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Öffnungszeiten im Einzelhandel : Schützt den Sonntag!

Entspannen statt Shoppen: Viele Deutsche möchten sonntags nicht arbeiten. Bild: dpa

Die großen Warenhäuser wollen auch am Sonntag öffnen dürfen. Damit fiele der letzte freie Tag der Woche dem Einkaufen zum Opfer. Das wäre ja noch schöner!

          Um eines gleich zu sagen: Ich mag Selbstbestimmung. Und Eigenverantwortung sowieso. Natürlich bin ich dafür, dass jeder grundsätzlich tun und lassen kann, was er will, solange er anderen dabei nicht auf die Füße tritt. Ich bin ein mündiger Bürger und mag es nicht, mich von allzu vielen Regeln einschränken zu lassen. Und ich kaufe gerne ein: Kleidung, Wohnungsgegenstände, Essen. Sogar normale Einkäufe im Supermarkt finde ich genussvoll und entspannend, weil ich mir dabei Dinge gönnen kann, die das Leben schöner machen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Grunde müsste ich mich also der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ anschließen, zu der sich Karstadt, Kaufhof, große Einkaufszentren und Innenstadthändler zusammengeschlossen haben, um endlich lockere Ladenöffnungszeiten und vor allem den verkaufsoffenen Sonntag zu erreichen. Sie fordern das Grundrecht der „freien Entfaltung der Konsumenten“, und ich müsste ihr Anhänger sein. Bin ich aber nicht.

          Weswegen ich es nicht bin? Nicht, weil ich von mir behaupten könnte, besonders religiös zu sein und deshalb auf den heiligen Sonntag poche, so wie es die Kirchen tun. Dass uns die christliche Schöpfungsgeschichte diesen Ruhetag ja geradezu verordnet hat, ist zwar schön, aber muss man alles, was in der Bibel steht, wirklich wörtlich nehmen? Nein, ich gehöre nicht zu den Leuten, die am freien Sonntag festhalten wollen, weil er ein schützenswertes religiöses Gut ist. Und ich hoffe auch nicht, dass an diesem Tag alle in Gebet und Besinnung versinken. Stattdessen kann ich mein Plädoyer für den konsumfreien Sonntag sogar wirtschaftlich begründen.

          Online-Handel boomt an Sonntagen

          Zugegeben, es klingt plausibel, warum die Handelsketten wollen, dass das Sonntagseinkaufsverbot endlich fällt: Sie fürchten nämlich um ihr Geschäft. Schließlich sehen sie, wie im Internet der Online-Handel gerade an Sonntagen boomt. Dort ist der Tag der geschlossenen Warenhaustüren der zweitumsatzträchtigste der ganzen Woche, weil alle Welt vom heimischen Sofa aus einfach Sachen im Internet bestellt.

          Der Einkauf am Sonntag gehöre inzwischen zur Freizeitgestaltung der Menschen, finden die Händler, und es schränke den freien Kunden über Gebühr ein, wenn ihm dieses Vergnügen im Offline-Handel verwehrt werde. Man zwinge ihn ja dadurch geradezu, nur noch online einzukaufen und so zum Ladensterben beizutragen, sodass die Innenstädte veröden. Im Schutz der Sonntagsruhe, klagen die Öffnungsanhänger, gedeihe darum nicht das Christentum, sondern bloß Amazon.

          Einkaufen am Sonntag rettet den Einzelhandel?

          Mal abgesehen davon, dass ich in München und damit in einer Stadt lebe, in der die Innenstadt an Wochenenden alles andere als verödet. Sie wird vielmehr regelmäßig von Menschen überschwemmt, weswegen man sich vor allem an Wochenenden nicht mehr hineinwagen sollte, sobald man auch nur unter der mildesten Form von Klaustrophobie leidet. Und mal ganz zu schweigen davon, dass der Sonntag zwar einer der Haupteinkaufstage im Internet ist, der umsatzträchtigste Tag dort allerdings der Montag ist – und an dem haben die Geschäfte bekanntlich in aller Regel offen.

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