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Großbritannien Karg und billig

02.02.2010 ·  Das Medikament Roactemra kann das Leben von Arthritis-Patienten erheblich erleichtern. Doch ob sie es bekommen, hängt in Großbritannien vom Wohnort ab. Das Beispiel Nice zeigt, dass im staatlichen Gesundheitsdienst in vielen Bereichen noch immer die Mangelverwaltung regiert.

Von Marcus Theurer, London
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Das Medikament Roactemra kann das Leben von Arthritis-Patienten erheblich erleichtern. Doch ob sie es bekommen, hängt in Großbritannien vom Wohnort ab. In England und Wales hat die Zulassungsbehörde National Institute of Health and Clinical Excellence (Nice) die Kosten von rund 9000 Pfund (knapp 10 500 Euro) im Jahr pro Patient als zu hoch eingestuft. Schottische Patienten bekommen das Medikament dagegen, denn die dortige Zulassungsbehörde hat es abgesegnet.

Nice ist ethisch umstritten, denn die vor zehn Jahren geschaffene Behörde, die Vorbild für das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen war, soll die Kosten neuer Medikamente in Relation zu ihrem Nutzen setzen. Selbst lebensrettende Arzneien werden nicht zugelassen, wenn sie als zu teuer eingeschätzt werden. Befürworter verweisen allerdings darauf, dass mehr als neun Zehntel der Medikamente den Wirtschaftlichkeitstest bestehen und Preistreiberei von Pharmakonzernen auf diese Art wirkungsvoll eingedämmt werden könne.

Das Beispiel Nice zeigt, dass im staatlichen Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) in vielen Bereichen noch immer die Mangelverwaltung regiert. Bei vielen öffentlichen Dienstleistungen setzt Großbritannien stärker auf den Markt als die meisten anderen europäischen Länder. Doch im Gesundheitssystem ist der nicht aus Beiträgen, sondern aus Steuermitteln finanzierte NHS bis heute sakrosankt. Private Krankenversicherungen sind nur eine Randerscheinung für Wohlhabende, der Staatsanteil an den Gesundheitsausgaben ist auf der Insel höher als etwa in Deutschland und Frankreich.

Der NHS ist bis heute karg und relativ billig: Trotz hoher Investitionen seit der Jahrtausendwende und einiger Verbesserungen ist die Ausstattung mit Personal, moderner Technik und Krankenhausbetten im internationalen Vergleich weiter unterdurchschnittlich. Noch immer gibt Großbritannien weniger Geld für sein Gesundheitssystem aus als viele andere Industrieländer. Die kommenden Jahre werden schwierig: Weitere große Ausgabensteigerungen wird es kaum geben, denn die Wirtschaftskrise hat tiefe Löcher in die Staatskasse gerissen. Stattdessen muss der NHS, der noch immer ein bürokratisches Monstrum ist, dringend effizienter werden - eine Herkulesaufgabe.

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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