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Griechenland Der Schuldenschnitt nimmt Konturen an

 ·  Die Zeit wird knapp, doch die Gespräche zwischen der griechischen Regierung und dem internationalen Bankenverband stehen offenbar kurz vor dem Durchbruch. Private Gläubiger könnten bis zu 70 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen verlieren.

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Die Verhandlungen zwischen dem internationalen Bankenverband IIF und der griechischen Regierung über einen Schuldenschnitt stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. „Wir sind sehr dicht davor, die Sache abzuschließen“, erklärte ein Vertreter der Banken. Ein enger Mitarbeiter von Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, die Regierung in Athen sei optimistisch. Über große Fortschritte in den Gesprächen berichteten auch mehrere griechische Medien. Eine vorläufige Einigung wird für den Abend erwartet, über Details soll jedoch über das Wochenende weiter verhandelt werden. Die angestrebte Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) soll dann spätestens am Montag fertig sein

Staatsbankrott im März möglich

Der Abschluss der Verhandlungen bedeutet jedoch keineswegs, dass damit der langwierige Schuldenschnitt-Prozess beendet ist. Ob der erfolgreich wird, hängt davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen dem Verhandlungsergebnis zustimmen und auf Geld verzichten. Die Euro-Staaten verlangen, dass die privaten Gläubiger auf insgesamt 100 Milliarden Euro verzichten. Andernfalls wollen sie das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland nicht freigeben. Ansonsten droht Athen spätestens im März ein ungeordneter Staatsbankrott, wenn Staatsanleihen im Volumen von 14,5 Milliarden Euro bedient werden müssen.

Am Freitagvormittag hatte sich der Geschäftsführer des Internationalen Bankenverbandes, (IIF) Charles Dallara, abermals mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos getroffen. Sie gaben nach dem Gespräch zwar keine Erklärungen ab, dem Vernehmen nach legten sie jedoch bereits Einzelheiten des Schuldenschnitts fest.

Einbußen bis zu 70 Prozent möglich

Klar ist, dass die privaten Gläubiger ihre bestehenden Anleihen in neue tauschen, auf Teile ihrer Forderungen verzichten und auch niedrigere Zinsen in Kauf nehmen sollen. Am Freitagnachmittag deuteten Informationen aus Bankkreisen auf einen Zinssatz zwischen drei und 4,6 Prozent hin, die Laufzeit soll demnach 30 Jahre betragen. Anderen Quellen zufolge soll der Anstieg der Zinsen vom griechischen Wirtschaftswachstum abhängen - wobei fraglich ist, wann die Wirtschaft des Landes überhaupt wieder wächst.

Der Schuldenschnitt dürfte die Banken nach Schätzungen griechischer Finanzexperten insgesamt mehr als die 50 Prozent kosten, von denen häufig die Rede ist: Die reellen Einbußen könnten aufgrund der geringeren Zinsen bis zu 70 Prozent der ursprünglichen Anlagen betragen. Offizielle Quellen wollten dies aber nicht kommentieren.

Versprochen - gebrochen

Parallel zu den Verhandlungen mit dem Bankenverband prüft die so genannte Troika derzeit vor Ort die Bücher der griechischen Administration. Die Experten aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds müssen zustimmen, damit Athen die nächste Tranche aus dem ersten Hilfspaket bekommt und ob das im Herbst grundsätzlich beschlossene zweite Hilfspaket tatsächlich geschnürt wird.

Schon zu Beginn der Troika-Mission steht praktisch fest, dass die Griechen ihre Versprechen abermals nicht erfüllt haben. EU-Währungskommissar Olli Rehn machte dafür in der „Süddeutschen Zeitung“ „vor allem innenpolitische Gründe“ verantwortlich: Im Frühling soll in Athen ein neues Parlament gewählt werden und der Wahlkampf bremst den Reformeifer der Parteien. Rehn forderte, dass die Vorsitzenden der großen Parteien Europas ihren griechischen Kollegen Druck machen, die versprochenen Reformen durchzuziehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verstärkt unterdessen ihre internationalen Anstrengungen. Am Sonntagabend will Merkel die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, im Kanzleramt empfangen. Eine Pressekonferenz ist nicht geplant. Für Montagabend hat Merkel den EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zu einem Besuch nach Berlin eingeladen. Darin geht es um die Vorbereitung des Brüsseler Gipfels am 30. Januar.

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