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Griechenland : Noch ein Kreditpaket

Es wird noch teurer: So sieht der nächste Versuch aus, Griechenland zu retten Bild: F.A.Z.

Das zweite Kreditpaket für Griechenland ist beschlossen, das erste hat nur Zeit gekauft, die nicht genutzt wurde. Und wenn sich Griechenland nicht vom Euro verabschiedet, rückt bald das dritte Kreditpaket näher.

          Seit mehr als zwei Jahren versprechen die Regierungschefs die Rettung des Euro, was immer das heißen und was immer das kosten mag. In Griechenland haben jedenfalls die vielen Milliarden des ersten Kreditprogramms die Lage nicht verbessert. Es wurde nur Zeit gekauft, diese aber leider nicht genutzt.

          Nun wird mit dem nächsten Kreditpaket über 130 Milliarden Euro der Bankrott des Landes weiter aufgeschoben. Private Besitzer griechischer Staatsanleihen (das sind nicht nur Banken) verlieren durch Zwang mehr als die Hälfte ihres Kapitals - dennoch wird der Schuldenschnitt als freiwillig gelobt.

          Die doppelte Lektion für Investoren

          Das ist eine Zäsur. Ein Land in der Währungsunion wird umgeschuldet, darf aber den Euro behalten, sich über die Halbierung der Schuld freuen, die Verdopplung seines Darlehens in Empfang und eine weitere Absenkung der Kreditzinsen mit Wohlgefallen zur Kenntnis nehmen. So lässt sich gut Schulden machen, wird sich jeder normale Kreditnehmer denken.

          Kein Wunder, dass nun aus Portugal, Irland, Spanien oder Italien Wünsche nach Schuldenerleichterung kommen. Die Investoren am Euro-Kapitalmarkt erhalten eine doppelte Lektion. Erstens nehmen sich die Emittenten von Staatsanleihen das Recht, die Anleihebedingungen zu ändern, wann immer es ihnen passt. Zweitens müssen nur die Privatanleger bluten, staatliche Gläubiger wie die EZB erhalten eine Vorzugsbehandlung, ihre Kredite werden nicht beschnitten. Das erleichtert die Rückkehr der Krisenstaaten an den Kapitalmarkt nicht.

          Bitter ist, dass Griechenland allen Reformversprechen zum Trotz nicht wettbewerbsfähiger geworden ist. Die Preise und Löhne sind so hoch wie vor dem Platzen der Kreditblase, die Defizite auch und der Importüberhang wird weiterhin mit Geld aus dem Ausland finanziert. Die Preise müssen runter, wenn Hellas im Wettbewerb mit seinen Nachbarn beim Verkauf landwirtschaftlicher Güter oder im Tourismus mithalten will. So eine Anpassung erfolgt normalerweise über den Wechselkurs durch Abwertung der eigenen Währung. Dieses Instrument haben die Mitglieder der Währungsunion aus der Hand gegeben. In Griechenland müssten Löhne und Preise um die Hälfte sinken, um so erfolgreich wie Irland zu sein. Das ist zu viel, hierfür fehlen Wille und Kraft. Also rückt das dritte Kreditpaket näher - oder der Abschied vom Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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