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Große Koalition : Bedroht die Rentenreform 50.000 Arbeitsplätze?

Bild: Bischof, Franz

Die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren ist eines der teuersten Vorhaben der großen Koalition. Der Plan könnte auch 50.000 Arbeitsplätze kosten.

          Die von der Bundesregierung geplante Rente mit 63 wird nicht nur zwei bis drei Milliarden Euro jährlich kosten, sondern auch 50.000 Arbeitsplätze. Darauf hat der Rentenfachmann Axel Börsch-Supan, Institutsdirektor am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik, hingewiesen. „Im Rentenpaket der Regierung bereitet mir die Rente mit 63 die größte Sorge“, sagte er am Dienstag in Berlin.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Derzeit könnten rund sieben Prozent eines Jahrgangs die Sonderregelung nutzen, mit 65 Jahren ohne Abschläge in Ruhestand zu gehen. 80 Prozent von ihnen hätten ununterbrochen gearbeitet. Künftig werde aber der Personenkreis stark ausweitet, weil auch Zeiten der Erziehung, Pflege, Arbeitsförderung und Arbeitslosigkeit zu den 45 Beitragsjahren zählen sollten.

          „Die Anrechnung von Arbeitslosigkeit ist fatal“: Ökonom Axel Börsch-Supan
          „Die Anrechnung von Arbeitslosigkeit ist fatal“: Ökonom Axel Börsch-Supan : Bild: dpa

          „Die Anrechnung von Arbeitslosigkeit ist fatal“, sagte Börsch-Supan. „Künftig werden 17 Prozent eines Jahrgangs mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen können. Das kostet 2,5 Prozent des gesamten Rentenbudgets und steigert den Beitragssatz um einen halben Prozentpunkt. Dadurch werden 50000 Arbeitsplätze vernichtet.“ Betrachte man die Möglichkeit, schon zwei Jahre vor der Rente Arbeitslosengeld zu beziehen, habe die Regierung „den perfekten Tunnel zur Rente mit 61 gebaut“. „Die Politik hat in der Eurokrise das Problem des demographischen Wandels vergessen“, kritisierte Börsch-Supan, der auch die Finanzierung höherer Mütterrenten aus der Rentenkasse für falsch hält.

          Nahles will Missbrauch der Frühverrentung verhindern

          Das Kabinett will das Rentenpaket von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) an diesem Mittwoch beschließen. Neben der Rente mit 63 sind höhere Mütter- und Erwerbsminderungsrenten geplant. Wegen der Kritik hat Nahles angekündigt, im parlamentarischen Verfahren solle geprüft werden, „ob und wie Frühverrentung durch eine verfassungskonforme Regelung verhindert werden kann“.

          Es soll wissenschaftlich untersucht werden, ob die geplante Regelung in den nächsten Jahren zur missbräuchlichen Inanspruchnahme der Frühverrentung führt. Aus der Union kommt der Vorschlag, die Anerkennung von Arbeitslosigkeit zu begrenzen und nur Zeiten vor dem Stichtag 1. Januar 2014 zu berücksichtigen.

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