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Großelterngeld Der Irrsinn mit Oma

 ·  Erst das Elterngeld und der Krippenausbau. Jetzt der Plan für eine Erziehungszeit für Großeltern. Vieles wird getan, damit Familien einen Kinderwunsch entwickeln. Das Kind ist nicht länger Privatsache. Der Staat erklärt sich zuständig für Hege, Pflege und Aufzucht.

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Die Oma soll es richten. Wer sonst? Sie soll künftig häufiger die Enkel hüten, so schwebt es Familienministerin Kristina Schröder vor. Dafür müssen die Betriebe sie (oder den Opa) dann freistellen, für bis zu drei Jahre, inklusive Jobgarantie und Kündigungsschutz. Mutter und Vater können in der Zeit guten Gewissens ihre Karriere vorantreiben - wissen sie doch den Nachwuchs wohlbehütet.

Bald werden wir also Heerscharen rüstiger Omas dabei beobachten, wie sie mit Wonne wickeln, füttern, vorlesen und mit den Kleinen durch die Parks toben. Alles dank der „Großelternzeit“. Eine schöne Vorstellung hat Schröder, selbst junge Mutter, da entwickelt. „Für alle ein Gewinn“, so jubelt die CDU.

Nur gehen die Pläne an der Realität vorbei. Denn wen will die Ministerin mit dem Gesetz erreichen? 51 Prozent der Großeltern sind bereits heute „fest in das Betreuungsmanagement eingebunden“, hat Schröder kürzlich selbst mitgeteilt. Wer helfen kann und will, tut dies also längst - auch ohne aufmunternden Klaps von Vater Staat.

Die Famileinministerin macht sich bei älteren Wählern und Wählerinnen beliebt.

Bleiben die restlichen 49 Prozent. Nimmt man die Großeltern heraus, die nicht mehr arbeiten, zu weit weg wohnen, keine Lust auf die Enkelbespaßung haben oder Kleinkinder aus gesundheitlichen Gründen nicht betreuen können, dann bleiben 30000 Menschen. Die Zahl stammt aus dem Familienministerium. 30000 Omas und Opas möchten das Angebot vielleicht annehmen. Vielleicht auch viel weniger. Ein gesellschaftspolitisches Problem lässt sich so auf jeden Fall nicht lösen. Aber die Ministerin macht sich mit der Großelternzeit bei 30000 Wählern und Wählerinnen beliebt. Der „Gewinn für alle“ ist also - wenn überhaupt - ein Gewinn für die überforderte Ministerin.

Mit etwas Glück kann Schröder davon ablenken, dass es mit dem Krippenausbau gewaltig hakt. 750.000 Betreuungsplätze soll es nächsten Sommer geben, es fehlen mehr als 100.000 Plätze und Erzieherinnen sowieso. Wo es knapp wird mit den Krippen, sollen die Großeltern einspringen. Und damit diese den Schritt nicht bereuen, sollen womöglich die Rentenbeiträge weiterlaufen: Bezahlen müssten dann die Firmen.

Alles nur, damit Familien einen Kinderwunsch entwickeln. Das Kind nämlich, so lernen wir, ist nicht länger Privatsache; ausgerechnet eine bürgerliche Regierung erklärt Hege, Pflege, Aufzucht zur sich weiter auswachsenden Staatsaufgabe. Elterngeld soll es künftig bis 14 Jahre geben, der Staat bezuschusst nicht nur den Babyurlaub, sondern auch noch das Jahr im Ausland für Teenager samt Papa und Mama: absurd! Als ob die 150 anderen staatlichen Lockmittel (wie Kindergeld, Steuerfreibeträge, kostenlose Mitversicherung in der Krankenkasse, Anrechnen der Erziehungszeiten bei der Rente) noch nicht genug wären.

Und warum das alles? Stimmt, da war noch was. Mehr Kinder müssen her. Vor allem die richtigen Kinder: Akademikerkinder. Deshalb hat die Union ja schon das Elterngeld erfunden, aber mehr Kinder gebildeter Eltern kommen trotzdem nicht auf die Welt. Für die Politik lohnt es sich trotzdem: Die eigene Klientel wird bedient. Nicht die Armen profitieren. Nein, Elterngeld bedeutet: Umverteilung von unten nach oben, ohne dass die selbstgesteckten Ziele erreicht werden. Trotz der jüngsten Jubelmeldungen („Elterngeld ist ein Erfolg“) bleibt nach wie vor jede dritte Akademikerin kinderlos.

Statt daraus zu lernen (Geld macht keine Kinder!) und das Elterngeld zu kappen, setzt Schröder lieber noch einen drauf. Immer nach dem Motto: Paare werden schon wieder Kinder bekommen, wenn der Staat ihnen das diffizile Langzeitprojekt nur schmackhaft macht. Deshalb dürfen die Großeltern künftig sogar zeitgleich mit den Eltern in den Enkelurlaub gehen. Vier Erwachsene hätscheln dann einen Säugling. Was für ein Irrsinn.

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29.09.2012, 16:38 Uhr

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