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Griechenlands Krise Ein Blick zurück aus dem Jahr 2013: Die Alternative

Ein Zukunftsszenario: Obwohl die EU den Euro verteidigen wollte, gab es letztlich für Griechenland keine Rettung. Am Ende spaltete sich die Währungsunion, vom ursprünglichen Konzept von Maastricht war nicht mehr viel übrig. Philip Plickert versetzt sich ins Jahr 2013 und blickt zurück auf die aktuelle Krise.

© dpa Vergrößern Von der Rezession in die Depression: Der griechische Patient wird umgebracht

In ein paar Jahren wird man sagen, dass die Auflösung des Euro-Raums just in dem Moment begann, als die Staatschefs die Einheitswährung in einer Nachtaktion vermeintlich gerettet hatten. Mit dem gigantischen Hilfsprogramm von 750 Milliarden Euro mutierte die Währungsunion zu einer Haftungsgemeinschaft. Das war der Anfang vom Ende der Stabilitätsgemeinschaft. Es gebe „keine Alternative“, hatte die deutsche Kanzlerin kurz zuvor gesagt und den Bundestag genötigt, einem Hilfspaket von 110 Milliarden Euro für das überschuldete Griechenland zuzustimmen.

Keine Alternative? Leider hielt sich die Geschichte nicht an die Vorgaben der Politik, die eine Rettung Griechenlands und des Euro versprach und dafür bereit war, die Grundregeln des Euro-Vertrags zu brechen. Hinter der rissigen Fassade war vom ursprünglichen Währungskonzept von Maastricht nicht mehr viel übrig. Nach qualvollen Jahren zeigte sich aber, dass der Milliarden-“Bailout“ für die Griechen nicht funktionierte. Griechenland war bankrott, weitere Südländer standen kurz davor, und in den Nordländern wuchs der Widerstand gegen fortgesetzte Transferzahlungen.

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Alle Versprechen nur noch Makulatur

Noch in diesem Jahrzehnt zerfiel der Währungsraum in zwei Blöcke. Es hatte frühe Warner gegeben: kritische Ökonomen, die den Euro für eine Fehlkonstruktion hielten. Die europäischen Volkswirtschaften seien zu unterschiedlich, um sie unter das Dach einer gemeinsamen Währung mit einer einheitlichen Geldpolitik zu führen. Was an innerer Flexibilität fehle, müsse schließlich durch Transfers aus den starken Ländern in die schwächeren Länder im Süden fließen. Die Politik hatte die Einwände der Ökonomen ignoriert. Den deutschen Wählern war hoch und heilig versprochen worden, dass nur solide Länder mit soliden Finanzen in die Eurozone aufgenommen würden. Es sei vertraglich ausgeschlossen, dass Deutschland für die Schulden anderer Länder haften müsse.

Bundestag gibt grünes Licht für Athen-Hilfe © dpa Vergrößern Vielleicht eine andere Geschwindigkeit: Die Akropolis in Athen

Im Jahr 2010 waren all diese Versprechen nur noch Makulatur. Mit dem 110-Milliarden-Euro-Paket über drei Jahre für Griechenland war erst mal Zeit für den überschuldeten Staat gekauft. 2009 hatte das hellenische Staatsdefizit 13,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) betragen, die Schuldenquote war auf 115 Prozent gestiegen. Mit einem brutalen Haushaltskurs, den der Internationale Währungsfonds (IWF) mit entworfen hatte, versprach die Regierung, das Defizit in großen Schritten von bis zu 4 Prozentpunkten im Jahr zu reduzieren. Die Pläne waren unrealistisch, wie sich bald zeigte. Selbst der IWF hatte die Erfolgschancen in internen Analysen als gering eingeschätzt. Die hellenische Wirtschaft ging vollends in die Knie, nachdem die staatlichen Ausgaben abrupt verringert worden waren und die Mehrwertsteuererhöhung und steigende Arbeitslosigkeit den privaten Konsum abwürgten.

Griechenland fällt von der Rezession in die Depression

Im Jahr 2010 schrumpfte das BIP um mehr als 5 Prozent (die Regierung hatte 4,5 Prozent Rückgang vorhergesagt), im Folgejahr nochmals um 5 Prozent (statt des prognostizierten Rückgangs um „nur“ 2,5 Prozent). „Die Griechen kommen von der Rezession in eine Depression“, hatten einige Ökonomen früh gesagt. Sie warnten: „Die Medizin kann schlimmer sein als die Krankheit.“ Damit werde der griechische Patient umgebracht. Schon 2010 waren 50.000 kleinere und mittlere Unternehmen insolvent. Als auch der aufgeblähte Staatsdienst massenhaft Stellen abbaute, verdoppelte sich die Arbeitslosenquote auf 20 Prozent.

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