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Reeder Krise einmal umgekehrt

 ·  Während die deutschen Reeder auf eine Pleitenserie zusteuern, investieren finanzstarke griechische Reeder munter in neue Schiffe. Der griechische Staat hat davon wenig.

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© dapd Poller im Hafen von Piräus

In der Schifffahrt ist alles anders: Ausgerechnet in einer Branche, in der die deutschen Unternehmen zunehmend in Not geraten, sind die Griechen obenauf.

„Die großen griechischen Reedereien sind auf Einkaufstour“, sagt Leo von Ruffin, gebürtiger Grieche und Schiffsmakler in Hamburg. Abgesehen hätten sie es auf günstig angebotene gebrauchte Containerschiffe, unter anderem aus Deutschland, ergänzt ein anderer norddeutscher Makler, der anonym bleiben möchte. Branchenkenner berichten von Zukäufen großer griechischer Reeder wie der Tsakos-Gruppe, der Angelicoussis-Gruppe oder der Martinus-Familie. Und beim griechischen Reedereiverband herrscht trotz der miserablen finanziellen Lage des Landes Zuversicht: Die aktuellen Wirtschaftsdaten seien „zum großen Teil befriedigend“, schreibt der Verband in seinem Jahresbericht.

„Vor allem die kleineren Reedereien sind inzwischen in akuter Not“

Über eine „befriedigende“ Situation wären die deutschen Schiffsbetreiber hocherfreut. Ralf Nagel, Verbandschef der heimischen Reeder, wusste sich zuletzt nur noch damit zu helfen, „deutlich mehr Engagement“ und „konkrete Hilfe“ vom Staat zu fordern. Wer verstehen will, wie es so weit kommen konnte, muss die Geschäftskonzepte deutscher und griechischer Reeder kennen.

Die Krise der hiesigen Frachtschifffahrt ist hausgemacht. Über Jahre hinweg flossen Milliarden in die maritime Wirtschaft. Schiffsfonds sammelten mit dem Versprechen auf üppige Renditen immense Summen bei Anlegern ein, Banken befeuerten die Expansion der Handelsflotten mit Krediten, bis schließlich mehr als jedes dritte Containerschiff der Welt einem deutschen Reeder gehörte. Das Problem dabei: Die Frachtmengen wurden zwar größer, mit dem rapiden Wachstum der Flotten konnten sie jedoch nicht mithalten. Es entstanden Überkapazitäten - und Zweifel, ob die hohen Erwartungen der Investoren erfüllt werden können. „Vor allem die kleineren Reedereien sind inzwischen in akuter Not“, warnt Claus Brandt, Experte des Beratungsunternehmens PWC. Wären ihnen ihre Banken bei der Finanzierung nicht entgegengekommen, sagt Brandt, hätten viele bereits Insolvenz anmelden müssen.

Dass die Commerzbank Ende Juni den Rückzug aus der Schiffsfinanzierung ankündigte, trifft die Branche hart. Verbandschef Nagel reagierte alarmiert: „Gerade in der jetzigen Situation erwarten wir, dass Kurs gehalten wird.“ Eine mit Steuermitteln finanzierte Bank dürfe sich nicht von heute auf morgen aus einem für den Standort Deutschland wichtigen Geschäftsbereich verabschieden, polterte er. Krisengespräche zur miserablen Finanzierungslage mit dem Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP), und Bankenvertretern haben bereits begonnen.

Doch warum jammern die Griechen nicht - sind es die üppigen europäischen Hilfsgelder, die ihnen die Einkaufstour ermöglichen? Die befragten Makler widersprechen vehement. Das Erfolgsrezept sei das „antizyklische Geschäftskonzept“, das die griechischen Reeder seit Jahrzehnten verfolgten: Anstatt anlegergetrieben zu handeln, „kaufen sie Schiffe in Zeiten, in denen Verluste gemacht werden. In Boomphasen werden sie dann mit Gewinn verkauft“, erklärt Makler von Ruffin. Die Rücklagen, die auf diese Weise entstehen, würden die griechische Schifffahrtsbranche - immerhin nach dem Tourismus der zweitwichtigste Wirtschaftszweig des Landes - krisenfester machen. Die Griechen agierten wie die schwäbische Hausfrau. Zudem spülten Börsengänge Geld in die Kassen einzelner Reeder. Der Containerschiff-Eigner Costamare etwa wird an der Wall Street gelistet.

Nur der griechische Staat hat von alldem wenig. Denn wie in anderen europäischen Ländern auch profitieren griechische Reedereien von einem für sie günstigen Verfahren, das den zu versteuernden Gewinn schmälert. „Die Steuern, die griechische Reeder zahlen, wenn sie viel investieren, gehen gegen null“, sagt PWC-Experte Brandt.

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