Aus 55 Ländern kommen die 1.636 Aussteller auf der Agrarschau, die am Donnerstag abend feierlich eröffnet wird. Partnerland ist ein dreiviertel Jahr nach der Osterweiterung zum ersten Mal Tschechien. Der Nachbar Deutschlands versucht dabei mit dem Schlagerbarden Karel Gott, der auf der Eröffnungsfeier singt, die Besucher ebenso in seinen Bann zu ziehen wie mit landestypischen Leckereien. Agrarminister Jaroslav Palas wird eine Zwischenbilanz der EU-Hilfen für seine Bauern ziehen, sich auf dem politischen Ost-West-Agrarforum aber auch Fragen zu Verbraucherschutz und Wettbewerb gefallen lassen müssen.

Den deutschen Landwirten dürften tschechische Knödel und Budweiser nicht ohne Einschränkung schmecken. Die Osterweiterung und - damit verbunden - die völlige Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik macht vielen von ihnen noch große Sorgen. Durch die schrittweise Umstellung der Brüsseler Subventionen sollen Milchseen und Butterbergen der Vergangenheit angehören: Nicht mehr die erzeugte Menge, sondern die bewirtschaftete Fläche wird künftig bezuschußt. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner spricht dabei von „unsinnigen Auflagen“. Er meint einige der Vorbedingungen, die Landwirte jetzt erfüllen müssen, wenn sie EU-Zuschüsse erhalten wollen: Regeln im Tier- und Umweltschutz, bei der Lebensmittelsicherheit und den Futtermitteln.

Eine ganze Messehalle für Bio-Produkte

Den Verbrauchern ist dagegen jede neue Kontrollvorschrift recht. Die Affären um dioxinbelastetes Tierfutter aus einer Pommes-frites-Fabrik in den Niederlanden und Dioxin im Frühstücksei aus Freilandfarmen weckten neue Zweifel an der Sicherheit der europäischen Lebensmittelindustrie. Auch die Debatte um die Zulassung und Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in deutschen Supermarktregalen schreckte die meisten Verbraucher ab: Mit Genfood wollen - trotz aller Gesundheitsversprechen der Hersteller - hier zu Lande die wenigsten zu tun haben.

Einer der Profiteure der anhaltenden Verunsicherung ist der Biohandel. Die Umsätze im Naturkost-Großhandel stiegen in den ersten neun Monaten 2004 um fast acht Prozent auf 351 Millionen Euro. Die Einzelhändler verzeichnen steigende Umsätze seit März 2004, als die Genfood-Diskussion in vollem Gange war. Die Grüne Woche hat reagiert: Bio wird zum „Lifestyle“ erklärt und erhält gleich eine ganze Messehalle. „Bio and the City“ heißt das Motto in Anspielung auf die erfolgreiche Fernsehserie „Sex and the City“ und soll zeigen, daß der Gang in den Bioladen vor allem für junge, gut verdienende Städter immer mehr zur Alternative für die Billigdiscounter mit Abgepacktem und Eingeschweißtem wird.

Greenpeace warnt vor Verbrauchertäuschung

Im Laufe der Jahrzehnte hätten sich auf der Grünen Woche jetzt endgültig die „Präferenzen dahin verlagert, was letztendlich die Verbraucher erwarten“, sagt der oberste Agrarlobbyverband CMA. Mit Wellness, Qualität, Salatmischungen und anderen (halb)fertigen Gerichten sowie mit einem guten Preis will er die Lust auf heimische Produkte steigern. Nicht ohne die Widerworte kritischer Geister wie dem Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Vor dem Messestart warnten sie bereits vor Verbrauchertäuschung auf allzu blumigen Verpackungen und vor Genfutter in Milchprodukten.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 38 144

29.05.2012 11:52 Uhr
  Vortag
Dax 6.343,79 +0,33%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.382,63 +0,43%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2535 −0,05%
Rohöl Brent Crude 106,92 $ −0,32%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.